Düsseldorf

Der etwas andere Beauty-Trend

Für gemeinsames Gebet, Austausch und Aktivitäten treffen sich regelmäßig Teams des Projekts „Looking Good – inside and out“. Was dahinter steckt und warum Jugendliche christliche Werte brauchen.

Rosenkranzbasteln
Beim Rosenkranz-Anfertigen können die Mädchen ihre Talente entdecken. Foto: Wetzel

Intensives Schwitzen abwechselnd mit entspannenden Dehnübungen. Die Corona-Pandemie hat viele Leute zu Home-Workouts motiviert, wie die junge Fitnessbloggerin Pamela Reif und der Gründer Robin Pratap der Berliner Fitness-App „Asana Rebel“ dem „Stern“ gegenüber bestätigten. Doch nicht nur das schweißtreibende Trainingsprogramm hielt die Leute auf Trab, viele wurden außerdem zu do-it-yourself-Haarschnitten und Schönheits-Experimenten inspiriert. Die zusätzlich verbrachte Zeit mit der Beschäftigung des eigenen Erscheinungsbilds birgt aber vor allem für junge Frauen und Mädchen eine gewisse Gefahr, dass sie in einen ungesunden Schönheitswahn verfallen.

Innere und äußere Schönheit

Für einen etwas anderen Beauty-Trend steht „Looking Good – inside and out“: Dabei geht es nicht um einen flachen Bauch, klare Haut und den besten Kleidungsstil, sondern um eine innere Schönheit, die nach außen strahlt.

Das Projekt des „Regnum Christi“ will Mädchen zwischen elf und 16 Jahren dazu ermutigen, ihre innere und äußere Schönheit zu entdecken und zu entfalten, zu selbstbewussten Frauen heranzuwachsen und eine persönliche Gottesbeziehung zu entwickeln. „,Looking Good‘ bietet den Mädchen Antworten auf die für dieses Alter typischen Fragen, wie zum Beispiel die Sehnsucht nach Angenommen-Sein oder die eigene Gefühlswelt, die sie woanders nicht bekommen. Die Welt der Medien versucht zwar immer wieder Antwort darauf zu geben, die aber häufig recht oberflächlich ist.

Oft geht es dann nur um Fitness, Essen, Mode und das Aussehen generell. Dadurch entsteht aber dieser Leistungsgedanke, dass man nur etwas wert ist, wenn man gut aussieht und anerkannt ist. Bei ,Looking Good‘ versuchen wir aber zu vermitteln, dass die Mädels genauso gewollt und geliebt sind, wie Gott sie geschaffen hat“, erklärt Bernadette Ballestrem, gottgeweihte Frau im „Regnum Christi“, die das Team in Düsseldorf begleitet. Weitere Themen, die während den Wochenenden durch Impulse und Gesprächsgruppen besprochen werden, sind Persönlichkeit, Glaube, Freiheit, Liebe und Partnerschaft. Außerdem bieten die Treffen die Möglichkeit, dass die Mädchen durch gemeinsame Aktivitäten wie Bowlen, Schwimmen oder Wandern neue Freundschaften schließen können. „Wir sind ein katholisches Projekt, das heißt die heilige Messe ist fester Bestandteil der Wochenenden, es gibt Anbetung sowie Gelegenheit zur Beichte und zu geistlichen Gesprächen bei Priestern oder gottgeweihten Frauen“, erklärt die 25-jährige Leiterin Anja Spörl.

Die Gemeinschaft entstand aus einer amerikanischen Bewegung genannt „Pure Fashion“, die sich dafür einsetzt, jungen Frauen ihre Schönheit und Würde zu vermitteln und wie sie durch diese die Schönheit Gottes widerspiegeln können. Die gottgeweihten Frauen des „Regnum Christi“ brachten die Idee 2006 nach Deutschland, wo sie abgewandelt als „Looking Good“ umgesetzt wurde.

Es geht darum, die Talente zu entfalten

Was anfangs mit rund 30 Mädchen in Altötting begann, entwickelte sich bald zu einem größeren Projekt, sodass die Organisation auf verschiedene Standorte aufgeteilt wurde und sich zu dem entwickelte, was es heute ist: sechs verschiedene „Looking Good“-Teams: im Allgäu (Kempten), in Oberbayern (Chiemgau), Nordrhein-Westfalen (Düsseldorf), Oberösterreich (Wels), Wien und jetzt neuerdings in Franken (Neustadt an der Aisch). Anja Spörl hat auch noch einige Visionen für die Zukunft: „Es wäre natürlich schön, noch mehr Mädels zu erreichen – sowohl in den Gruppen, die es bereits gibt, als auch durch neue Teams. Außerdem möchten wir noch mehr auf die individuellen Bedürfnisse der Mädels eingehen, weil es zwischen elf- und 16-Jährigen einen riesigen Unterschied gibt. Und dieses Altersspektrum stellt auch eine gewisse Herausforderung dar.“

Eine weitere Herausforderung liege darin, dass das Projekt von ehrenamtlichen Mitarbeitern getragen wird. Das sei zwar schön, weil es zeige, dass die Leiterinnen ihre Freizeit aus Überzeugung und Begeisterung für den Glauben und für die Mädels einsetzen. Andererseits bedeute das aber natürlich auch, dass die Verantwortlichen nur begrenzt Zeit in das Projekt investieren können.

