Der „Indiana Jones“ der Bibelforscher

Ausstellung in Leipzig über Konstantin von Tischendorff

Leipzig (DT/KNA) Für manche war er eine Art „Indiana Jones“ der Bibelforschung. Konstantin von Tischendorf (1815–1874) reiste durch den Nahen Osten, immer auf der Suche nach den ältesten christlichen Handschriften. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde er so zu einer Berühmtheit in Gelehrtenkreisen. Eine Ausstellung der Universitätsbibliothek Leipzig erinnert nun an den umtriebigen Theologen.

Seine größte Entdeckung machte er angeblich in einem Papierkorb. Tischendorf war im griechisch-orthodoxen Katharinenkloster auf der ägyptischen Sinai-Halbinsel, durchforstete alte Schriften und stieß auf eine Bibelhandschrift, die bis heute als eine der ältesten erhaltenen der Welt gilt, auf den „Codex Sinaiticus“. 43 Blätter nahm er von seiner ersten Reise mit nach Hause, die ihn schlagartig berühmt machten. Zwei davon, auf denen auf Griechisch ein Abschnitt aus dem Buch Jeremia geschrieben steht, sind in dem kleinen Ausstellungsraum der Bibliotheca Albertina in Leipzig zu sehen. Eingerahmt von Fotos der alten Klostermauern, die den Sensationsfund als Hängetafeln umgeben, fokussieren Scheinwerfer die Exponate. Sie bilden das Zentrum der Rückschau auf das Leben des Wissenschaftlers. Tischendorf galt seinerzeit als Genie. Der preußische König Friedrich Wilhelm IV. schrieb ihm anerkennend: „Wo Sie hinkommen, da finden Sie auch“; mit Alexander von Humboldt stand er in Korrespondenz. Die Zitate seiner Freunde und Bewunderer zieren die Wände der Ausstellung. Sie ist schlicht angelegt, thematisch in sechs Kapitel unterteilt. Die Person Tischendorf steht in den ersten drei im Mittelpunkt, als Reisender, als Gelehrter und als Schreibender. Der zweite Schwerpunkt der Ausstellung gilt Tischendorfs Wirken. Neben griechischen Handschriften und den beiden Blättern des „Codex Sinaiticus“ wird in einer Vitrine ein Streit nachgezeichnet, der den Leipziger Bibelforscher auch über die Landesgrenzen hinaus bekannt machte: Tischendorf machte 1856 publik, dass die vermeintlich wertvollen Handschriften, die sein Kollege Konstantin Simonides verkaufte, Fälschungen waren. Der Beschuldigte griff ihn heftig an, aber Tischendorf konnte seine Thesen untermauern. Simonides musste klein beigeben, sein Ruf war dahin, und er hegte heftigen Zorn gegenüber dem Leipziger Gelehrten.

Die Schau ist bis 29. Mai täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

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