Hollywood

Katholisch in Hollywood

Vom „Iron Man“ zum „Man of God“: Der Schauspieler Mickey Rourke hat eine spirituelle Ader.

Mickey Rourke
Er trägt das Kreuz nicht nur als Schmuck: Hollywoodstar Mickey Rourke (68). Foto: Giandomenico D'Angelo / IPA (imago stock&people)

Der US-amerikanische Schauspieler mit irischen Wurzeln hat im September seinen 68. Geburtstag gefeiert und wirkt derzeit bei den Dreharbeiten an einem bemerkenswerten Film mit. Rourkes Filmografie liest sich von den Titeln her eher robust: Dem Erotikstreifen „Neuneinhalb Wochen“, der ihn berühmt machte, folgten Filme wie „Iron Man“, „Storm Breaker“, „The Wrestler“, „Harley Davidson und der Marlboro Man“ und so weiter. Dazwischen aber – es wirkt wie ein Ausrutscher – spielte Rourke in einer Verfilmung aus dem Jahre 1989 den heiligen Franziskus von Assisi. Vom deutschen Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ gab es dafür einen Verriss, doch das Lexikon des internationalen Filmes bezeichnete ihn als einen durchaus seriösen Versuch, sich einer der großen spirituellen Gestalten des Abendlandes anzunähern. Zuletzt war Rourke in dem Episodenfilm „Berlin I love you“ zu sehen, der im vergangenen Jahr Premiere hatte.

Er betete für seinen todkranken Bruder

Das aktuelle Projekt, in dem er eine Nebenrolle übernommen hat, trägt den englischen Originaltitel „Man of God“ – Mann Gottes – und es geht um das Leben des griechisch-orthodoxen Heiligen Nektarios von Ägina (oder auch: von Pentapolis), einem der beliebtesten Heiligen des 20. Jahrhunderts, der möglicherweise denselben Status bei den orthodoxen Christen besitzt wie ihn der heilige Padre Pio von Pietrelcina bei den Katholiken einnimmt.

In „Man of God“ spielt Rourke einen gelähmten Mann, der im selben Krankenhaus wie der Heilige, der im Sterben liegt, untergebracht und von ihm geheilt wird. Im Zuge der Dreharbeiten besuchte er auch das von Nektarios selbst gegründete Dreifaltigkeitskloster auf der Insel Ägina, das auch seine Reliquien hütet, sowie die Kirche von Kamariza, in welcher ein Geronta, also ein spiritueller Vater, bestattet wurde, dem im Jahre 1980 eine Erscheinung des schon 1920 verstorbenen Heiligen widerfuhr und der daraufhin von einer schweren Krebskrankheit geheilt wurde. Nach Berichten eines griechischen Nachrichtenportals soll der Hollywoodstar beim Betreten der Kirche tief bewegt gewesen sein, er habe Tränen vergossen und längere Zeit alleine darin verbracht; wie man hört, habe er einen Rosenkranz bei sich getragen. Rourke selbst hatte kürzlich der Orthodoxia News Agency ein Interview gegeben, in dem er offen über die Wunder in seinem Leben spricht, die er erfahren habe und von denen er sagt, dass er daran glaube, dass Gott, nicht Glück oder Geld oder weltliche Macht – Wunder bewirke.

Wunder erfahren, die von Gott kamen

Der Schauspieler habe selbst große und kleine Wunder in seinem Leben erfahren, die ausschließlich von Gott kamen, so seine Überzeugung. Gefragt nach einem der größten Wunder in seinem Leben erzählte die Hollywoodlegende, dass seine Großmutter ihn in jungen Jahren anhielt, für seinen damals siebzehn Jahre alten Bruder zum heiligen Judas Thaddäus zu beten – der Junge war schwer krank und man hatte ihm noch eine Lebenserwartung von sechs Monaten gegeben. Doch Rourke betete, sogar mehrmals am Tag, nach der Anweisung seiner Großmutter. Sein Bruder überwand die Krankheit und lebte noch zwanzig Jahre. Das Wunder sei gewesen, dass er wider die Prognosen noch so lange hatte leben dürfen, betonte der Schauspieler. Doch als sein Bruder dann im Alter von 37 Jahren starb, habe er seinen Glauben verloren. Ein Priester, der ihm nahestand, konnte ihn wieder für Gott zurückgewinnen. Seither bete Rourke täglich zum heiligen Erzengel Michael und zum heiligen Judas Thaddäus.

