„Mit dieser Mission hat mich Jesus beauftragt“

Bischof Pedro Barreto engagiert sich für Umweltauflagen in einem Bergwerk in Peru und erhält Morddrohungen Annika Sophie Duhn
Foto: Misereor |

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Wie leben Sie mit den Morddrohungen?

Solche Drohungen begleiten mich seit acht Jahren. Aber die Armen sind es, die mich gelehrt haben, stark zu sein und die Hoffnung nicht zu verlieren. Ich bin überzeugt davon, dass es eine Mission ist, mit der mich Jesus beauftragt hat, und er selbst gibt mir Kraft, um weiter zu kämpfen und mich weiter für den Schutz von Leben und Umwelt einzusetzen.

Und Ihr Team, Ihre Mitarbeiter? Auch sie bekommen mittlerweile Drohungen.

Ja, das ist richtig. In diesem besonderen Fall haben zwei Mitarbeiter des Projekts telefonisch Drohungen erhalten. Zu einer Mitarbeiterin sagten sie auch, dass der Erzbischof sich schon mal seinen Sarg kaufen kann und sich auf den Tod vorbereiten soll. Das Neue ist also jetzt, dass es nicht mehr nur an den Bischof, an mich gerichtet ist, sondern auch an die Mitarbeiter, die mit dem Staat, den Unternehmen und der Bevölkerung zusammenarbeiten wollen, um dieses schwerwiegende Problem der Umweltverschmutzung anzugehen.

Was ist Ihr grundsätzliches Ziel?

Wir als katholische Kirche sind nicht grundsätzlich gegen den Bergbau, aber wir treten ein für ein menschenwürdiges Leben und Arbeiten in einer gesunden Umwelt für alle Menschen. Dies ist ein Grundrecht, das nicht nur die Regierung, der Staat, sondern auch die Kirche schützen muss.

Sie sind Vorsitzender der Kommission „Gerechtigkeit und Solidarität“ der lateinamerikanischen Bischofskonferenz CELAM. Was ist hier die Position der CELAM?

Wir sind sehr besorgt über die Situation in der Rohstoffindustrie, denn diese nimmt in Lateinamerika sehr wenig Rücksicht auf die Belange von Menschen und Umwelt. Wir sind uns in der Bischofskonferenz einig, dass dieses Problem in ganz Lateinamerika und der Karibik gravierend ist. Das Problem existiert in Argentinien, Kolumbien, Ecuador, Chile, jüngst auch in Uruguay und auch in Zentralamerika. In den vergangenen Jahren haben aufgrund des technischen Fortschritts immer mehr Unternehmen die Absicht, auf unserem Kontinent Rohstoffe auszubeuten. Unser Problem liegt darin, dass wir in den lateinamerikanischen Ländern keine Umweltvorschriften nach internationalen Standards haben. Auf diesem Feld handeln viele Politiker verantwortungslos. Sie interessieren sich vor allen Dingen für wirtschaftliche Investitionen und die damit einhergehenden zusätzlichen Einnahmen für den Staat.

Wie kann die Kirche da handeln?

In der katholischen Kirche gibt es dazu leider noch keine gemeinsame Antwort. Jeder Bischof sucht derzeit lediglich in seiner eigenen Diözese nach Antworten auf die jeweiligen örtlichen Probleme. Die kirchlichen Dokumente sind in dieser Hinsicht sehr klar, schon Papst Johannes Paul II. hat uns in einem Dokument aufgefordert, dass wir uns in besonderer Weise für die Bewahrung des Lebens und der Schöpfung einsetzen müssen. Aber wie macht man es in der Praxis? Darauf Antworten zu finden ist ein zentrales Anliegen unserer Kommission „Gerechtigkeit und Solidarität“. Wie dringlich diese Sache ist, zeigt sich daran, dass neben mir auch andere lateinamerikanische Bischöfe Morddrohungen erhalten.

Gerade versucht das Unternehmen Doe Run, eine erneute Fristverlängerung zu erwirken, um die Umweltauflagen erst später erfüllen zu müssen. Was erwarten Sie?

Die letzte Fristverlängerung um 30 Monate für die Einhaltung der Umweltauflagen ist Ende März verstrichen, aber der Konzern Doe Run hat diese immer noch nicht erfüllt. Es gibt Anzeichen dafür, dass die Verschmutzung und auch der Bleigehalt im Blut der Menschen zurückgegangen sind, seitdem die Schmelzhütte 2009 geschlossen wurde. Doch jetzt will das Unternehmen die Hütte erneut öffnen. Und gegenüber dem Leiden können wir nicht schweigen. Die staatlichen Gesetze berücksichtigen immer noch viel stärker die Interessen der Unternehmen zu Lasten der Bevölkerung. Doch viele Zivilorganisationen und die Diözese haben den Präsidenten der Republik und Parlamentsabgeordnete aufgefordert, der erneuten Fristverlängerung nicht zuzustimmen. Auch Organisationen wie zum Beispiel „Misereor“ solidarisieren sich mit der Bevölkerung und stellen sich der Fristverlängerung entgegen.

Haben Sie Hoffnung auf Erfolg?

Ja! Im Gegensatz zu der Zeit vor acht Jahren, als ich Bischof der Diözese wurde, sprechen Betroffene und Unterstützer mit einer gemeinsamen Stimme. Die Stimme der Kirche hat Solidarität und Gemeinschaft geschaffen zugunsten der Bevölkerung. Auch die Medien unterstützen uns. Der Protest bekommt viel Unterstützung.

Das Interview wurde vom bischöflichen Entwicklungshilfswerk „Misereor“ zur Verfügung gestellt.

Hintergrund

Hintergrund

Seit vielen Jahren engagiert sich der peruanische Erzbischof Pedro Barreto in seiner Diözese Huancayo für die Einwohner der Stadt La Oroya, in der seit 87 Jahren eine Kupfer- und Bleigießerei die Umwelt stark belastet mit schwerwiegenden Folgen für die Bevölkerung. 97 Prozent der Kinder unter sechs Jahren weisen einen hohen Bleigehalt im Blut auf, der weit über den von der Weltgesundheitsorganisation festgelegten Höchstwerten liegt. Barreto fordert die Einhaltung von Umweltstandards und Menschenrechten sowie Gerechtigkeit beim Abbau von Rohstoffen in Lateinamerika. Der Konzern der Gießerei, Doe Run, hatte sich zwar schon 1997 bei der Übernahme der Schmelze zu dem Umweltprogramm des peruanischen Staates verpflichtet, aber erreichte immer wieder, dass er die Frist zur Erfüllung der Umweltauflagen verlängern konnte. Der Betrieb steht seit dem Jahr 2009 still. Nun versucht Doe Run zum dritten Mal, eine erneute Fristverlängerung um 30 Monate durchzusetzen. Außerdem will das Unternehmen die Schmelzhütte wieder öffnen. Bischof Barreto kämpft gemeinsam mit seinem Team gegen eine weitere Fristverlängerung. In diesem Zusammenhang stehen Morddrohungen gegen Bischof Barreto und seine Mitarbeiter seit Anfang März. DT/Misereor

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