Kluger Weg zum gläubigen Partner

Im Meer der Heiratsvermittler tummelt sich auch ein garantiert katholischer Fisch

Wien (DT) Es sei schon gut, dem virtuellen Raum nicht zu sehr zu vertrauen, meint Lukas Madl. Das Entscheidende bleibe doch die reale Begegnung. Seine Frau Theresia pflichtet ihm bei: „Der im Chatroom kann ja auch ein Spinner sein.“ Die beiden haben sich im Internet kennengelernt und sind heute glücklich verheiratet. Theresia hat lange gezögert, im Internet nach dem Mann fürs Leben zu suchen. Zunächst bei einem der größten virtuellen Partnervermittler, doch dort wurde sie enttäuscht, weil sie auch über ihren Glauben schrieb. Mit einem Mann telefonierte sie vier Stunden: „Das war wunderschön, aber dann haben wir uns getroffen und ich wusste sofort: Das geht nicht!“ Auch ihr heutiger Ehemann zögerte lange, bis er den Schritt ins Netz wagte. „Man muss schon ein gewisses Leid durchgemacht haben“, erinnert sich Lukas Madl.

„Man muss wissen, dass man es ernst meint“

Theresia und Lukas Madl sind ein reifes christliches Paar. „Von Anfang an war der liebe Gott der Dritte im Bunde“, sagt Lukas. „Man muss wissen, dass man es ernst meint. Dann kommt die Gnade“, ergänzt Theresia. Doch der Genetiker und die Apothekerin haben einen langen Weg hinter sich. Lukas Madl blickt zurück: „In der Pubertät ging die Suche nach Erkenntnis und Wahrheit so richtig los – auch auf radikale Art und Weise.“ So radikal, dass es ihm schließlich sehr schlecht ging: „Ich hatte schwarze, dunkle Zustände.“ Mit einer kleinen Gruppierung, die er regelmäßig traf, diskutierte er philosophische Fragen. Man begann, sich mit der Kirche und ihrer Lehre zu befassen. Schließlich entwickelte sich ein fast klösterliches Leben. „Jahrelang war Ehe für mich kein Thema.“ Aber schließlich wuchs doch die Sehnsucht danach.

Anders erging es Theresia, die in einer gutkatholischen Familie aufwuchs. Als Teenager distanzierte sie sich von Glaube und Kirche, fand über ein charismatisches Jugendcamp wieder zurück. Im Loretto-Gebetskreis wurde ihr Glaube tiefer, ihre Liebe zur Kirche neu entfacht. Sie hatte das Pharmazie-Studium abgeschlossen und die Arbeit als Apothekerin aufgenommen, hatte viele Freunde – aber keine Familie. Angesichts der vielen Berufungen in ihrem Umfeld fragte sie sich: „Bin ich auch berufen? Ist das ein Weg für mich?“ Während eines Sabbat-Jahres bei der Gemeinschaft Immaculata in Mödling bei Wien entstand die Sehnsucht nach dem Kloster. So ging Theresia im Februar 2003 zu den kontemplativen Johannes-Schwestern nach Frankreich. „Aber ich habe gemerkt: Das ist nicht mein Weg. Ich bin einfach nicht glücklich gewesen.“ Sie ging zurück nach Wien, nahm ihre alte Stelle in der Apotheke wieder an, wo sie bis heute arbeitet. „Da kam auch die Sehnsucht nach Beziehung und Familie wieder.“

Die Sehnsucht nach einer Ehe ist wie die nach einer Berufung

So glücklich Lukas und Theresia heute wirken: Beiden fiel es schwer, im Internet nach einem geeigneten Partner fürs Leben zu suchen. Theresia erinnert sich: „Meine Eltern haben begonnen, mir alles rüberzuschieben, was in ,Vision 2000‘ oder in der Kirchenzeitung über ,KathTreff‘ stand. Sie haben nicht lockergelassen, sagten immer wieder: ,Probier das!‘ Ich wollte nicht.“ Die gleichen Freunde, die sie zuvor zum Kloster nach Frankreich begleitet hatten, ermutigten sie jetzt, und halfen ihr, den Fragebogen bei der „KathTreff“-Anmeldung auszufüllen. „Was die alles wissen wollen!“, dachte sie zunächst und war unangenehm berührt. Heute sieht sie die Vorauswahl von Kandidaten als entscheidenden Punkt: „KathTreff“ sei für gläubige Katholiken ein kluger Weg, einen gläubigen Partner zu finden.

Sie selbst war nur fünf Tage dabei – dann hatte sie Lukas kennengelernt. „Viele denken, der liebe Gott wird mir meinen Partner schon schenken. Aber man muss auch selbst aktiv sein!“, sagt Theresia heute. Sie hat bereits in ihrer Jugend für den Mann gebetet, der ihr einmal geschenkt werden würde. „Es war sicher gut, dass wir uns bald getroffen haben“, sagt Lukas Madl.

Glückliche, strahlende christliche Ehen wie jene von Theresia und Lukas Madl sind der Grund, warum Weihbischof Andreas Laun die „KathTreff“-Initiative von Gudrun Kugler von Anfang an unterstützte. „Ich weiß, wie sehr Menschen leiden, wenn sie keinen Partner finden können. Wen wundert es, Gott selbst hatte Mitleid mit dem Mann, der unter seiner Einsamkeit litt, bis er endlich ,Bein von meinem Bein, Fleisch von meinem Fleisch‘ vor sich hatte“, meint Bischof Laun gegenüber der „Tagespost“. Bei den Frauen komme „die große Sehnsucht nach Kindern hinzu, stärker und klarer als bei den Männern“. Diese Sehnsucht werde noch verstärkt durch das Ticken der „biologischen Uhr“, das die Männer so nicht kennen. Launs Fazit: „Es gibt genug Gründe, sich auch diesen Sehnsüchten und Leiden zuzuwenden und den Menschen zu helfen.“ Mit einem Augenzwinkern erinnert der Salzburger Weihbischof daran, dass sich die Eltern des heutigen Papstes über ein Zeitungsinserat kennengelernt haben – „und die moderne Weiterentwicklung ist das Internet“.

Weihbischof Laun stand an der Wiege des katholischen Heiratsportals „KathTreff“, das vor fünf Jahren gegründet wurde und mittlerweile von 4 000 aktiven Mitgliedern für die Partnersuche genutzt wurde. Obwohl es keine Meldepflicht gibt, wissen die „KathTreff“-Gründer von mehr als hundert Hochzeiten, die so begannen.

Das beste ist, von Anfang an mit offenen Karten zu spielen

Hier wird von Anfang an mit offenen Karten gespielt: www.kathtreff.org stellt sich vor als „Community für Partnersuchende, die ihr Leben an der Lehre der katholischen Kirche orientieren“. Wer hier einsteigen will, muss mindestens 18 Jahre alt sein, „katholisch sein oder in der Vorbereitung katholisch zu werden, von der Lehre der Katholischen Kirche insbesondere zum Thema Ehe und Familie überzeugt sein“. Und er oder sie muss „kirchenrechtlich in der Lage sein, das Sakrament der Ehe zu empfangen“. Im Meer der virtuellen Partnervermittler präsentiert sich hier also ein zwar kleiner, aber hundertprozentig katholischer Fisch. „KathTreff“-Gründerin Gudrun Kugler: „Wir wollen keine Partner vermitteln, die dann irgendwie und bis auf weiteres zusammenleben. Wir wünschen uns, dass Menschen zusammenfinden und inspiriert werden, ihren gemeinsamen Weg mit Gott und in der Kirche zu gehen.“ So wie das Ehepaar Theresia und Lukas Madl.

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