Neue deutsche Weintreue zur Heimat

Der Weinmarkt schrumpft, aber deutsche Weine werden stärker nachgefragt – Trendsetter Riesling vergrößert Anbaufläche

Wenn es nach dem Deutschen Weininstitut (DWI) in Mainz geht, dann setzen die Deutschen auf eine neue Heimattreue. Die Liebhaber guter Tropfen zwischen Flensburg und Garmisch-Partenkirchen greifen auf die Erzeugnisse der heimischen Anbaugebiete zurück. Der große Trend, dass es mindestens ein Italiener oder Franzose oder Spanier sein muss, wenn nicht gar ein Kalifornier, Chilene oder Südafrikaner, um als Kenner des Metiers oder als „in“ zu gelten, scheint gebrochen – sagt zumindest das Weininstitut in seiner jüngsten Mitteilung.

Danach kauften die Deutschen im ersten Halbjahr des vergangenen Jahres knapp drei Prozent mehr deutsche Weine ein. Der Marktanteil wuchs demnach von 46,3 Prozent auf 49,1 Prozent – bei insgesamt leicht zurückgehendem Weinkonsum überhaupt. Die drei großen Weinimportländer Italien, Frankreich und Spanien mussten nach diesen Angaben dagegen zum Teil zweistellige Einbußen hinnehmen. Wenn auch das Deutsche Weininstitut für Werbung und Marketing der Branche sorgen soll, hat es die Zahlen aber nicht frei erfunden – sondern bezieht sich auf Erhebungen der Gesellschaft für Konsumforschung, die 20 000 Privathaushalte befragt hat, also eine durchaus repräsentative Angelegenheit.

„Die heimischen Weine sind die Gewinner des ersten Halbjahres“, freut sich DWI-Geschäftsführerin Monika Reule. Von diesem Erfolg profitiert vor allem der gute, alte deutsche Riesling – denn nach Jahren der Experimente kehren die Deutschen wieder zu Altbewährtem zurück. Das lässt sich an der Rebflächenstatistik ablesen. Nach den Zahlen des Statistischen Bundesamtes pflanzen die deutschen Weinbauern den Riesling seit 2005 wieder vermehrt an. Die mit dem leicht säuerlichen, aber spritzigen Wein bepflanzte Rebfläche ist in diesem Zeitraum von knapp 20 800 auf etwa 21 800 Hektar gewachsen, also rund der Fläche von 1 500 Fußballplätzen. Die Rebflächen für Rotweine wie der Dornfelder dagegen, die lange als die Lieblinge der Nation galten, wachsen nach diesen Statistiken nicht mehr, ja werden zum Teil im wahrsten Sinne des Wortes wieder zurückgeschnitten.

„Wein ist der Spiegel des Menschen.“ Das sagt schon der griechische Dichter Alkäus von Mytilene. Und da lässt auch die neue deutsche Lust am heimischen Riesling tief blicken, bis hinein in die gegenwärtige deutsche Seelenlage. Denn der Trend in Richtung Heimat und dort durchaus auch in Richtung biologischem Anbau ist in den vergangenen Jahren auch bei anderen Lebensmitteln deutlich zu spüren. Ob bei Obst, Gemüse, Getränken oder Fleisch – die Auswahl ist groß, und Geld verdienen lässt sich damit auch trefflich. Eine Brauerei aus der Rhön sorgte beispielsweise in den vergangenen Jahren mit dem Erfolg ihrer „Bionade“ für Aufsehen – und setzte gar den amerikanischen Getränkegiganten Coca-Cola derart unter Konkurrenzdruck, dass er das Unternehmen kaufen wollte.

An diesen Beispielen lässt sich ein grundlegender Sinneswandel in der Gesellschaft erkennen. Möglichst viele Menschen wollen sich gesund ernähren, und hoffen, dies mit heimischen Produkten tun zu können. Diesem Trend wollen jetzt auch die folgen, denen Euro und Cent nicht so locker in der Tasche sitzen. So wie der Gourmet jetzt wieder den Riesling neu zu schätzen scheint, und sein Prestige und Seelenheil nicht mehr allein davon abhängt, ob er die Franzosen, Italiener und Spanier durchdeklinieren kann, so will anscheinend auch der kleine Mann wieder zurück zum heimischen Wein. Darauf deuten weitere Erkenntnisse der Marktforscher für das DWI hin: Danach kaufen die Deutschen ihren Wein vermehrt im Lebensmittelhandel inklusive Discount ein. Knapp drei Viertel aller hierzulande gekauften Weine werden dort erworben – von 2006 zu 2007 ein Zuwachs von zwei Prozent. Und diese Absätze gingen zu Lasten des Weinfachhandels, der Weingüter und anderer Verkaufsstellen wie etwa den Tankstellen.

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