Leipzig baut größte neue katholische Kirche im Osten

Bischöfe aller 27 deutschen Diözesen bitten alle Gläubigen in Deutschland um Spenden

Leipzig (DT/KNA) Ein ungewöhnlicher Spendenaufruf ergeht am kommenden Wochenende in den rund 12 000 katholischen Kirchengemeinden Deutschlands. Die Bischöfe der 27 Diözesen bitten um Unterstützung für den größten katholischen Kirchenneubau Ostdeutschlands seit der Wende, der im Leipziger Stadtzentrum geplant ist. Das Projekt soll auch bundesweit zum Signal des Aufbruchs werden. Während andernorts Gotteshäuser stillgelegt oder aufgegeben werden, will die Leipziger Propstei ein Zeichen dafür setzen, dass es in der Kirche nicht nur rote Zahlen gibt.

Die wachsende katholische Hauptkirchengemeinde der Messestadt ist selbst ein Beleg dafür. In den vergangenen zehn Jahren verdoppelte sich ihre Mitgliederzahl – unter anderem durch Zuzüge aus dem Westen – auf nunmehr 4 000. Zugleich sind nur gut vier Prozent der Leipziger katholisch und die Ortskirche weiter auf finanzielle Hilfe von außen angewiesen. Um für ihr Vorhaben zu werben, hat die Propsteigemeinde rund 250 Mitglieder und weitere „Sympathisanten“ als „Botschafter“ entsandt. Vor allem im Rhein- und Münsterland, aber auch im Großraum München informieren sie in Gottesdiensten über das Großprojekt, unterstützt von Berichten und Beilagen in der Kirchenpresse.

Die bundesweite Kollekte selbst ist Zeichen der herausragenden Bedeutung, die das Vorhaben auch aus Sicht der Deutschen Bischofskonferenz hat. Eine solche Sammlung für einen Kirchenbau gab es bisher nur in Ausnahmefällen. So spendeten die deutschen Katholiken Anfang der 1960er Jahre für den Bau der Gedenkkirche Maria Regina Martyrum in Berlin-Plötzensee, die den Opfern der Nationalsozialisten gewidmet ist. Nun sollten die Katholiken 20 Jahre nach dem Fall der Mauer mit dem Leipziger Projekt ihren Glauben bezeugen, heißt es im Aufruf der Bischöfe.

Für das Bauvorhaben sind nun mindestens zehn Millionen Euro erforderlich, wie Propst Lothar Vierhock veranschlagt. Eine Million hat das Bonifatiuswerk bereits zugesagt, das in Minderheitensituationen lebende Katholiken unterstützt. Auch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt hilft, damit ein Gotteshaus nach modernsten ökologischen Maßstäben entstehen kann. Es soll rund 600 Besuchern Platz bieten.

Auch sonst stehen die Chancen gut. Der Leipziger Stadtrat gab bereits grünes Licht, sein Grundstücksverkehrsausschuss beschloss die Aufnahme von Verhandlungen mit der Propsteigemeinde über ein Freigelände an der Nonnenmühlgasse gleich gegenüber dem Neuen Rathaus der Messestadt. Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) sagte dem Projekt seine „vorbehaltlose Unterstützung“ zu – und legte zugleich die Latte hoch. Die städtebauliche Wunde vor seinem Amtssitz müsse architektonisch anspruchsvoll geschlossen werden, forderte das evangelische Stadtoberhaupt. Als Jurymitglied des anlaufenden Architektenwettbewerbs kann er selbst darauf Einfluss nehmen. Er stellt sich das neue Gotteshaus mit Gemeindezentrum als katholisches Pendant zur evangelischen Nikolaikirche vor, die durch die Friedensgebete der Wendezeit weltbekannt wurde.

Unmittelbarer Anlass des Bauprojekts ist allerdings die Baufälligkeit der derzeitigen Propsteikirche – der Bau von Anfang der 1980er Jahre ist ein Fall für die Abrissbirne. Die Kirche steht auf einem Grundstück außerhalb der Innenstadt, das wegen Wasseradern für einen solchen Bau eigentlich ungeeignet ist. Nur dort aber hatte das SED-Regime nach langem Hin und Her einen Ersatzbau für die frühere neogotische Propsteikirche zugelassen, die 1943 ausgebombt wurde. So war Leipzig seither die einzige deutsche Metropole ohne repräsentatives katholisches Gotteshaus im Stadtzentrum. Die für 2012 geplante Rückkehr ins Herz der Stadt ist für den Bischof von Dresden-Meißen, Joachim Reinelt, allerdings mehr als eine geografische Frage: „Die Leipziger Katholiken bringen damit zum Ausdruck, dass sie die Gesellschaft mitgestalten wollen.“

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