Bischöfe: Sonderkollekte für Haiti am Sonntag

In allen katholischen Gottesdiensten kann gespendet werden – Kritik an unkoordiniertem Hilfseinsatz häuft sich

Bonn (DT/KNA) Zu einer Sonderkollekte für Haiti haben die katholischen Bischöfe in Deutschland für kommenden Sonntag aufgerufen. Das unbeschreibliche Elend der Erdbebenopfer fordere die ganze internationale Gemeinschaft zu Mitgefühl und Solidarität auf, erklärte die Deutsche Bischofskonferenz am Dienstag in Bonn. Christen sollten in ihrem Einsatz für die Notleidenden in vorderster Reihe stehen. Die Kollekte findet in allen rund 12 000 katholischen Gemeinden in Deutschland statt. Die Bischöfe verweisen darauf, dass über die Notversorgung hinaus ein Jahre dauernder Wiederaufbau auf Haiti notwendig sei. „Die katholischen Hilfswerke verfügen über gute Voraussetzungen, um hier wirkungsvolle Beiträge zu leisten.“ Schon lange arbeiteten sie mit der Kirche in Haiti zusammen, die mit ihren Pfarrgemeinden und Caritaseinrichtungen in allen betroffenen Gegenden präsent sei.

Dem Erdbeben waren in Haiti auch der Erzbischof von Port-au-Prince und einige Priester und Priesterseminaristen zum Opfer gefallen. Jetzt gibt es auch von den in Haiti tätigen Orden eine erste Opferbilanz. Nach vatikanischen Medienberichten kamen bei dem Erdbeben in verschiedenen Schulen des Salesianerordens vermutlich rund 250 Schüler gemeinsam mit einem Laienangestellten und zwei Seminaristen ums Leben. Der Montfortanerorden verlor zehn Seminaristen und einen Pater; aus dem weiblichen Zweig der Gemeinschaft starben drei Ordensfrauen, drei weitere Vermisste sind aller Wahrscheinlichkeit nach ebenfalls tot. Die Viatoristen haben laut den Angaben eine tote Angestellte und drei verletzte Ordensmitglieder zu beklagen, während von den Don-Bosco-Schwestern eine Ordensfrau Verletzungen erlitt. Die Redemptoristen überstanden das Beben zwar mit erheblichen Gebäudeschäden, aber ohne Todesopfer. Ein Ordensmann der Gemeinschaft wurde verletzt.

Die Spendenbereitschaft für die Erdbebenopfer in Haiti ist ungebrochen. Bei der ZDF-Spendengala „Wir wollen helfen – Ein Herz für Kinder“ kamen am Dienstagabend fast 18 Millionen Euro zusammen. Das Geld soll außer der Organisation „Ein Herz für Kinder“ dem Deutschen Roten Kreuz, Caritas International, der Welthungerhilfe sowie der Diakonie Katastrophenhilfe zugute kommen. Die Bundesregierung stockte unterdessen ihre Nothilfe für den Karibikstaat auf zehn Millionen Euro auf. Zugleich kündigte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bei der Fernsehgala an, die steuerliche Absetzbarkeit von Spenden an anerkannte Hilfsorganisationen ähnlich wie beim Tsunami 2005 zu erleichtern.

Zugleich mehren sich aber die Stimmen, die vor unkoordinierten oder überhasteten Hilfsaktionen warnen. Der Deutsche Spendenrat empfahl in der „Frankfurter Rundschau“ (Mittwoch), nur Organisationen und Bündnisse zu unterstützen, die über Erfahrung in Katastrophen-Großeinsätzen verfügten. Das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen kritisierte, die Lage sei derzeit „ähnlich unübersichtlich wie damals in der Tsunami-Region“. Eine „sorgfältige Lageanalyse“ aller beteiligten Kräfte sei dringend geboten.

Wie die „Frankfurter Rundschau“ weiter berichtet, legten derweil 40 Nichtregierungsorganisationen eine Bilanz der Tsunami-Hilfe vor. Demnach standen nach dem Seebeben und weltweiter Medienberichterstattung Hilfsmittel im Umfang von 13,5 Milliarden US-Dollar bereit, von denen 5,5 Milliarden aus der Öffentlichkeit der Industrieländer kamen. Diese großzügige Finanzierung habe jedoch zum Engagement von vielen Organisationen mit „unzureichender Erfahrung“ geführt. Der „Druck, das Geld schnell und sichtbar auszugeben, arbeitete gegen das wichtige Ziel, lokale und nationale Kapazitäten bestmöglich zu nutzen“, zitiert das Blatt aus dem Bericht. Dies habe unter dem Strich zu größeren Ungerechtigkeiten, Konflikten, Verschwendung und „kulturellen Beleidigungen“ geführt.

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