Ja-Wort für Christus

Bernadeth Geiger (32) aus Tirol hat Anfang August ihr Ewiges Versprechen bei den Don Bosco-Schwestern in Magdeburg abgelegt. Ein gut überlegter Schritt. Von Sophie Lauringer
| Großer Moment: Sr. Bernadeths Versprechen kann vielen jungen Frauen Mut machen.
Schwester Bernadeth, Sie haben ein definitives „Ja“ gesagt zur Nachfolge Jesu in der Gemeinschaft der Don Bosco-Schwestern. Was bewegt Sie dazu, so gegen den Zeitgeist zu schwimmen?

Die tiefe Überzeugung, dass dieser Weg mein Leben erfüllt.

Haben Sie sich den Schritt gut überlegt? Und was ist, wenn Sie sich irgendwann einmal Hals über Kopf verlieben?

Meine Entscheidung für diesen Schritt konnte in den Jahren der Ordensausbildung reifen und es konnten tragfeste Überzeugungen wachsen; somit ist dieses Ja auf ewig gut überlegt. In entscheidenden Momenten habe ich mich immer wieder persönlich gefragt, ob mich ein Leben als Don Bosco-Schwester für immer glücklich machen kann und mein Leben durchträgt und genau das würde ich mich auch wieder neu fragen, sollte ich mich einmal Hals über Kopf verlieben

Was gibt Ihnen den Mut, in einer Zeit, in der viele Ehen auseinanderbrechen, öffentlich zu bekennen, ein Leben lang einem Versprechen treu sein zu wollen?

Ich vertraue darauf, dass meine Berufung nicht nur von meinem Ja zu Gott, sondern auch von Gottes Ja zu mir getragen ist. Dass gegebene Versprechen auch zerbrechen können, kann viele Gründe haben, aber trotzdem dürfen wir es wagen, mutig zu sein und uns trauen, Lebensentscheidungen zu treffen. Sich immer alle Türen offen zu halten – ich glaube, das macht im tiefsten nicht glücklich.

Was heißt es für Sie konkret, keusch, arm und gehorsam zu leben? Stellen Sie sich damit in eine Art gesellschaftliches Out?

Für mich als Don Bosco-Schwester bedeutet die Gelübde zu leben, meinem Leben eine Richtung zu geben, damit ich mit all meinen Kräften für Gott im Dienst an den jungen Menschen leben kann. Keusch sein heißt für mich, meine Liebe zu Gott im Dienst an den jungen Menschen sichtbar und konkret zu leben. Einfach, zufrieden und dankbar sein, das heißt Armut für mich. Leben in Gehorsam heißt für mich, offen zu sein für die Zeichen der Zeit, um so konkrete Zeichen setzen zu können gemäß meiner Berufung als Don Bosco-Schwester.

Wie haben Sie erkannt, dass Sie als Ordensfrau leben möchten? Gab es da ein besonderes Ereignis, eine spezielle Erleuchtung?

Diese Überzeugung ist bei mir langsam gewachsen. Ich bin in einem ländlichen Umfeld groß geworden, da wächst man auch ganz natürlich mit den religiösen Traditionen auf. Aus diesem Umfeld heraus ist auch mein Wunsch gewachsen, Ordensfrau zu werden. Nicht von heute auf morgen, sondern als Weg den ich Schritt für Schritt gegangen bin.

Was fasziniert Sie an Jesus Christus?

Die Nähe, die er zu den einzelnen Menschen gesucht hat – es ist für mich das konkrete „Ja“ Gottes zu uns Menschen mit allem, was uns ausmacht.

Und was fasziniert Sie an den Don Bosco-Schwestern?

Ihre gemeinsame Begeisterung und Vorliebe zu den Kindern und Jugendlichen, die uns immer wieder aufbrechen lässt, in der Welt von heute den jungen Menschen nah zu sein.



Hintergrund:

Schwester Bernadeth Geiger FMA ist in Perfuchsberg bei Landeck in Tirol mit zwei Brüdern und einer Schwester aufgewachsen. Nach der Matura als Landwirtschaftliche Facharbeiterin ging sie als Freiwilligenhelferin nach Kambodscha. In einer Schule der Don Bosco-Schwestern arbeitete sie ein Jahr lang als Koch- und Englischlehrerin. 2007 begann sie ihre Ordensausbildung bei den Don Bosco-Schwestern und legte ihre ersten Gelübde 2011 ab.

Anschließend war sie vier Jahre in Stams/Tirol in einem sozialpädagogischen Mädchenwohnheim und ein Jahr im Grundschulhort in Hall tätig und absolvierte berufsbegleitend die Ausbildung zur diplomierten Sozialpädagogin. Nachdem die österreichische und die deutsche Provinz der Don Bosco-Schwestern 2014 zusammengeschlossen wurden, wechselte Schwester Bernadeth 2015 vom Bergland ins Flachland. In Magdeburg ist sie seither im Kinder- und Jugendzentrum „Don Bosco“ tätig und Mitglied im Team für Berufungspastoral des Bistums. Was macht sie in ihrer Freizeit? „Ich bewege mich gerne, ob Rad fahren, Schwimmen oder wandern.“ Die Don Bosco-Schwestern sind mit rund 13 000 einer der größten katholischen Frauenorden. In Österreich tragen 69 Don Bosco-Schwestern dazu bei, dass das Leben junger Menschen gelingt. Sie achten stets auf die aktuellen Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen. Junge Menschen brauchen ein Umfeld, wo sie in froher Atmosphäre Begleitung, Bildung und Beheimatung erleben. Daher betreibt der Orden in Österreich Kindergärten, Hortgruppen und eine Schule. Don Bosco-Schwestern wirken in Pfarren und in der freien Jugendarbeit, führen ein Schülerinnen- und Studentinnenheim sowie eine sozialpädagogische Wohngruppe. Im Herbst eröffnen sie als neues Projekt eine spirituelle Wohngemeinschaft für Studentinnen in Salzburg.

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