Glaubensbekenntnis

Justin Bieber: „Jesus zog mich aus dem Dreck“

Der US-Chartstürmer Justin Bieber ließ seine Eskapaden hinter sich und lässt nun keine Gelegenheit mehr aus, über den Glauben zu reden. Seine Beziehung zu Gott und seine Ehe veränderten alles.

Sein Körper ist ein einziger Teppich aus Tattoos. Zwischen Brust und Bauch, steht auffällig der Schriftzug „Son of God“. Darunter ein Adler und noch weiter unten steht „purpose“,„Sinn“. Auf seinem Brustkorb prangt ein Kreuz, rechts davon ein gekrönter Löwenkopf. Versteht der Tätowierte ihn als ein Symbol für Jesus, der in der Bibel als der „Löwe von Juda“ bezeichnet wird?

In seinen unzähligen Interviews gibt es immer den Punkt, an dem Justin Bieber anfängt über seinen Glauben zu sprechen. Dann kann er seine Tränen nur mit Mühe zurück halten. Der Sänger schätzt an Jesus, dass er nicht „dieser religiöse Elite-Typ“ war. Dass er stattdessen mitten im Dreck war. Der 27-Jährige erlebte Gott persönlich: „Jesus fand mich in meinem Dreck und zog mich raus“, bekennt er. Damals war Justin am Tiefpunkt angelangt. In YouTube-Videos erzählt er, dass er nahe am Selbstmord war.

Zwei Beziehungen brachten ihn zurück ins Leben

In dieser Zeit prüfte sein Bodyguard regelmäßig seinen Puls wenn er schlief, um sicherzustellen, dass er noch am Leben war. Äußerlich hatte er alles erreicht, was sich ein junger Mensch erträumen kann: Sein Gesicht lächelte in Form von Plakaten von den Wänden Millionen Teenie-Mädchen, seit Jugendtagen verläuft sich sein Vermögen auf Millionen von Dollar und er gewann zwei Grammys, den ersten 2015. Da war Justin 22 Jahre alt. Der Grammy ist die höchste Auszeichnung in der Musikindustrie.

Wie es ihm jedoch innerlich mit all dem Ruhm, Ansehen und Geld ging, darüber singt er in seinem Song „Lonely“, der auf seinem neuesten Album „Justice“ im März diesen Jahres erschienen ist. „Was, wenn du alles hast, aber niemanden, den du anrufen kannst?“ fragt Justin in dem melancholischen Lied. Er singt weiter: „Ich hatte alles, aber keiner hörte mir zu / das ist einfach einsam.“ Das Video dazu zeigt einen kleinen Jungen in den letzten Momenten hinter der Bühne vor einem großen Auftritt. Er trägt denselben violetten Pullover mit weißer Jacke, den Justin vor über zehn Jahren trug, damals, als er ein aufstrebender Teenie-Star war.

Er habe als 14-Jähriger keine Ahnung gehabt, dass ihn der Ruhm zerstören würde, kommentiert er in einer Spezialdokumentation, in der er den Zuschauern einen Blick in sein Leben während der Corona-Pandemie gewährt. Auch wenn er es nicht zugab: Insgeheim litt Justin unter den unzähligen bösartigen Kommentaren, denen er als Kinder-Promi ausgesetzt war. „Verletzte Menschen verletzten Menschen“, sinniert Bieber. Versucht er, Erklärungen für seine vergangenen Eskapaden zu finden? Für seinen Drogenkonsum, seine Sexsucht, für die Momenten, in denen er Menschen herablassend behandelte?

2017 am Ende

2017 brach Justin seine Tour frühzeitig ab, da er einfach nicht mehr konnte. Er fragte sich, ob er jemals dazu fähig sein würde, ein normales Leben zu führen. Ihm wurde bewusst, dass, wenn er weiterhin selbstzentriert und egoistisch leben würde, er Gefahr läuft, am Ende seines Lebens alleine dazustehen. Er hätte niemanden gehabt, den er liebte, niemanden, in den er sich investierte, gibt er in einem Interview zu. Am Ende waren es zwei Beziehungen, die Justin zurück ins Leben brachten: Die zu Jesus und die zu seiner Frau Hailey.

