Fasten ist mehr als Verzicht aufs Essen

Wie die Benediktiner auf dem Heiligen Berg in sich gehen

Andechs (DT/KNA) „Fasten“, sagt Pater Valentin Ziegler (40), „das ist ja mehr als Einschränkung beim Essen und Trinken oder der Verzicht auf die geliebte Zigarette.“ Mit Fasten im Sinn des heiligen Benedikt sei etwas anderes gemeint. Ein Kapitel seiner Regel habe der Ordensgründer der Fastenzeit gewidmet – von der Zurückhaltung bei Speis' und Trank ist da nur beiläufig die Rede.

Pater Valentin ist Cellerar der oberbayerischen Klosterbrauerei Andechs – ein Job, bei dem man nicht unbedingt ans Fasten denkt. Er muss dafür sorgen, dass der Laden läuft. 100 000 Hektoliter werden jährlich produziert, der Gerstensaft mundet sogar den Japanern. Ein Gutteil findet jedoch seine Liebhaber im Bräustüberl auf dem Heiligen Berg, wo es sich die Gäste bei deftiger Brotzeit und einer ordentlich gezapften Halben gutgehen lassen. Meist bleibt es nicht bei einem Glas. Das liegt nicht nur an der Qualität, sondern auch an der gemütlichen Atmosphäre, in der sich das „Andechser Gefühl“ so schön entwickeln kann.

Rein berufsmäßig hat Pater Valentin – übrigens gelernter Winzer aus der Pfalz – zum Thema Fasten also ein etwas gespanntes Verhältnis. Aber Fasten bedeutet für ihn sowieso etwas anderes als Askese. „Der Mönch muss immer schauen, dass er zur richtigen Mitte zurückkehrt“, interpretiert er die Absicht des Ordensgründers. Dem gehe es nicht darum, seine Mönche in eine Zwangsjacke aus Verzichtsvorschriften zu stecken. Vielmehr sollten Werte wieder in den Vordergrund gerückt werden wie Geduld oder Nächstenliebe. „Im Laufe des Jahres schleift sich ja doch einiges ein an Abhängigkeiten und Automatismen“, meint der Cellerar. Um diese zu korrigieren, muss ein Benediktiner zum Aschermittwoch seinem Abt eine Fastenschedula vorlegen. Da schreibt der Mönch auf, was er sich für die nächsten 40 Tage vornimmt: Gebete, Literatur, das Gespräch mit einem Mitbruder, mit dem man nicht so recht kann, Stress vermeiden und dergleichen. Unter Umständen kann auch dabeistehen, weniger essen und trinken zu wollen. Damit sich der Ordensmann nicht zu viel oder zu wenig abverlangt, muss der Abt diese Richtschnur genehmigen. „Wenn einer rappeldürr ist, wird es keinen Sinn machen, wenn er radikal aufs Essen verzichtet“, nennt Pater Valentin ein Beispiel. Dass einer aus der Fastenzeit als ein total veränderter Mensch herauskommt, ist sowieso unwahrscheinlich.

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