Nicht zum Nulltarif

Baden-Württemberg streitet über achtjähriges Gymnasium

Stuttgart (DT/dpa) Die Klagen von Eltern und Schülern über das achtjährige Gymnasium in Baden-Württemberg sind nach Ansicht des Landesschulbeirates nur die Folge einer mangelhaften Verwirklichung des Konzepts. „An den Schulen, an denen die Bildungspläne für G8 wie vorgesehen umgesetzt werden, sind die Belastungen für die Schüler kaum ein Thema“, sagte die Vorsitzende des Gremiums, Ingeborge Schöffel-Tschinke, in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. „Ein Großteil der Lehrer hat aber den Paradigmenwechsel von den Lehrplänen zu den Bildungsplänen noch nicht vollzogen.“ Die Landesregierung müsse zudem Geld in die Hand nehmen, damit die Idee konsequent an allen Gymnasien realisiert werde. „Man wollte G8 kostenneutral einführen, es ist aber nicht zum Nulltarif zu haben.“

In den Lehrplänen werden Inhalte festgelegt, die die Schüler erlernt haben müssen, in den Bildungsplänen dagegen Fähigkeiten. So werden im neunjährigen Gymnasium (G9) im Fach Biologie ganze Listen von Tieren durchgearbeitet, im G8 wird anhand weniger Beispiele die Einordnung der Tiere erlernt. Die so vermittelten Grundsätze sollen Schüler dann auf andere Tiere anwenden können.

Schöffel-Tschinke unterstrich: „Eine Entrümpelung, wie sie einige Politiker vorgeschlagen haben, ist der falsche Ansatz. Denn G8 ist kein verkürztes G9.“ Das Kultusministerium hatte nach Klagen über die Überbelastung der Kinder an Fächern orientierte runde Tische mit Fachlehrern, Eltern und Schülern eingerichtet. Dabei sollte sondiert werden, wie Selbstlernphasen in den Ablauf des achtjährigen Gymnasiums integriert werden können. Auch wird beraten, ob Unterrichtsstoff gestrichen werden kann. Die Ergebnisse sollen noch im Mai bekanntgegeben werden. Der Landesschulbeirat nimmt an den runden Tischen nicht teil. Das Gremium, dem Lehrer, Kammern, Schüler, Eltern, Verbände und Ministeriumsvertreter angehören, hat der CDU/FDP-Landesregierung ein eigenes Papier „10 Thesen zur Umsetzung des 8-jährigen Gymnasiums“ vorgelegt.

Dem Schulleiter kommt nach Überzeugung von Schöffel-Tschinke eine enorme Bedeutung bei der Einführung von G8 zu: „Wie effektiv G8 umgesetzt wird, hängt von ihm ab.“ Die Rektoren seien aber so mit Verwaltungsarbeit eingedeckt, dass für pädagogische Aufgaben die Zeit fehle. Deshalb müsse es künftig Direktionsassistenten geben, die den Pädagogen das Führen von Statistiken, die Unterrichtung des Kollegiums über neue Erlasse sowie die Organisation von Hausmeister- und Reinigungstätigkeiten abnehmen. Weitere Unterstützung der Lehrer verspricht sich der Beirat von Sozialarbeitern und Jugendbegleitern.

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