Köln

Frühjahrsputz im Dom

Mit Hochdruck restauratorisch gereinigt: Der Boden des Kölner Doms erstrahlt in neuem Glanz.

Frühjahrsputz vor dem Dreikönigenschrein
Vor dem Dreikönigenschrein: Thorsten Möwes schiebt eine Poliermaschine über den Mosaikfußboden, mit der eine neue Wachsbeschichtung aufgetragen wird. Foto: Hoensbroech

Wer dieser Tage eine heilige Messe im Kölner Dom besucht, wird sich auf dem Weg zu einem Platz in einer der Kirchenbänke über die auffallende Frische des Steinfußbodens wundern. Manche unter den regelmäßigen Gottesdienstbesuchern im Wahrzeichen der Rheinmetropole mögen sich gar verwundert die Augen reiben. Denn so haben sie den Sandsteinboden bislang nicht wahrgenommen. Der war doch letzte Woche noch grau und unauffällig? In der Tat: Die laufende Bodenreinigung in dem Gotteshaus führt zu einem frappierenden Effekt. Der Boden ist nicht nur sauber und im wahrsten Sinne bis in die Poren tief rein, sondern erstrahlt in einem Glanz, wie es ihn seit vielen Jahrzehnten nicht mehr gegeben hat.

Der Stein wird wieder sichtbar

Das ist das Ergebnis einer umfangreichen restauratorischen Reinigung mit technischem Gerät. Erstmals überhaupt wird damit der rund 4000 Quadratmeter umfassende Sandsteinboden im Kirchenschiff gesäubert. Bislang wurde der Boden stets manuell gereinigt. Das den Boden so dominierende Grau war der Schmutz, der über Jahrzehnte unvermeidlich von den Besuchern in das Kirchengebäude hineingetragen worden war und sich dann in Schichten über dem Stein aufgebaut hatte. Weil bei diesen Säuberungen meist zu viel Reinigungsmittel sowie kalkhaltiges Wasser zur Anwendung kamen, wurden die Verunreinigungen eher noch verdichtet denn abgetragen.

Mit Hochdruck gegen den Schmutz

Nun löst ein Heißwasser-Hochdruckreiniger in Verbindung mit einem Flächenreiniger die Verschmutzungen aus dem Boden heraus. Dabei wird bis zu 85 Grad heißes Wasser über rotierende Düsen mit bis zu drei Bar in einem bestimmten Winkel gezielt in den Stein gespritzt. Bei dem Stein, der in den 80er-Jahren des 19. Jahrhunderts verlegt worden ist, handelt es sich um dunkelroten Granit, dunkelgrünen Syenit sowie vor allem um Obernkirchener Sandstein. „Durch das mit dem Einsatz der Maschinen angewendete Verfahren kommt der eigentliche Stein in seiner warmen und hellen Sandfarbe wieder zum Vorschein und die Strukturen des Steins sind klar erkennbar“, erklärt Thorsten Möwes und ergänzt: „Weil bei diesem Verfahren das Schmutzwasser sofort aufgenommen wird, kann sehr genau gearbeitet werden - ohne dabei unnötig Wasser und Dampf zu verteilen.“

Weltweit unterwegs

Möwes ist Fachwirt für Reinigungs- und Hygienetechnik bei der Firma Kärcher. Zudem begleitet der Experte restauratorische Reinigungsprojekte sowie das Kultursponsoring des Unternehmens. Seit über 40 Jahren engagiert sich der Reinigungsgerätehersteller aus Baden-Württemberg weltweit und begleitet in enger Abstimmung mit Denkmalschützern, Restauratoren und Kunsthistorikern restauratorische Reinigungsarbeiten. Zu den über 150 Objekten, an denen Kärcher tätig war oder ist, zählen unter anderem die Christusstatue im brasilianischen Rio de Janeiro, die Kolonnaden des Petersplatzes in Rom und eben auch das UNESCO-Weltkulturerbe Kölner Dom. Dort hatte es bereits 2019 eine Zusammenarbeit mit der Dombauhütte gegeben, als es darum ging, das aus dem Mittelalter stammende Trachytmauerwerk des Chors zu reinigen.

