Mehr als nur ein Beispiel für Folklore

Terek-Kosaken aus dem Nordkaukasus reisen nach Maaloula zur Unterstützung der ansässigen Christen. Von Barbara Wenz
Foto: dpa | Betender Kosake.

Sie sind orthodoxe Soldaten, können mehr als nur gut singen und pittoresk aussehen mit ihren bunten Uniformen und beeindruckenden Umhängen – und sie kommen von weit her: eine Abteilung von Terek-Kosaken aus Stawropol an den Hängen des Nordkaukasus, die entsendet wurde, um diese einzigartige christliche Enklave in Nahost zu unterstützen. Das syrische Gebirgsstädtchen Maaloula, etwas mehr als 50 Kilometer nordöstlich von Damaskus, bewahrt nicht nur wertvolle und für das Christentum bedeutsame Gebäude wie das Kloster der beiden Heiligen Sergius und Bacchius oder auch das der heiligen Thekla, einer Schülerin des Apostels Paulus. Thekla von Ikonium wird in der römisch-katholischen wie in der orthodoxen Kirche als Heilige und Protomärtyrerin verehrt. Zudem ist der Ort von exzeptioneller Bedeutung für Sprachenforscher. Denn hier wird noch die Muttersprache Jesu, also Aramäisch, gesprochen.

Laut einer UNESCO–Studie von vor zehn Jahren jedoch nur noch von etwa 20 000 Menschen. Nachdem der so genannte „Islamische Staat“ die Enklave im Herbst 2013 zweimal einnehmen konnte, wird sich diese Zahl traurigerweise eher noch verringert haben. Damals wurden viele Einwohner ermordet oder vertrieben, Gebäude niedergerissen, Glocken und Kreuze zerstört. Deshalb, so erklärt Dmitri Tarassow, der Vizeleiter der städtischen Kosakengesellschaft von Stawropol, wolle man vor Ort diese Sprache dokumentieren, weiter erforschen und auch Mitschnitte und Audio-Dokumente im Internet zugänglich machen. Das berichtete kürzlich die russische Tageszeitung „Iswestija“.

Sie werden dabei nicht nur von der Universität und der Diözese von Stawropol unterstützt, sondern auch von der großen hauptstädtischen Universität in Moskau. Das Projekt wird gemeinsam mit der Akademie für aramäische Sprache in Maaloula vor Ort durchgeführt.

Wenn sie nicht gerade ihren wissenschaftlichen Interessen zu den Ursprüngen des christlichen Glaubens nachgehen, übernehmen die Terek-Kosaken in ihrer Heimatregion um den Fluss Terek, nach dem sie sich benennen, hauptsächlich Aufgaben des Grenzschutzes. Wie die „Iswestija“ weiter berichtet, freut sich Kosakengeneral Viktor Wolodazki, der gleichzeitig der Vizevorsitzende des GUS-Ausschusses im russischen Unterhaus ist, besonders über diese Initiative. Er betonte gegenüber der Zeitung, dass alle Kosaken, seien es nun die Terek-, die Kuban-, die Orenburger Kosaken – und natürlich auch die vom Don und in Sibirien – stets das (orthodoxe) Christentum verteidigten: „Die Kosaken sind im Grunde orthodoxe Krieger. Außerdem gehören Forschungsaktivitäten zu den besonderen Stärken der Terek-Kosaken.“

In der Tat sind für Kosaken, von denen es um die 400 000 wehrfähige Männer und ethnisch gesehen etwa zwei Millionen in der gesamten russischen Föderation sowie im Donbass-Gebiet geben soll, vor allem drei Dinge wesentlich, die für Westeuropäer ungewöhnlich, wenn nicht sogar verdächtig wirken: Das Dasein als Soldat und Kämpfer, der orthodoxe Glaube und die Treue und Liebe zur Heimatregion. Bemerkenswert an dieser Initiative ist, dass die Kosaken, auch wenn die Beziehungen zwischen Syrien und Russland traditionell schon vor dem Krieg freundschaftlich zu nennen waren, nun auf internationaler Ebene Verantwortung für das Christentum in einer Art geistlichem Kampf übernehmen wollen, wo man sie sonst in der westlichen Öffentlichkeit eher als folkloristische, rein schollenverhaftete Kollektive einer längst untergegangenen Zeit wahrgenommen hatte.

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