Räume für Gemeinschaft im Glauben

Bonifatiuswerk fördert katholische Bauprojekte in der Diaspora Deutschlands, Skandinaviens und dem Baltikum – Diaspora-Sonntag am 21. November. Von Werner Häussner
Foto: Fotos (3): Bonifatiuswerk | Matthias Micheels, beim Bonifatiuswerk zuständig für die Diaspora-Kinder- und Jugendhilfe.
Foto: Fotos (3): Bonifatiuswerk | Matthias Micheels, beim Bonifatiuswerk zuständig für die Diaspora-Kinder- und Jugendhilfe.

Seit 1849 unterstützt das Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken die Gemeinden in der Diaspora. Wo katholische Christen eine winzige Minderheit sind, wo sie weit verstreut leben, wo sie große Entfernungen zurücklegen müssen, da steht ihnen das Bonifatiuswerk helfend zur Seite. Als Werk der Solidarität will es diejenigen Gläubigen stützen, die oft allein mit ihrem Glauben leben müssen, die sich nach Gemeinschaft sehnen und sich mit Menschen treffen wollen, mit denen sie ihre Sicht auf das Leben und auf wesentliche Fragen teilen.

Zurzeit findet wieder die Diaspora-Aktion statt, die im „Diaspora-Sonntag“ am 21. November gipfelt. Dann wird in allen Pfarrgemeinden für die Arbeit des Bonifatiuswerks gesammelt. Mit dem Geld wird das katholische Leben vor allem in Nord- und Ostdeutschland sowie in Nordeuropa und dem Baltikum im Sinne einer „Hilfe zur Selbsthilfe“ unterstützt.

Matthias Micheel leitet beim Bonifatiuswerk in Paderborn den Bereich „Missionarische und Diakonische Pastoral“ und gleichzeitig den Fachbereich Diaspora-Kinder- und Jugendhilfe. „Die Tagespost“ sprach mit Micheel über einen Aspekt der Hilfe, die Baumaßnahmen.

Sie unterstützen Baumaßnahmen in der Diaspora Deutschlands, Nordeuropas und der baltischen Länder Estland und Lettland. Wo liegt der Schwerpunkt der Förderung?

Traditionsgemäß liegt unser Schwerpunkt in Deutschland, denn das Bonifatiuswerk wurde 1849 als Missionsverein für Deutschland gegründet. Skandinavien kam erst 1974 dazu, die baltischen Länder Estland und Lettland im Jahre 1995. Wir fördern vor allem in der extremen deutschen Diaspora zwischen Elbe und Oder. Daran wird sich mittelfristig nichts ändern.

Wie hoch sind die Beträge in der Bauhilfe?

2010 waren es im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz 1,8 Millionen Euro. In den letzten Jahren war die Summe höher, bedingt durch einige Großprojekte. 2009 etwa lag sie bei 2,8 Millionen. Im Bereich der Nordischen Bischofskonferenz geben wir dieses Jahr 1,2 Millionen aus, in Estland und Lettland 500 000 Euro. Für eilbedürftige Maßnahmen, wenn Flutschäden beseitigt oder Dächer kurzfristig repariert werden müssen, haben wir 350 000 Euro pro Jahr eingeplant. Das ergibt eine Gesamt-Fördersumme von rund 3,8 Millionen.

Wie finanziert das Bonifatiuswerk die Hilfe?

Das Bonifatiuswerk finanziert sich überwiegend aus Spenden; es erhält keine öffentlichen und kaum kirchliche Zuschüsse. Die Einnahmen für die Baumittel kommen aus der Kollekte des Diaspora-Sonntags, in diesem Jahr am 21. November. Dann aus Spenden – zum Beispiel von den Kommunion- und Firmkindern in Deutschland – und aus Vermächtnissen.

Welche Kriterien gibt es für eine Förderung?