Der Boden ist ein Kunstwerk

Mittelgang des Kölner Doms erstrahlt schon in neuem Glanz.
Blick durch den Mittelgang auf bereits gereinigten sowie noch ungereinigten Fußboden. Foto: Hoensbroech

Nun behandeln die Reinigungsexperten aus Süddeutschland nicht nur den Fußboden im Lang- und Querhaus der Kathedrale. Viel herausfordernder sind die Arbeiten zur Reinigung des Mosaikfußbodens im Chor und in der Vierung. Der ist mit 1300 Quadratmetern in den 1880er- und 1890er-Jahren durch eine Fachfirma aus dem Saarland verlegt worden und gilt als das größte Kunstwerk im Dom. Auch dieser wurde wie der Steinfußboden bislang stets in Handarbeit gereinigt. Die Bilder der prächtigen Mosaike erzählen wesentliche Etappen aus der Geschichte des Erzbistums Köln, der christlichen Weltordnung, des menschlichen Lebens und des mittelalterlichen Kosmos. Der Mosaikfußboden ist mit einer Wachsschicht überzogen, die abgetragen werden muss. „Das geschieht mit einem oszillierenden Einscheibenschleifer“, erläutert Möwes, während er das Gerät nahezu geräuschlos und behutsam über die Mosaike schiebt.

Schlüssiges Konzept zur Reinigung

Sobald das Wachs abgetragen ist, können Fachleute der Dombauhütte dann fehlende Steine erneuern oder Risse ausbessern. Im Bereich des Chorgestühls waren die Ausbesserungsarbeiten überschaubar. Das liegt daran, dass Touristen dort in der Regel nicht hinkommen. Im Bereich des Chorumgangs aber, in dem in den Zeiten vor der Pandemie bis zu 15 000 Menschen täglich beim Besuch des Gotteshauses durchgingen, sieht es hingegen anders aus. Rund zehn Kilogramm Mörtel hat ein Steinrestaurator der Dombauhütte dort verbraucht, um Risse auszubessern.

Wenn die Konservierungsarbeiten abgeschlossen sind, wird der Mosaikfußboden durch Mitarbeiter der Dombauhütte durch eine von Kärcher überlassene Poliermaschine komplett neu beschichtet. Insgesamt sieben Maschinen überlässt die Firma dem Dom und weist darüber hinaus Mitarbeiter der Dombauhütte in deren Bedienung und Wartung ein. Ebenso wie der jetzige Frühjahrsputz der Böden macht Kärcher dies im Rahmen seines Kultursponsorings unentgeltlich. Für die Kooperation ist die Dombauhütte sehr dankbar.

Schonendes Verfahren

„Zusammen mit Kärcher und der Steinrestaurierung haben wir ein schlüssiges Gesamtkonzept zur Reinigung der Böden im Dom entwickelt, das wir auch in Zukunft weiterführen und weiterentwickeln wollen“, betont der stellvertretende Dombaumeister Albert Distelrath. So wurde beispielsweise für die aktuell laufenden Arbeiten vorab mit der Steinrestaurierungswerkstatt der Dombauhütte ein gleichermaßen wirksames wie schonendes Verfahren erarbeitet und getestet.

Der Umstand, dass das Kölner Wahrzeichen derzeit aufgrund der Pandemie nur für Besucher der Gottesdienste zugänglich ist, hat die Ausführung der Arbeiten natürlich befördert.

Einmal in der Woche soll nun für die turnusgemäße sogenannte Grund- und Unterhaltsreinigung eine Scheuersaugmaschine sowie für schwerer zugängliche Bereiche eine kleinere Maschine eingesetzt werden. Da die Maschinen die Verschmutzungen gleich aufnehmen und abtransportieren, verbessert sich auch für die Gottesdienstbesucher und Touristen die Hygiene in der Kathedrale insgesamt. Eine Grundreinigung des Sandsteinfußbodens ist indes in den kommenden zehn Jahren nicht mehr notwendig. Die neue Wachsschicht für den Mosaikfußboden ist nach Auskunft der Experten sogar erst in 20 Jahren einer erneuten Grundreinigung zu unterziehen.

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