Junge raus aus den Städten, alte ziehen wieder hinein

Einfamilien- statt Hochhäuser: Raumplanung und Demographie

Kaiserslautern (DT/dpa) Deutschlands Städte müssen nach Ansicht des Städteplaners Gerhard Steinebach verstärkt heruntergekommene Hochhäuser abreißen und damit Platz für Einfamilienhäuser schaffen. Das sei ein Weg, junge Familien in der Stadt zu halten, sagte der Leiter des Lehrstuhls Stadtplanung an der Technischen Universität Kaiserslautern in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. „Andernfalls droht den Städten eine noch stärkere Überalterung der Bevölkerung mit all den finanziellen Konsequenzen“, sagte der Professor anlässlich eines Städtebau-Kongresses in Kaiserslautern, an dem bis Donnerstag etwa 200 Raumwissenschaftler aus aller Welt teilnehmen.

Junge Menschen, die eine Familie gründen wollen, ziehen heute oft ins Umland der Städte und bauen sich dort ein Haus. „Dort gibt es günstigeren Baugrund, weniger Lärm und andere Vorteile“, sagte Steinebach. Im Alter zögen diese Menschen dann aber eher wieder in die Städte zurück, so der Forscher. „Irgendwann sind die Kinder aus dem Haus, das Haus wird zu groß, der Unterhalt immer mühsamer.“ Dazu komme, dass in den Städten die Wege etwa zum Arzt meist kürzer seien als auf dem Land und die Versorgung für ältere Menschen besser sei. Für die Städte bedeute das: „Sie verlieren junge Menschen, die relativ viel Steuern zahlen, und bekommen Menschen, die nur wenig Steuern zahlen.“ Der Abriss unattraktiver Hochhäuser, um damit Platz für Einfamilienhäuser zu schaffen, sei eine Möglichkeit, diesem Trend etwas entgegenzuhalten. Getan wird dies zurzeit zum Beispiel in Ludwigshafen, wo mitten in der Stadt sechs Hochhäuser aus den 1970er Jahren abgerissen werden, um Platz für Ein- und Zweifamilienhäuser zu schaffen.

Während die Städte in den Entwicklungs- und Schwellenländern Afrikas, Asiens und Südamerikas weiter wüchsen, beobachte er in Europa eine gegenläufige Entwicklung, erläuterte Steinebach. „Hier gibt es bei den Städten eher einen Schrumpfungsprozess.“ Das liege unter anderem an der demografischen Entwicklung. Die konzeptionellen Lösungen der Stadtplaner seien noch im Anfangsstadium, und die Politik verhalte sich häufig noch zu zögerlich, die notwendigen Konsequenzen zu ziehen. „Weil man ein Schrumpfen, einen Rückgang politisch angeblich nicht verkaufen kann“, sagte Steinebach.

Deshalb bestehe die Gefahr, dass der notwendige Stadtumbau verschlafen werde. Steinebach räumte ein, dass dieser natürlich auch ein finanzielles Problem sei, weil vielen Städten einfach das Geld fehle – und in einer Wirtschaftskrise wie derzeit werde das eher noch schwieriger.

Themen & Autoren

Kirche