Eckpunkte der Orientierung

Für die Psychologie-Studentin Eva Henninger aus dem Allgäu ist die Chance, den Mädchen bei ihrer Persönlichkeitsentwicklung zu helfen, aber Motivation genug: „Ich möchte, dass die Mädels zu selbstbewussten Persönlichkeiten heranwachsen, die sich durch ,Looking Good‘ selbst besser kennenlernen und im Glauben wachsen können. Außerdem ist es in einer Zeit, die für Teenager-Mädchen nicht so leicht ist, extrem wichtig, den Mädels Prinzipien und Eckpunkte mitzugeben, an denen sie sich orientieren können.“

Um den Mädchen Orientierung zu geben, fand das erste „Looking Good“- Wochenende des Schuljahres im Allgäu auch unter dem Thema „Finde deine Talente“ statt. In einem Impuls gab Eva Henninger den Teilnehmerinnen Tipps, wie sie ihre Talente entdecken und entfalten können: „Oft haben wir Talente, von denen wir noch gar nichts wissen. Deswegen ist es total wichtig, offen für Neues zu sein und sich einfach mal auszuprobieren!“ Gleichzeitig warnte sie aber davor, in einen krankhaften Perfektionismus zu verfallen, der letztendlich nur die Freude an den eigenen Talenten rauben würde. Vielmehr gehe es darum, eine Tätigkeit zu haben, in der man aufblüht und sich entfalten kann. Anschließend durften sich die rund 30 Teilnehmerinnen bei verschiedenen Workshops ausprobieren: Von Malen über Tanzen bis Fotografieren und Kochen war alles geboten.

Gemeinsame Treffen

Die Wochenenden laufen aber nicht überall gleich ab: „Die Vorgaben sind recht locker gehalten. Es gibt einen Themenkomplex, der uns ausmacht, aber die Aktivitäten und ob das Programm nur an einem Samstag oder an einem ganzen Wochenende stattfindet, bleibt den Teamleiterinnen überlassen. In Düsseldorf zum Beispiel finden die Treffen normalerweise nur samstags statt, weil die Teilnehmerinnen räumlich näher beieinander sind, als an anderen Standorten“, erklärt die Leiterin von „Looking Good“.

Damit die Teilnehmerinnen außerdem ein Bild davon bekämen, dass sie Teil von etwas Größerem sind und nicht nur einer kleinen regionalen Gruppe angehören, wird das letzte Wochenende des Jahres inzwischen von allen Teams gemeinsam in Alzgern veranstaltet – sowohl mit allen „Looking Good“- als auch „Get Strong“-Teams. „Get Strong – power your life“ ist das Pendant für Jungs – dort können die jungen Männer ebenfalls mehr über den Glauben lernen, sich austauschen und bei Aktivitäten wie Rodeln oder Cartfahren austoben.

In dem gemeinsamen Treffen von „Looking Good“ und „Get Strong“ sieht Anja Spörl vor allem die Chance, dass die Jugendlichen sehen, dass sie als junge Christen nicht allein sind, sondern dass es viele andere wie sie gibt, die ihren Glauben mit Freude und Begeisterung leben. Eben diese Gemeinschaft berührt auch die 14-jährige Sonja Berktold sehr: „Ich freue mich jedes Mal auf ,Looking Good‘, weil die Gemeinschaft mit den Mädels echt gut ist und ich mit ihnen über alles reden kann, ohne dass ich ausgelacht werde.“

Einschränkungen durch Corona

Auch bei „Looking Good“ mussten wegen der Corona-Krise ein paar spontane Änderungen vorgenommen werden: Einige Treffen wurden abgesagt, andere ins Internet verlegt. Das Düsseldorfer-Team veranstaltete über den Zeitraum von eineinhalb Monaten einmal in der Woche einen Abend mit einem Impuls zu einem bestimmten Thema, Spielen und Austausch, damit die Mädchen trotz Quarantäne weiterhin Zugang zu geistlichem Input haben.

Denn gerade die Zeit der Isolation ist eine gute Möglichkeit, um sich damit zu beschäftigen, wo man eigentlich seinen Selbstwert hernimmt, welche Verhaltensweisen sich im eigenen Herzen gebildet haben oder einfach, um die persönliche Begegnung mit Gott zu suchen – mehr noch, als sich Gedanken über den nächsten Haarschnitt zu machen.

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