Würzburg

GLOSSE: Den 1. Mai abschaffen

Im Mai fliegen die Maikäfer ebenso wie die Fäuste.

Brummende Kahlfresser - Die Maikäfer sind wieder da
Fliegende Käfer und fliegende Fäuste: Der Mai ist gekommen. Foto: Wolfgang Kumm (dpa)

Wonnemonat Mai. Die Maikäfer fliegen, aber auch die geballten Fäuste. Jedes Jahr ist das so. Dieses Jahr hat sogar ein Kamerateam des ZDF, das eigentlich nur auf der Suche nach Corona-Regeln-Brechern war, den Hauch der Gewalt zu spüren bekommen. Es wurde attackiert. Das Leben, so könnte man sagen, ist eben nicht nur Comedy, mag man auch für eine Satire-Sendung unterwegs sein.

Merkwürdiger Tag

Ganz bestimmt nicht am 1. Mai, der schon immer ein merkwürdiger Tag war. Das Hitler-Regime erklärte den 1. Mai zum arbeitsfreien Tag, um so die Arbeiter für sich zu gewinnen. Im Kommunismus wurde es der höchste Feiertag. Es kam zu gewaltigen Aufmärschen. Etwas Positives: Die christliche Arbeiterbewegung veranstaltete im Jahr 1893 die erste Maikundgebung. Anlass war die „Arbeiter-Enzyklika“ (Rerum Novarum) von Papst Leo XIII. Ansonsten: kein guter Tag, ein Tag der Extreme.

Hochbetrieb für Glaser

Nur die Glaserinnung verdankt dem 1. Mai Hochbetrieb, weil unzählige Schaufenster ersetzt werden müssen. Sollten wir ab 2021 den Tag vielleicht einfach abschaffen? 30. April, 2. Mai? Ohne lästigen Übergang? Einen Versuch wäre es wert. Nur – wenn man mit einem Tag anfängt, wo hört man dann auf?