Milchschwemme bedroht Kleinbauern in Westafrika

Die EU trägt zur desolaten Situation bei. Von Robert Luchs

Burkina Faso (DT) Die beiden Hilfswerke Brot für die Welt und Misereor mahnen eine Reform der Ernährungssysteme des Weltagrarhandels an. Besonders drastisch sind die Auswirkungen des Billig-Exports von Milchpulver unter anderem aus der Europäischen Union. In Westafrika beispielsweise stehen dadurch immer mehr Kleinbauern und Viehhirten vor dem Aus.

Aber auch in Deutschland werden Milchproduzenten von den extrem niedrigen Milchpreisen, die der Exportausrichtung der Milchindustrie geschuldet sind, aus der Produktion getrieben. Gleichzeitig kaufen Nahrungsmittelkonzerne und Molkerei-Großgenossenschaften aus der EU etwa in Burkina Faso verstärkt Molkereien auf und verdrängen so zusätzlich die lokale Verarbeitung und Wertschöpfung. „Milch aus importiertem Milchpulver ist um zwei Drittel billiger als lokal erzeugte Milch. Zusätzlich wird der Markt überflutet mit kleinen Milchpackungen, für die Milchpulver mit billigen pflanzlichen Fetten gestreckt wurde. Die Preise dafür sind so niedrig, dass kleine lokale Molkereien und Produzenten nicht mithalten können“, erklärt Ibrahim Diallo, Misereor-Partner und Präsident von 42 Kleinstmolkereien in Burkina Faso. Er warnt vor den Folgen dieser Entwicklung: „Wenn die Menschen ihre Familien nicht mehr ernähren können, sehen sie sich gezwungen, auf der Suche nach Arbeit in die Städte oder ins Ausland zu gehen.“

Entwicklungsländer werden auch durch die Welthandelsorganisation (WTO) ausgebremst. Dazu der Nahrungsexperte Biraj Patnaik: „Entwicklungsländern muss es möglich sein, ihre Agrarmärkte vor Billig-Exporten aus Industrieländern schnell und wirksam zu schützen. Ansonsten werden gerade die ärmsten Landwirte aus ihren lokalen Märkten verdrängt. Die Welthandelsorganisation hat in diesem Punkt bisher völlig versagt.“ Die EU und die USA verweigerten nicht nur Schutzmaßnahmen für die ärmsten Länder, sondern sie sicherten auch ihre bestehenden Agrarsubventionen weiter ab, ohne sich mit den Konsequenzen auseinanderzusetzen. So würden diese Länder im Süden des Kontinents auf der Handelsebene weiter dabei ausgebremst, eine funktionierende Landwirtschaft aufzubauen, die die eigene Bevölkerung ernähren könne. „Mit einer solchen Politik wird man weder dem Hunger Einhalt gebieten, noch die Entwicklungsziele der Vereinten Nationen erreichen können.“

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