Rourke habe die Rolle in „Mann Gottes“ gerne angenommen, nachdem er sich intensiv mit der Regisseurin Jelena Popovic, die auch das Drehbuch geschrieben hat, unterhalten hatte. „Das ist kein Film zum Geldverdienen. Das ist eine sehr spirituelle Sache und sie macht ausnahmslos Filme, an die sie glaubt.“

Liebe und Fürsorge im Herzen tragen

Für ihn sei das Wichtigste im Leben, wahrhaftig und authentisch zu sein. Jeder solle auch genügend Liebe und Fürsorge in seinem Herzen tragen gegenüber jenen, die weniger begünstigt sind als man selbst. Zum Abschluss des Interviews überreichte ihm Jelena Popovic eine handgemalte Theotokos-Ikone. „Sie hätten mir nichts Schöneres schenken können“, sagte er, und fügte hinzu, dass er für den Rest seines Lebens jeden Tag vor dieser Ikone beten werde.

Der heilige Nektarios, der am 1. Oktober 1846 in Ostthrakien geboren wurde, fühlte sich schon sehr früh zum Leben eines Priestermönches berufen, daneben zeigte er einen großen Eifer beim Lernen. So wurde er zuerst mit 20 Jahren Lehrer in einer Dorfschule auf der Insel Chios. Es dauerte zehn Jahre, bis er in ein Kloster auf der Insel eintreten konnte und weitere drei Jahre, bis er zum Mönchsdiakon geweiht wurde.

Danach begann er ein Studium der Theologie in Athen und schloss es im Jahre 1885 mit Diplom ab, seine Priesterweihe empfing er ein Jahr später. Man schickte ihn nach Kairo, wo er das Amt eines Patriarchalvikars ausübte, ja er wird sogar zum Titularmetropoliten der Pentapolis geweiht. Nach diesem raschen Aufstieg in der kirchlichen Hierarchie aber erfolgte eine sehr zermürbende Phase der Verleumdung für ihn, man schwärzte ihn beim Patriarchen an, erhob Anklage gegen ihn, der sich niemals verteidigte, und zwang ihn schließlich dadurch, Ägypten zu verlassen. Zurück in Griechenland durchlebt er eine schwere Zeit ohne Beschäftigung, ohne finanzielle Mittel, ohne Unterstützung. Doch bei den Gläubigen erfreut er sich zunehmender Beliebtheit.

Im neuen Film geht es um einen Wundermönch

Sein Durchhaltevermögen wird belohnt, nach vier Jahren wird er zum Rektor des Athener Priesterseminars ernannt. Für ihn, den klugen Theologen und begabten Seelsorger, ist das nach der erlittenen Schmach genau die richtige Aufgabe. Er wirkt am Seminar fast fünfzehn Jahre und als er um seine Pensionierung bittet, zieht er sich nach Ägina zurück, um sich gänzlich dem monastischen Leben und dem Aufbau des dortigen Klosters zu widmen und blieb auch dort ein beliebter Beichtvater und Seelsorger.

Auf dem Gebiet der Kirchengeschichte und Theologie befasste er sich insbesondere mit dem Großen Morgenländischen Schisma, über dessen Ursache er eine historische Studie verfasste, im Rahmen derer er ebenfalls die „Möglichkeit oder Unmöglichkeit“ einer (Wieder)Vereinigung der beiden Kirchen untersuchte. Nektarios besaß die apostolischen Gaben der Krankenheilung, Dämonenaustreibung und galt bereits zu Lebzeiten als Wundertäter. Er ist auch der Autor des erhabenen Marienhymnus „Agni Parthene“ – „Reine Jungfrau“, der auf einer Erscheinung der Muttergottes beruht, die ihn bat, für sie einen besonderen Hymnus zu dichten. Dieser Hymnus ist heute in der ganzen orthodoxen Welt verbreitet und beliebt.

Am 20. April 1968 wurde Nektarios kanonisiert, doch es brauchte noch 30 Jahre, bis der damalige Patriarch von Alexandria den Heiligen um Vergebung anflehte für die unter seinem Vorgänger erlittenen Ungerechtigkeiten und Verleumdungen.

Der Film über sein Leben mit Aris Servetalis in der Hauptrolle und Mickey Rourke als Geheilten soll am 3. Dezember in die Kinos kommen.

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