Köln

Eine „Jahrhundertaufgabe“

Hohe Domkirche und Stadt Köln wollen eine neue historische Mitte.

In Köln soll die historische Mitte der Stadt neu gefasst werden
Im Schatten der Kölner Kathedrale soll ein Gebäude realisiert werden, das das bisher an dieser Stelle befindliche Kurienhaus ersetzt. Foto: StaabArchitektenGmbH

In Köln soll die historische Mitte der Stadt neu gefasst werden. Um dies zu verwirklichen, haben die Hohe Domkirche und die Stadt Köln einen Vertrag geschlossen, mit dem gemeinsam das Bauprojekt „Neue Historische Mitte“ realisiert werden soll. „Anfang April konnten die Oberbürgermeisterin und ich in meiner Funktion als Dompropst dazu endlich die Unterschriften unter den Gründungsvertrag setzen“, erklärt Gerd Bachner mit hörbarer Erleichterung im Gespräch mit dieser Zeitung. Der Vertrag sieht die Gründung einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts „Historische Mitte“ vor.

„Die Unterschriften von Stadt und Hoher Domkirche besiegeln ein bedeutendes Vorhaben für unsere Stadt“, betont die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker. Prälat Bachner ergänzt: „Unsere historisch einmalige Zusammenarbeit wird somit auf ein solides Fundament gestellt.“ Es ist das erste gemeinsame Projektvorhaben der Stadt Köln und der Hohen Domkirche in ihrer 800-jährigen Geschichte.

„Es geht um die Wurzeln der Stadt,
die im Schatten des Domes deutlich werden“.
Dompropst Gerd Bachner

Darum geht es bei der Bauherrengemeinschaft von Hoher Domkirche und Stadt Köln: Im Schatten der Kölner Kathedrale soll für rund 144 Millionen Euro ein Gebäude realisiert werden, das das bisher an dieser Stelle befindliche und in die Jahre gekommene Kurienhaus ersetzt. Der ambitionierte markante Neubau eines Berliner Architekturbüros, das im Jahr 2016 als Sieger aus einem internationalen Realisierungswettbewerb hervorging, beherbergt dann neben dem Kölnischen Stadtmuseum und einem Studiengebäude für das benachbarte Römisch-Germanische-Museum auch ein neues Kurienhaus für die Hohe Domkirche.

Gedeihliche und konstruktive Zusammenarbeit

Dadurch, dass sich die Rechtssubjekte Stadt sowie Domkirche als Gesellschafter in diesem Gesellschaftsvertrag für das Bauvorhaben zusammenfinden, erhoffen sich beide Seiten eine Verringerung der Auflagen sowie eine Vereinfachung bei den verschiedenen Ausschreibungen. Beide Vertragspartner erwarten nun eine „gedeihliche und konstruktive Zusammenarbeit“. Schließlich biete der räumliche Zusammenschluss auf dem Gelände des jetzigen Kurienhauses die hervorragende Gelegenheit, die Einzigartigkeit des Ortes und die besonderen Bezüge zwischen den historischen und überregional bekannten Kölner Museen einerseits und den Schätzen der Kirche andererseits hervorzuheben.

Die Wurzeln der Domstadt

„Es geht um die Wurzeln der Stadt, die im Schatten des Domes deutlich werden“, so Bachner: „Der Dom als zentraler Ort der Stadt ist eben nicht nur Weltkulturerbe, sondern in erster Linie ein Gotteshaus.“ Durch das Gebäudeensemble Historische Mitte soll im Herzen der Rheinmetropole deren Alleinstellungsmerkmal einer 2 000-jährigen Geschichte durch eine moderne Museumslandschaft inhaltlich und baulich weiter angereichert und erfahrbar werden.

Von einer „Jahrhundertaufgabe“, spricht Gerd Bachner und verweist dabei auf andere Jahrhundertaufgaben, die an diesem sensiblen innerstädtischen Ort bereits bewältigt worden sind. So sei es etwa im ausgehenden 19. Jahrhundert darum gegangen, den Dom von der unmittelbar an ihn herangerückten Bebauung zu befreien. Im vergangenen Jahrhundert, als nach dem Zweiten Weltkrieg die Stadt weitestgehend in Trümmern lag, ist das Kölner Wahrzeichen im Zuge des städtischen Wiederaufbaus erneut stark umbaut worden. Deshalb bemühen sich Stadt und Kirche seit vielen Jahren darum, der „Kostbarkeit Dom“ wieder die Würde des Ortes zurückzugeben. 2005 wurde die großzügige Treppe zwischen Bahnhof und Dom fertiggestellt. Im Laufe der Jahre wurden weitere Maßnahmen realisiert, um die Umgebung des Kölner Wahrzeichens neu zu gestalten.

Menschen mit Gott in Berührung bringen

„Da wird sich das Gebäude Historische Mitte sehr gut einfügen“, ist Bachner überzeugt. Er sieht dabei auch Perspektiven für die Erfahrbarkeit der Kathedrale als Gotteshaus. So sollen einmal im Monat die abendlichen Glaubenswege für eine begrenzte Gruppe im geschlossenen Dom wieder aufgenommen werden. „Es geht vor allem auch darum, die Menschen, die sich von der Kirche entfernt haben, wieder mit Gott in Berührung zu bringen.“

Die Stadt übernimmt 116 Millionen Euro der Projektkosten und wird etwa 80 Prozent der geplanten 16 000 Quadratmeter Nettogrundfläche nutzen, die Hohe Domkirche etwa 20 Prozent sowie rund 27 Millionen Euro übernehmen. Für diesen als „Neue Historische Mitte“ bezeichneten Komplex hatte der Rat der Stadt im Mai 2018 einen erweiterten Planungsbeschluss gefasst. Mit der jetzt erfolgten Vertragsunterzeichnung und der Berufung eines Geschäftsführers können nun die weiteren Schritte eingeleitet werden. Organe der Gesellschaft sind die Geschäftsführung, die jeweils paritätisch besetzte Gesellschafterversammlung sowie der Lenkungskreis.

Dieses Team trägt dann die Verantwortung dafür, dass das Großprojekt Historische Mitte qualitätsvoll, termin- und kostensicher bis Ende des Jahrzehnts durchgeführt wird. Dazu muss der Geschäftsführer nun als nächstes die entsprechenden formalen Unterlagen ausarbeiten, die dem Stadtrat als Grundlage dienen, um den notwendigen Baubeschluss zu fassen. Ein mögliches „Nein“ des Stadtparlaments erwartet Prälat Bachner nicht. „Der Vertragsunterzeichnung ist ein jahrelanger Prozess vorausgegangen, bei dem die Stadt und ihre Gremien immer mitgewirkt haben.“

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