Eine neue arabische Lebensweise in Tunesien

Nach der Revolution sind die Menschen sensibilisiert und nehmen auch an Umwelt-Aktionen teil. Von Thomas Isenburg
Foto: Is | Die tunesische Gesellschaft wirkt im nordafrikanischen Vergleich offener und freier.

In dem Land auf der anderen Seite des Mittelmeers, gegenüber von Sizilien, ist der Arabische Frühling ausgebrochen und am weitesten fortgeschritten. Davon zeugen die Erarbeitung der fortschrittlichsten Verfassung der arabischen Welt sowie der an das tunesische Dialogquartett Wided Bouchamaoui vom Arbeitgeberverband UTICA, Houcine Abbassi vom Gewerkschaftsbund UGTT sowie Abdessattar Ben Moussa und Mohamed Fadhel Mahmoud vergebene Friedensnobelpreis. Die Gruppe hatte einen Bürgerkrieg verhindert, während das Nachbarland Libyen im Chaos versinkt. Dem Reisenden in der Region fällt auf, dass die Tunesier weniger offensiv als die Mitmenschen in den Nachbarländern agieren. Auch scheint die Rolle der Frau im Straßenbild weniger vom Islam geprägt zu sein. Viele sind unverschleiert und flanieren mit ihren Partnern auf den Straßen. Sie sitzen in Gruppen mit Männern zusammen und genießen die Zeit. Das Straßenbild ist aber auch von Polizeipräsenz am Wegesrand gekennzeichnet – eine Folge der Anschläge aus der Vergangenheit. Hierzu fällt die Bemerkung eines Taxifahrers auf: „Ein Land ohne Polizei ist wie eine Frau ohne Busen oder ein Mann ohne Buch.“ Das wirkt sexistisch motiviert. Im Straßenbild gibt es deutliche Zeichen für mehr Meinungsfreiheit, zum Beispiel in La Marsa, einem noblen Vorort von Tunis am Mittelmeer. Dabei ist die kleine Stadt noch vom Massentourismus verschont geblieben. An den Mauern der Stadt sind die Suren des Arabischen Frühlings noch deutlich zu sehen. Einiges in Tunesien orientiert sich an einer neuen arabischen Lebensweise und versprüht ein angenehmes Lebensgefühl für Europäer.

Nach der Revolution seien Fortschritte zu sehen

Hier führt eine Gruppe junger tunesischer Menschen eine Plastiksammelaktion am Strand durch. Einer von ihnen ist der 23-jährige Student für Digitales Marketing Mohamed Feitani. Nach seiner Beteiligung befragt meint der junge Mann: „Wir sammeln Plastik, um es später zu recyceln. Mit einem Einsatz für unsere Umwelt können wir das Image unseres Landes verbessern, denn wir haben ein Umweltproblem in Tunesien.“ Plastikabfälle sind an den Straßenrändern und Stränden der arabischen Welt allgegenwärtig. Doch die Gruppe versprüht dynamische Begeisterung und zeigt ihre Plakate am Strand. Auf diesen prangt der Schriftzug Rotaract Club Essect. Eine Mitstreiterin der Aktion ist Raissi Samas. Sie studiert Betriebswirtschaftslehre im zweiten Jahr und erklärt ihre Absicht: „Für die Zukunft planen wir viele unterschiedliche Aktionen.“ Hierzu die 21-jährige Marketingstudentin Nada Slim: „Wir besuchen auch Kinder, die unter Krebs leiden und spielen mit ihnen.“ Die jungen Menschen sind stolz auf ihr Land und zeigen das auch, indem sie äußern: „Tunesien wird eine große Zukunft haben wegen seiner jungen Generation.“

Nach den Veränderungen in Tunesien durch den arabischen Frühling befragt, meint Feitani: „Wir hoffen das Beste. Nach der Revolution sind Fortschritte zu beobachten. Dabei versuchen wir ein besseres Tunesien für die zukünftige Generation zu machen.“ Slim fügt hinzu: „Wir wollen aus Tunesien einen besseren Platz für uns und die Touristen machen.“ Die drei Studenten stimmen darin überein, dass sich ihre Gesellschaft verändert hat, denn die Menschen sind nun sensibilisiert und nehmen an ihren Aktionen teil. Diese Erkenntnis kaum ausgesprochen, stellen sie Fragen nach Studienmöglichkeiten in Deutschland. Ihre Aktionen planen die Studenten im Umfeld des Rotary Clubs. Die Gründung der Rotary Clubs in Afrika geht auf das Jahr 1921 zurück.

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