Entwaldung steigt an

Teile Brasiliens leiden unter massiver Trockenheit. Von Robert Luchs

Die Entwaldung im Amazonas hat im vergangenen Jahr deutlich zugenommen. Wie die brasilianische Regierung mitteilte, gingen zwischen August 2015 und Juli 2016 insgesamt 7 989 Quadratkilometer Regenwald verloren; Das entspricht mehr als der dreifachen Fläche des Saarlandes. Das bedeutet einen Anstieg von 29 Prozent im Vergleich zum Vorjahr und ist der größte gemeldete Waldverlust seit 2008. Hinzu kommt eine Dunkelziffer, die, so Experten, ebenfalls viele hundert Quadratkilometer ausmachen dürfte.

Der WWF wertete die Zahlen als gefährliche Trendwende: „Die Abholzung nimmt seit dem historischen Tiefstand in 2012 mit 4 571 Quadratkilometer wieder zu, wobei in diesem und im letzten Jahr besonders starke Entwaldungen zu verzeichnen sind. Der Trend hält also nicht nur an, er beschleunigt sich sogar. Angesichts der politischen Lage in Brasilien könnte die neue Statistik zudem nur ein Vorzeichen sein für weit größere Zerstörungen“, so Christoph Heinrich, Vorstand Naturschutz beim WWF Deutschland.

Von 2014 bis 2015 hatte der Raubbau am Regenwald bereits um 24 Prozent (6 207 Quadratkilometer) angezogen. Die großflächige Abholzung ist nicht nur eine Gefahr für die Artenvielfalt, sondern hat auch direkte Auswirkungen auf den Klimaschutz. Brasilien hat sich zu einer deutlichen Verringerung der Treibhausgasemissionen, minus 43 Prozent zwischen 2005 und 2030, verpflichtet. Ohne funktionierenden Waldschutz sei dies jedoch nicht zu erreichen, betont Heinrich. Allein im vergangenen Jahr sind die brasilianischen Emissionen um 3, 5 Prozent gestiegen, obwohl die Wirtschaft darniederliegt. Das belegt, dass die CO2-Emissionen aus Waldzerstörung die Klimabilanz der brasilianischen Volkswirtschaft dominieren. Schon heute leiden weite Teile Brasiliens immer wieder unter massiver Trockenheit als Folge der Abholzungen. Werden diese nicht endlich nachhaltig gebremst, dann sind die Lebensgrundlagen für die Menschen in Brasilien, aber auch darüber hinaus, gefährdet.

Nach Ansicht des WWF geht die zunehmende Entwaldung auch auf verschobene Machtverhältnisse im Parlament und in der Regierung zurück. Die jetzige und die Vorgängerregierung haben Gesetzesreformen zugunsten der Agrar-, Bergbau- und Bauindustrie befördert. Im Kongress wird aktuell ein „Reform-Gesetz“ diskutiert, das das aktuelle brasilianische Waldgesetz deutlich schwächen und die Naturwälder des Landes bedrohen würde. Die Reform sieht vor, dass Landbesitzer ihren bislang unter Schutz stehenden Wald in Weideflächen für die Viehhaltung umwandeln können.

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