Ein bedauerlicher Fehler

Ikea will nun doch Einsatz von DDR-Häftlingen untersuchen lassen

Berlin (DT/KNA) Die deutsche Niederlassung des Möbelherstellers Ikea will offenbar nun doch den Einsatz von DDR-Häftlingen als Zwangsarbeiter untersuchen lassen. Zugleich erklärte das Unternehmen dem Berliner Nachrichtenportal „Welt Online“ (Dienstag), es sei ein bedauerlicher Fehler gewesen, dass man zuvor einen Vorschlag der Union der Opferverbände kommunistischer Gewaltherrschaft (UOKG) für ein Forschungsprojekt abgelehnt habe.

„Wir sind im Gespräch mit der UOKG und legen darauf auch großen Wert“, sagte eine Unternehmenssprecherin. Erst am Montag wurde ein Brief bekannt, aus dem hervorgeht, dass Ikea den Vorstoß der UOKG zunächst abgelehnt hatte. „Doch leider müssen auch wir Prioritäten setzen“, heißt es unter Verweis auf soziale Aktivitäten des Unternehmens in dem Schreiben der Ikea-Abteilung für Public Relations vom 10. August, das der „Welt“ vorliegt: „Es gäbe vieles zu unterstützen, doch alles ist selbst uns nicht möglich.“ Die UOKG erklärte am Dienstag, der Verband nehme die Erklärung und Entschuldigung von Ikea an. Dessen Bundesvorsitzender Rainer Wagner sagte, er betrachte die Erklärung als glaubwürdig. Zugleich äußerte er den Wunsch auf eine zukünftige konstruktive Zusammenarbeit. Ikea habe sich im Gegensatz zu anderen Unternehmen und Institutionen sehr früh bereit erklärt, die Verwicklungen in das Zwangsarbeitssystem der DDR zu erforschen und aufzuarbeiten. In einem Telefonat bat Wagner Ikea, den Projektvorschlag zur DDR-Zwangsarbeit noch einmal wohlwollend zu prüfen. Unterdessen kritisierten weitere Experten den Umgang von Ikea mit dem Brief des Opferverbandes. „Mit einem solchen Formbrief zu antworten, zeigt, dass es Ikea nicht ernst ist mit der Aufarbeitung der Vorwürfe“, kritisierte der Leiter des Berliner Stasi-Museums, Jörg Drieselmann, im Gespräch mit der „Welt“. „Die UOKG ist nicht irgendein Verband, sie vertritt sehr viele Betroffene. Sie haben sich angeboten, bei der Aufklärung behilflich zu sein. Ich hätte erwartet, dass Ikea cleverer reagiert.“

Kritik übte auch Jens Thiemke, der 1986 nach einem missglückten Fluchtversuch über die Berliner Mauer unter anderem im DDR-Gefängnis Naumburg eingesperrt war. „Arbeitsschutz war in Naumburg ein Fremdwort“, erinnert er sich. Sein Gefühl über das mangelnde Interesse an einer Aufarbeitung sei „Erschrecken, einfach nur Erschrecken“. Er hatte bereits Kontakt mit den von Ikea beauftragten Wirtschaftsprüfern, fühlte sich jedoch nicht ernst genommen: „Die haben mich gefragt, ob ich sicher wüsste, dass ich für Ikea arbeiten musste. Als ob da Firmenschilder im Produktionssaal gehangen hätten.“

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