Ecpat: Warnung vor „Voluntourismus“

Berlin (DT/KNA) Die Kinderschutzorganisation Ecpat hat vor dem so genannten Voluntourismus gewarnt, bei dem Freiwillige für kurze Zeit im Rahmen von Pauschalreisen soziale Arbeit leisten. Damit würden die Freiwilligendienste zunehmend kommerzialisiert, sagte Ecpat-Sprecherin Dorothea Czarnecki am Mittwoch im Deutschlandradio Kultur. Nicht die Bedürfnisse der lokalen Bevölkerung, sondern die der Touristen würden in den Mittelpunkt gestellt: „Wenn wir sehen, da kommt jemand und möchte nur zwei bis drei Tage in einem Projekt möglichst mit Kindern irgendwo mitarbeiten – da geht es in erster Linie nicht ums Helfen“, so Czarnecki. „Das hat weniger altruistische Gründe.“ Viele Anbieter vereinfachten die Aufnahmekriterien für die Einsätze, um möglichst viele Freiwillige zu vermitteln. So entfalle unter anderem das polizeiliche Führungszeugnis. Besondere Sorge bereite Ecpat der Trend des so genannten „Waisenhaus-Tourismus“. In den Häusern gebe es meist von Kinderschutzmaßnahmen „keine Spur“, so Czarnecki: „Die Reisenden bekommen auch Zugang zu den Schlafräumen der Kinder, sie können Fotos von den Kindern machen, sie dann in sozialen Netzwerken posten.“ Seriöse Anbieter für Freiwilligeneinsätze ließen sich dennoch finden. Ein Hinweis sei, dass Reiseveranstalter kein „extremes Armutsmarketing“ betrieben, „das die Reisenden zu aktiven Weltverbesserern stilisiert“.

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