Das Kloster wird renoviert

Im sächsischen Frankenhausen machen sich Bürger für den Erhalt eines Kleinods stark, das einem einstigen Gewährsmann Karls V. verkauft wurde und künftig Pilgern als Herberge dienen soll. Von Michael Kunze
Foto: Foto | Langsam schreitet die Renovierung voran.s: MK

Bis die Pilgerherberge an einem der Ausläufer des sächsischen Jakobswegs bezugsfertig ist, geht noch Zeit ins Land, sagt Lutz Kretzschmar, während er unweit des Flüsschens Pleiße vor dem Gebäude steht, in dem sie unterkommen soll. Der Vorsitzende des aus einer DDR-Umweltgruppe hervorgegangenen Vereins Sächsischer Heimatschutz im Crimmitschauer Ortsteil Frankenhausen (Kreis Zwickau) hat sich mit Dutzenden Mitstreitern den Erhalt des einstigen Nonnenklosters im Ort auf die Fahnen geschrieben.

Die LPG wollte das Kloster schon abreißen

Von den 1270-er Jahren bis zum Verkauf an den unter Kaiser Karl V. gedienten, später ins Reformationslager gewechselten Ritter Wilhelm von Thumbshirn vor 475 Jahren wurde hier nach den Regeln des Zisterzienserordens gelebt. Der Naumburger Bischof behielt [aber] stets die Jurisdiktion, schreibt Thomas Sterba. Eine formale Mitgliedschaft im Orden könne darum ausgeschlossen werden. Zu schnell war seinerzeit die Anzahl der Frauenklöster gewachsen, sodass 1228 weitere Gründungen im Namen der Zisterzienser verboten wurden. Wer dennoch nach deren monastischen Regeln leben wollte, tat dies wie in Frankenhausen in Obhut des Ortsbischofs.

Die Klosterschule – die im Volksmund gängige Bezeichnung ist irreführend, da es nie eine Schule gegeben hat – mit Deckenbalken von 1519, Sitznischen an den Fenstern, Bemalungsresten und solchen einer Schwarzküche, hölzerner Außentreppe sowie Stufengiebel ist nach unzähligen Stunden in Eigenleistung der Vereinsmitglieder herausgeputzt. Jährlich zum Tag des offenen Denkmals oder beim Osterfeuer strömen hunderte Gäste herbei. Das später errichtete Witwenhaus liegt indes wie andere Gebäude noch weithin brach. Dabei sind Baumaßnahmen im Innern schon angelaufen, die nach dem Pleiße-Hochwasser von 2013 dringend wurden, sagt Lutz Kretzschmar.

Auch bis dahin instand gesetzte Teile der einst von Angehörigen des niederen pleißen- und vogtländischen Adels besiedelten Anlage, die wohl nie über eine geschlossene Klausur mit Kreuzgang verfügte, trugen Blessuren davon: rissige Gewölbe, nasse Mauern. Die Elektrik musste abermals auf Vordermann gebracht werden. Bereits 2007 war das Dach des aus nachreformatorischer Zeit stammenden, mittlerweile teils abgebrochenen Brennereigebäudes, baufällig, eingestürzt.

Allein 253 000 Euro sind nun für die Sanierung des Witwenhaus-Erdgeschosses, über dem die Herberge eingerichtet wird, eingeplant. Neben Fördergeld muss oft ein beträchtlicher Eigenanteil aufgebracht werden; Spenden sind stets willkommen. Um die Kosten im Rahmen zu halten, finden regelmäßig Arbeitseinsätze statt, sagt Kretzschmar. Einige nicht in Vereinsbesitz befindliche Gebäude wie die ehemalige Mühle, das Konvents- und das turmbekrönte, ebenfalls mit einem Stufengiebel versehene Priorhaus verfallen indes noch immer. Ein Italiener hat sie in den wilden 90er Jahren gekauft, ohne je zu sanieren. Wie es damit weitergeht, mittlerweile steht Enteignung im Raum, sei laut Kretzschmar offen.

Nachdem das Schloss des seit der Reformation und bis 1945 betriebenen Ritterguts früh nach dem Krieg teils abgebrochen worden war, zog später eine Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft (LPG) auf den Komplex, ohne für dessen Erhalt zu sorgen. Einige Frankenhausener konnten den von der LPG in den 1980ern geplanten Abriss verhindern, so Kretzschmar, der 1987 dazustieß. Man wollte hier eine Großküche errichten, ergänzt er.

In der DDR aber fehlte Baumaterial. Das änderte sich nach 1990. Mithilfe eines Restaurators und dank Sponsoren, Unterstützung der Stadt, vom Denkmalsschutz und weiterer Kräfte flossen bislang rund 540 000 Euro in die einst in den Mauern eines früheren Castrums von Dietrich von Landsberg gestiftete und von Nonnen aus dem in Thüringen liegenden Grünberg besiedelte Anlage, die 1410 nach einem Brand neu errichtet wurde.

Ab 2020 soll die Unterkunft fertig sein

Die im Zuge der Reformation erfolgte Auflösung als Befreiungstat zu deuten, hält der evangelische Frankenhausener Historiker Matthias Kluge, der zu den ersten Mitstreitern zählt, wie in manch anderem Fall für ein evangelisches Stereotyp. Gerade bei Nonnenklöstern liege man damit oft falsch, sagt er, hätten sich die Frauen doch häufig vehement gegen die Auflösung gewehrt, weil sie im Kloster über einen Bildungs- und Autonomiestatus verfügten, den ihnen die patriarchalische Gesellschaft außerhalb verwehrte. Die Folgen des Weltkriegs wiederum fügten der benachbarten evangelischen Kirche ein katholisches Kapitel hinzu. Denn Vertriebene, die sich um Crimmitschau niedergelassen hatten, suchten angesichts beschwerlicher Verkehrsverhältnisse auf dem Lande nach einem Ort, an dem sie die Heilige Messe feiern konnten. Von 1954 bis 2011 fand diese einmal im Monat in der Kirche statt. Das war ein Zeichen der Ökumene, für das wir dankbar sind, sagt der frühere katholische Pfarrer von Crimmitschau, Michael Gehrke.

Die Geschichte der Kirche ist dabei eine, die sich nicht vollends mit Blick auf ihre Beziehung zum Kloster klären lässt, so Matthias Kluge. Einerseits diente der romanische, später barockisierte Bau schon der hiesigen Gemeinde, als das Kloster angesiedelt wurde. Er ist teils deutlich älter. Andererseits fehlten Zeugnisse für eine zusätzliche Klosterkirche. Ob die mittlerweile sanierte Kirche einst dank einer Empore oder einer anderen baulichen Trennung auch Gebetsort der Nonnen war, sei deshalb offen.

Pilger können jedenfalls hoffen, nach 2020 in Frankenhausen auf historischem Grund rasten zu können. Vier Doppel- und ein Einzelzimmer, sagt Lutz Kretzschmar, soll es dann geben.

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