Der Glaube begleitet den Musiker schon seit Kindheit an. „Das größte Geschenk ist, dass du mich mit dem Glauben bekannt machtest“, schrieb Justin am Muttertag unter ein Foto auf Instagram, dass seine Mutter und ihn abbildet. Seine alleinerziehende Mutter Pattie wurde mit Justin schwanger, als sie gerade 17 Jahre alt war. Ihr wurde eine Abtreibung empfohlen, die sie jedoch entschieden ablehnte. Später engagierte sich Pattie in der Prolife-Bewegung.

Seelsorger und Freund

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Justins Großeltern waren fromme Katholiken. In seiner Heimat Kanada besuchte er deshalb eine katholische Grundschule. Als er 15 war, trat der christliche Glaube durch einen Mann wieder in sein Leben: den freikirchlichen und weltbekannten Pastor Judah Smith. Dieser drängte sich allerdings nicht auf, sondern gab ihm das Versprechen, immer für ihn da zu sein. Über Jahre hinweg war der Kontakt lose. Doch es kam zu dem Punkt, an dem Justin die angebotene Hilfe des Pastors und seinen Rat in Anspruch nahm. Die meisten Menschen in Biebers Leben wollten etwas von ihm. Judah Smith hingegen hat ihn nie um etwas gebeten, bemerkte der Sänger.

„Er stellte unsere Beziehung an erste Stelle“, sagt Justin. Der Pastor ist nicht nur Biebers Seelsorger und Traupastor, sondern auch Freund und „Bruder“, wie der Sänger in der Corona-Spezialdokumentation betont. Hier findet er rührende Worte für den Pastor: Er lerne von ihm, wie man wertschätzend mit Ehefrau und Familie umgehe. Beides bekam Bieber von seinem Elternhaus nicht vermittelt. Er möchte, wie sein Vorbild Judah, auch ein Mann sein, der seiner Frau und Familie Wertschätzung entgegenbringt. Der Sänger meint, Ehe und eigene Kinder sah er immer als seine Berufung an.

Ein Team im Glauben und im Engagement

Seit 2018 ist Justin mit dem 24-jährigen Model Hailey Bieber, geboren Baldwin, verheiratet und macht keinen Hehl aus der Tatsache, dass ihre Ehe nicht immer einfach sei. Besonders das erste Ehejahr sei eine Herausforderung für beide gewesen, da der Sänger viel von seiner Vergangenheit aufarbeiten musste und beide an ihrem Vertrauen zueinander arbeiten mussten.

Für ihre Beziehung spielt Glaube und Gemeinde eine entscheidende Rolle: Obwohl sie sich zum ersten Mal als Teenager in einer Fernsehshow begegneten, nahm ihre Freundschaft so richtig Fahrt auf, als sich beide zufällig in der New Yorker Mega-Freikirche Hillsong wieder trafen. Die beiden sind nicht nur ein Team im Glauben, sondern auch im Gutes-tun: Im März besuchten sie gemeinsam mit einem Pastor das Kalifornische Staatsgefängnis im Norden von Los Angeles, um ein christliches Gefängnisprogramm zu unterstützen. Für die Insassen sang Justin dort sein Lied „Lonely“.

Der Teufel ist ein Lügner

Für Justin scheinen seine christlichen Tattoos tatsächlich mehr zu sein als ein Körperschmuck. Zu Ostern, kurz nach Veröffentlichung seines neuesten Albums, überraschte Justin seine Fans mit „Freedom“, einem Mini-Album mit sechs Songs, die alle den christlichen Glauben zum Thema haben. In dem rythmisch-meditativen Lied „Freedom“ singt er: „Der Teufel ist ein Lügner / Die Geschichte ist schon geschrieben / Kinder, euch ist vergeben“.

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