Ferkel „Jupp“ ist der Star

Fünfzig Jahre Attraktionen: Rheinischen Freilichtmuseum im Eifel-Ort Kommern lädt zum Mitmachen ein

Kommern (DT) Nicht ein „Schweinchen namens Babe“ sondern ein Ferkel namens „Jupp“ ist die Attraktion im Rheinischen Freilichtmuseum Kommern. Der niedliche Kerl gehört zur Rasse „Deutsches Weideschwein“, eine der vielen gelungenen Rückzüchtungen in Kommern. Schließlich ist der kleine Eber nicht irgendein Schwein, vielmehr war es das eher ungewöhnliche Geschenk für den neuen Leiter der Einrichtung, Josef Mangold, von seinen Freunden „Jupp“ genannt. Der menschliche „Jupp“ freute sich sehr über sein Empfangsgeschenk, das ihm die Arbeit im 50. Jubiläumsjahr des Museums gleich zu Beginn verschönerte.

Für den 51-jährigen Wissenschaftler, der unter anderem Volkskunde, rheinische Landesgeschichte und historische Geografie studiert hat, ist mit seiner Berufung nach Kommern ein Traum in Erfüllung gegangen. Er nennt das Museum „ein Goldstückchen“, nicht nur weil es das zweitälteste und zweitgrößte seiner Art in Deutschland ist. „In seiner Art ist Kommern fast einzigartig“, meint er begeistert und weist daraufhin, dass mit dem großen Gelände für ihn persönlich auch viele Erinnerungen aus der Kindheit verbunden sind.

Aber zurück zu „Jupp“. Der Eber darf darauf hoffen, sein Leben in Kommern bis zu seinem natürlichen Ende zu verbringen. Schließlich ist er das einzige Nutztier im Freilichtmuseum, das den Direktor als Paten hat. Die vielen anderen Vierbeiner, Schafe, Ziegen, Hühner, Gänse, Esel, Kühe oder Pferde, die sich in Ställen und auf den Weiden des weitläufigen etwa 90 Hektar großen Geländes tummeln, haben diese Aussicht nicht.

Nicht nur „Jupp“, auch manch andere der Nutztiere sind Rückzüchtungen. Seit Jahren steht Kommern in engem Kontakt mit der Universität Gießen, um durch konsequente Rückzüchtung alte Haustierrassen wieder zum Leben zu erwecken. Neben dem „Deutschen Weideschwein“ ist das Museum besonders stolz auf das neue alte „Donnersberger Rind“. Es sind jedoch nicht nur die Tiere, die die anmutig auf einem Hügel gelegene Museumslandschaft mit Leben erfüllen. Besuchern begegnen im Gelände auch historische Personen: Johann Nepomuk von Schwerz, dem preußischen Agrarökonom, der im frühen 19. Jahrhundert das Rheinland bereiste und der Regierung zu Berlin Berichte über die landwirtschaftlichen Verhältnisse lieferte, oder Anna Ippendorf, der Bäuerin und „Schmitze Billa“, der Dame aus dem gründerzeitlichen Bonn, die zu Besuch bei ihren Eltern auf dem Land verweilt. Sie alle sind ehrenamtliche Darsteller, die mit großer Begeisterung und Liebe zur Sache das Museum bevölkern und nur zu gerne mit den Besuchern ein Schwätzchen halten – ganz wie in alten Zeiten. Beim Tratschen über alte Zeiten muss es jedoch nicht bleiben. In Workshops und Kursen kann man selbst erleben, wie man früher Brot backte, Stoffe webte, welche Kräuter man für welche Krankheiten sammelte oder wie Wäsche in den Zeiten vor der Waschmaschine gewaschen wurde.

Begonnen hat alles eher klein und unscheinbar. Als das Rheinische Freilichtmuseum am 28. März 2008 aus der Taufe gehoben wurde, gab es noch nicht viel zu sehen. Erst drei Jahre später konnte die offizielle Eröffnung für das Publikum stattfinden, denn so lange hatte es gedauert, bis die erste Baugruppe alter Fachwerkhäuser fertiggestellt war. Zunächst eher als eine Art Häusermuseum, das die Sachkultur des Rheinlands dokumentierte und darstellte, gedacht, entwickelte es sich hin zu einem Museum über das Leben der Menschen im Rheinland. Heute spiegeln 65 Bauwerke, darunter auch eine historische betriebsbereite Windmühle die verschiedenen Siedlungsformen des Rheinlands wider. Dazu gehören natürlich auch Obstwiesen sowie Weide- und Ackerflächen. „Derzeit entsteht ein Konzept für eine neue Baugruppe, die eine Kleinstadt der 50er bis 70er Jahre des 20. Jahrhunderts zeigen wird. In Gaststätte, Lichtspielhaus, Schule, Kirche, Eisenwarenhandlung und vielen anderen Gebäuden können sich die Besucherinnen und Besucher in die jüngste, häufig noch selbst erlebte Vergangenheit entführen lassen“, erläutert ein Museumssprecher die aktuellen Pläne.

Lebendig geht es in Kommern immer zu, denn fast an jedem Wochenende gibt es irgendeine Veranstaltung, wie etwa den „Jahrmarkt Anno Dazumal“ oder die „Kaltblütertage nach der Ernte“ ebenso wie „Die große Wäsche vor 100 Jahren“. Im August steigt die offizielle Geburtstagsparty. Ein ganzes Wochenende lang feiert das Museum mit Shows, Ausstellungen und vielen Aktionen unter dem Titel „1958“ sein Jubiläum. Besonders Oldtimer-Fans, egal ob für PKWs, Motorräder oder Traktoren, werden hier auf ihre Kosten kommen.

Die beiden Dauerausstellungen „WirRheinländer“ – Schau zur Geschichte des Rheinlandes von der Besetzung durch die Franzosen im ausgehenden 18. Jahrhundert bis in die 50er Jahre des 20. Jahrhunderts sowie „Schöne Neue Welt – Rheinländer erobern Amerika“ – eine Ausstellung über die Auswanderung aus dem Rheinland nach Nordamerika, runden einen Museumsbesuch gelungen ab. Spezialangebote für Schulen und andere Gruppen verstehen sich von selbst.

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