Eine würdige Ruhe für die Heiligen Drei Könige

Die Kölner Domschweizer ordnen das Gotteshaus und geben Antworten auf viele Fragen. Von Constantin Graf von Hoensbroech

Die Tage, an denen die Figuren der Heiligen Drei Könige an den Krippen stehen, sind für den Kölner Domschweizer Franz-Jochem Henk eine besondere Zeit. „Dann wird am Schrein die sogenannte Trapezplatte abgenommen und damit der Blick auf das Brett mit den Häuptern der Heiligen Drei Könige freigegeben. Außerdem sind die Gottesdienste stets von besonderer Ausprägung, der Dom ist rappelvoll und dann sind da noch die vielen Sternsinger in ihren malerischen Verkleidungen“, sagt er. Seit neun Jahren gehört Henk in der Kölner Kathedrale zu den Kirchenaufsehern, die in ihren roten Roben mit schwarzer Samtverbrämung nicht nur während der Liturgie über Ruhe und Ordnung im Gotteshaus wachen. „Wir kümmern uns natürlich auch um die würdige Ruhe für die Heiligen Drei Könige“, ergänzt Theo Kolter mit einem Lächeln und blickt zum Dreikönigenschrein. Es sei schon eine besondere Freude und Ehre, an diesem für die Christenheit so bedeutenden Ort mit den Gebeinen der ersten Christuspilger Dienst zu tun. Achteinhalb Jahre war Kolter, der kürzlich altersbedingt aus dem Dienst geschieden ist, Kollege von Franz-Jochem Henk.

„Wenn die Fragen der Besucher zu knifflig wurden, habe ich immer auf ihn verwiesen“, so Kolter. In der Tat ist der aus Euskirchen stammende Henk für sein Wissen über den Dom bekannt, sodass er mittlerweile auch selbst Führungen übernehmen kann. „Ich hatte schon als Kind eine besondere Begeisterung und Leidenschaft für den Dom“, so Henk, der bei seinem Dienstantritt als Domschweizer bereits umfangreiche Kenntnisse mitbrachte. „Man muss aber stets trennen zwischen dem, was wirklich wahr, was anekdotisch und was legendär ist“, sagt er und verweist als Beispiel auf die Geschichte vom Teufelsstein. „Den Abbruch eines Kapitells im Mittelalter, das darauf im Hochchor direkt neben dem Schrein aufgeschlagen ist, hat es wohl gegeben.“ Während er in die Apsis der mittleren Kapelle im Chorumgang weist, ergänzt er: „Und wie damals wohl auch üblich, wurde dieser Steinabbruch dem Teufel zugeschrieben. Aber alles, was dann später daraus gemacht worden ist, kann eher als nicht authentisch bezeichnet werden.“

Auch Theo Kolter wurde immer wieder mal danach gefragt, wo denn der Teufelsstein steht. „Anfangs war ich da völlig überfragt, vieles habe ich mir erst anlesen und erarbeiten müssen.“ Obwohl Kolter aus Deutz, dem Stadtteil direkt dem Dom gegenüber auf der anderen Rheinseite entstammt, war das Kölner Wahrzeichen für ihn lange kein Thema. „Wann immer wir Besuch bekamen, wurde ich als Kind durch die Geschäfte in der Innenstadt mitgeschleppt, und danach ging es in den Dom“, erinnert er sich lebhaft an diese für ihn eher anstrengenden Tage. „Nun komme ich gerne an meine alte Arbeitsstelle zurück, klöne mit den Kollegen und schaue natürlich auch nach den Heiligen Drei Königen.“

Ob er von deren sterblichen Überresten in dem goldenen Schrein auch persönlich überzeugt ist? „Das ist sicherlich eine Glaubensfrage, und ich glaube, dass sie es sind“, sagt er etwas nachdenklich und verweist zum Vergleich auf seinen ,Hausheiligen‘ im heimatlichen Deutz: „Beim Heiligen Heribert ist ja alles weitestgehend belegbar. Aber bei den Heiligen Königen gibt es ja doch einiges, was unklar ist, und die Bibel berichtet nur sehr knapp über sie.“ Franz-Jochem Henk ist mit seiner Antwort pragmatisch: „Solange nicht das Gegenteil bewiesen ist, sind sie es.“ Immer wieder fragen Besucher und Gläubige bei den Domschweizern über den Dom im Allgemeinen und den Schrein sowie die Heiligen Drei Könige im Besonderen nach. Offenbar werden die Kirchenaufseher für besondere Autoritäten gehalten. „Da gab es die unterschiedlichsten Gespräche“, erinnert sich Kolter an die zurückliegenden Jahre: „Die Palette der Fragen ließ auf totale Ablehnung und Zweifel, aber eben auch auf feste Überzeugung und Glaubensstärke des Fragestellers schließen.“

Was Henk und Kolter aber stets beeindruckt, ist die starke Verbundenheit vieler Menschen mit dem Dom und seinem Schrein. So kämen beispielsweise werktags zahlreiche Menschen mit Aktenkoffer in eine der Frühmessen oder auch Reisende auf dem Weg vom oder zum Bahnhof rasch vorbei. Theo Kolter: „So, wie das hier gelebt wird oder sich erleben lässt, hat dieser Ort mit den Königen, die ja auch Reisende und Pilger gewesen sind, für viele Menschen eine enorme Bedeutung und Botschaft.“

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