Zunächst: Das Bonifatiuswerk finanziert die Baumaßnahmen nicht komplett, sondern unterstützt subsidiär. Die Projekte selbst werden von den Diözesen oder Ordensgemeinschaften verantwortet.

Ohne Zustimmung der kirchlichen Träger vor Ort genehmigt der Vorstand bei der Vergabesitzung – jeweils im Dezember des Jahres – keine Projekte. Die Ortskirchen stellen auch die Anträge und erkennen Projekte als förderungswürdig an. Unser Kriterium für eine Förderung ist unter anderem die Katholikenzahl am Ort: Liegt sie unter 15 Prozent, kann ein Antrag an das Bonifatiuswerk gestellt werden.

Welche Großprojekte fördert das Bonifatiuswerk derzeit in Deutschland?

Mit etwa einer Million Euro wird in den kommenden Jahren der Neubau der Propsteikirche Sankt Trinitatis in Leipzig gefördert. Nachdem im Zweiten Weltkrieg die Propsteikirche aus dem 19. Jahrhundert an ihrem ursprünglichen Standort zerstört wurde, verweigerte die sozialistische Führung den Wiederaufbau und verdrängte die Gemeinde an den Stadtrand.

Der in den siebziger Jahren errichtete Zweckbau am Nordrand der Innenstadt bot der Gemeinde damals die einzige Möglichkeit, sich überhaupt zu versammeln.

Dieser Bau ist so marode, dass eine Sanierung mehrere Millionen kosten würde. Die Katholische Gemeinde in Leipzig wächst durch Zuzüge; die Katholiken wollen im Stadtzentrum wieder sichtbar sein.

Daher hat man sich entschieden, auf einem zentralen Grundstück in der Nähe der Nikolaikirche bis 2013 eine neue Kirche zu bauen. Mit diesem Bau wird in die Zukunft der Leipziger Gemeinde investiert!

Für uns ist es auch wichtig, Kindergärten zu fördern. Mit 200 000 Euro unterstützen wir den Bau des neuen Kindergartens in Kamenz im Bistum Dresden-Meißen. Im Bistum Berlin flossen unsere Mittel zum Beispiel in das Jugendhaus des Bistums, das Christian-Schreiber-Haus in Alt-Buchhorst vor den Toren Berlins.

Und in Norddeutschland?

Im Norden haben wir weite Gebiete mit extremer Diaspora. Dorthin fließen Mittel wie zum Beispiel für das „Domforum“ in Osnabrück, das wir in den letzten Jahren gefördert haben. 2010 stellen wir 70 000 Euro für den Neubau einer Kirche in Wangerland-Schillig zur Verfügung. Dort, an der Nordseeküste, soll bis 2011 ein „Freiraum für den Glauben“ entstehen: eine Kirche, die auch für die vielen Touristen offen ist.

Gibt es Unterschiede zwischen den Projekten in Deutschland und in den nordischen oder baltischen Ländern?

Dort sind die Bauten im diakonischen Bereich – also Kindergärten etwa – nicht so häufig. Wir fördern vielmehr eine Reihe von Klosterneubauten und Schulen. Zum Beispiel in Trondheim in Norwegen. Das Birgittenkloster wird wahrscheinlich im Dezember eingeweiht. Seit 2004 wurde es mit 1,15 Millionen Euro gefördert.

Klöster finanzieren wir auch in Lettland mit: In Ikskile und Jelgava entstehen neue Karmeliterinnenklöster. Und im Bistum Liepaja gaben wir Geld für das Martinushaus, ein Projekt für vernachlässigte Jugendliche und Straßenkinder.

Schließlich möchte ich noch Schweden erwähnen, wo in Uppsala mit unserer Hilfe die erste katholische Hochschule seit der Reformation ihre Arbeit aufnahm. Im April 2010 wurde sie staatlich anerkannt. Inzwischen studieren am „Newman-Institut“ der Jesuiten bereits die ersten Priesteramtskandidaten im Freisemester!

Info: www.bonifatiuswerk.de

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