Indien: Reformen statt Todesstrafe

Bonn (DT/KNA) Nach dem Todesurteil gegen vier Vergewaltiger fordert das katholische Entwicklungshilfswerk Misereor ein Umdenken in Indien. „Statt unmittelbarer Rachegelüste braucht es wirkliche Reformen, zum Beispiel im Polizei- und Justizsystem. Das wäre eine größere Genugtuung als jetzt die Todesstrafe für die vier Verurteilten“, sagte die Indienreferentin bei Misereor, Anna Dirksmeier, am Freitag dem Internetportal katholisch.de in Bonn. „Als christliches Hilfswerk sind wir natürlich nicht für die Todesstrafe. Auch die meisten unserer lokalen Partner im Land teilen diese Meinung.“ Dirksmeier setzt darauf, dass die weltweite öffentliche Aufmerksamkeit für die Massenvergewaltigungen zu Veränderungen in Indien führt. So könnten etwa zurückgehende Touristenzahlen Reformen bewirken. Die Misereor-Referentin verwies darauf, dass die indischen Behörden Frauen, die Anzeige erstatten wollen, oft unverrichteter Dinge nach Hause schickten. „Zu viele Fälle werden von den Gerichten liegen gelassen und enden straflos. Es gibt viele gute Gesetze, aber sie werden nicht umgesetzt.“ Besonders frauenfeindlich ist die Situation laut Misereor in ländlichen Regionen. Das Hilfswerk und seine Partner vor Ort unterstützten unter anderem Gruppen, in denen Frauen zusammenkommen und über ihre Probleme mit dem Patriarchat reden können.

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