Würzburg

GLOSSE: Die Kirche der Virologen

Der der Fülle an Informationen suchen Menschen den Virologen ihres Vertrauens.
Christian Drosten, Direktor, Institut für Virologie, Charite - Universitätsmedizin Berlin
Foto: Michael Kappeler (dpa-pool) | Einer der Virologen, denen in der Krise größte Aufmersamkeit zuteil wird: Christian Drosten, Direktor, Institut für Virologie, Charite - Universitätsmedizin Berlin. (Foto: Michael Kappeler/dpa)

Die Zeiten, da man der Corona-Krise mit virologischer Naivität gegenüberstand, sind vorbei. Mittlerweile haben wir alle die Grundlagen der Forschung gelernt. So wie auf dem Markt der Kirchen kann man nun auch den Wissenschaftler seines Vertrauens wählen und der passenden Gemeinde beitreten.

Christian Drosten beispielsweise von der Charité kommt gut an bei coolen Großstädtern zwischen 30 und 50. Er predigt unaufgeregt, sachlich, mit einem gewissen Durchblicker-Charme. Hendrik Streeck hingegen, bekannt geworden mit der Offenbarung von Heinsberg, repräsentiert den bürgerlichen Erlöser-Typ. Wer von Anfang an gegen den Lockdown war, keine Alters- oder Vorerkrankungen, hat, findet in dieser Gemeinschaft Trost. Während Apokalyptiker bei Alexander Kekulé, der auch schon mal „Superhorrorszenarien“ ausmalt, bestens bedient werden.

Drei Virologen, drei Bekenntnisse. Von Sektenführern, die immer noch von der Grippe sprechen, wollen wir nicht reden. Echte Konkurrenz droht wohl nur von Impfstoff-Experten. Doch bis dahin dauert es noch etwas.

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