Helfen und Heilen und Wehren

Lebendige Kirchengeschichte in Linz: Die Einkleidung von Neufamiliaren und zwei Jubiläen für den Deutschen Orden. Von Thomas Richter
Foto: Richter | Ein schwarzes Kreuz auf weißem Grund: Das Erkennungszeichen des Deutschen Ordens auf den Mänteln der Familiaren.
Foto: Richter | Ein schwarzes Kreuz auf weißem Grund: Das Erkennungszeichen des Deutschen Ordens auf den Mänteln der Familiaren.

Der Deutsche Orden kann auf eine lange Geschichte zurückblicken, die im späten 12. Jahrhundert im Heiligen Land beginnt. Neben den Brüdern und Schwestern haben sich Männer und Frauen immer wieder dazu bereit erklärt, den Orden in seinen Idealen und Zielen zu unterstützen.

Dieser jahrhundertealten Tradition entsprechend wurde im Jahre 1965 das Institut der Familiaren des Deutschen Ordens errichtet. Ein kirchlicher und gesellschaftlicher Höhepunkt stellt die alljährliche Investitur von Neufamiliaren dar, die in diesem Jahr in der oberösterreichischen Stadt Linz stattfand. Die Aufnahmezeremonie für die 22 Kandidaten aus den Balleien Österreich und Deutschland vollzog man im Alten Dom von Linz. Dieser wurde im späten 17. Jahrhundert im Auftrag der Jesuiten erbaut und beeindruckt auch heute noch durch seine Größe und barocke Ausstattung. Der „Alte Dom“ war bis ins 20. Jahrhundert schließlich die Kathedralkirche des Bistums, bis im Jahre 1924 der Mariä-Empfängnis-Dom durch den zuständigen Ortsbischof geweiht wurde.

In seiner Predigt zur Familiareninvestitur ging der Hochmeister des Deutschen Ordens, Generalabt Dr. Bruno Blatter, auf das Charisma des Ordens ein. Es waren Kaufleute aus Bremen und Lübeck, die im Rahmen des 3. Kreuzzuges in der Hafenstadt Akkon aus den Segeln ihrer Schiffe ein Pilgerhospital errichteten. Sie widmeten sich daher vorbehaltlos dem auch heute noch gültigen Leitmotiv des Ordens, dem „Helfen und Heilen“.

Nach der Predigt legten die Kandidaten ihr feierliches Familiarenversprechen ab und gelobten, den Orden durch Gebet, persönlichen Einsatz und tatkräftige Hilfe zu unterstützen. Als äußere Zeichen wurden die Neufamiliaren dann mit dem schwarzen Mantel beziehungsweise die Priester mit der Mozetta eingekleidet und bekamen vom Hochmeister das Halskreuz überreicht.

Kirchengeschichte der Habsburger Monarchie

Das schwarze Kreuz auf weißem Grund ist das Erkennungszeichen des Deutschen Ordens und erinnert die Familiaren an die Kreuzesnachfolge eines jeden Christen im täglichen Leben. Damit korrespondiert, neben dem „Helfen und Heilen“, auch das dritte Charisma des Ordens nämlich das „Wehren“.

Darunter ist durchaus auch das Ringen mit vielen weltanschaulichen Strömungen unserer Zeit zu verstehen, die sich bisweilen in einem mehr oder weniger latent auftretenden Atheismus äußern und denen die Präsenz der Kirche in Gesellschaft und Politik ein Dorn im Auge ist. Der Mantel der Familiaren ist ein Zeichen für den Schutz und die Wärme, die man innerhalb der Ordensgemeinschaft erfährt. Er ist aber auch gleichzeitig ein Signal nach außen, dass der Träger treu zur Kirche steht. Zu den Familiareninsignien zählt als drittes Element der Rosenkranz, der die Beziehung des Ordens zur Gottesmutter Maria zeigt.

Das Wochenende in Linz war jedoch nicht nur durch die Familiareninvestitur im Alten Dom geprägt. Die Stadt in Oberösterreich wurde auch deshalb ausgewählt, da der Orden zwei Jubiläen feiern konnte. Durch Vermittlung des Salzburger Erzbischofs kam es durch ein kaiserliches Dekret am 30. Juni 1713 zur Errichtung der Linzer Kommende des Deutschen Ordens.

Da die neu gegründete Niederlassung zu diesem Zeitpunkt noch keine eigene Kirche besaß, war es dem Gründungskomtur Joseph Philipp Graf Harrach ein Herzensanliegen, ein Gotteshaus zu errichten. Die als bedeutendste Barockkirche von Linz geltende heutige Priesterseminarkirche wurde schließlich am 3. Juni 1725 fertiggestellt und am gleichen Tag geweiht. In dieser Kirche fand im Rahmen der Investitur auch das Morgenlob mit der Segnung der Familiareninsignien statt.

Darüber hinaus gab es noch ein weiteres bedeutendes Ereignis, dem man in Linz gedachte. Vor 150 Jahren starb in Altmünster am Traunsee, gelegen in Oberösterreich, der bedeutende Erzherzog Maximilian Joseph von Österreich-Este, ein Enkel Kaiserin Maria-Theresias. Er wurde im Jahre 1782 in Modena geboren, durchlief eine militärische Ausbildung und wurde im Jahre 1801 in den Deutschen Orden aufgenommen. Dieser Weg war für Söhne aus dem Hause Habsburg, die nicht für die Thronfolge zur Verfügung standen, keineswegs ein ungewöhnlicher Weg.

Eine der großen Leistungen von Erzherzog Maximilan Joseph war der Entwurf eines Befestigungssystems, das mit großem Aufwand bei Linz und Venedig verwirklicht wurde und sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts hervorragend bewährte. Die Persönlichkeit von Maximilian Joseph wurde vor allem durch die Jesuiten geprägt. In Wien hatte er Verbindungen zum Kreis der Wiener Romantik, die sich um den Redemptoristenpater Klemens Maria Hofbauer (1751-1820) sammelte.

Nachdem Maximilan Joseph im Jahre 1835 zum Hoch- und Deutschmeister gewählt wurde, widmete er sich der tatkräftigen Erneuerung des Deutschen Ordens. In seiner Zeit kamen 54 Ordenspriester sowie etwa 150 Schwestern dazu, was zum Wachsen und Blühen der Gemeinschaft im 19. Jahrhundert erheblich beitrug. Bis zu seinem Tode am 1. Juni 1863 hinterließ Maximilan Joseph eine Vielzahl an Einrichtungen und Werken. Ein abgehaltenes wissenschaftliches Symposion der Katholischen-theologischen Privatuniversität Linz am Tag vor den Investiturfeierlichkeiten konnte die Bedeutung des Hochmeisters von Österreich-Este für den Deutschen Orden, aber auch für die Kirchengeschichte der Habsburger Monarchie aufzeigen.

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