Beim Namen genannt

Beim Namen genannt

Ilse Junkermann (Foto: dpa), mitteldeutsche Landesbischöfin, stärkt dem Thüringer Linken-Spitzenkandidat Bodo Ramelow bei dessen Kritik an Bundespräsident Joachim Gauck den Rücken. Sie verstehe, dass sich Ramelow als Christ dadurch getroffen fühle, dass Gauck seine Kritik an der Linkspartei vor einem Altar gemacht habe, sagte Junkermann am Mittwoch dem Radiosender MDR Info. „Ich hätte diesen Ort nicht gewählt“, erklärte die Bischöfin. Gauck hatte am 2. November in der ARD-Sendung „Bericht aus Berlin“ zu der wahrscheinlichen Wahl von Ramelow zum ersten linken Chef einer Landesregierung wörtlich gesagt: „Menschen, die die DDR erlebt haben und in meinem Alter sind, die müssen sich schon ganz schön anstrengen, um dies zu akzeptieren.“ Es stelle sich die Frage: „Ist die Partei, die da den Ministerpräsidenten stellen wird, tatsächlich schon so weit weg von den Vorstellungen, die die SED einst hatte bei der Unterdrückung der Menschen hier, dass wir ihr voll vertrauen können?“ Das Interview wurde in der Berliner Gethsemanekirche aufgezeichnet. Ramelow erklärte dazu: „Als bekennenden Christen irritiert mich, dass der studierte Pastor und evangelische Seelsorger vor einem Altar und brennenden Kerzen offensichtlich mich als Mitchristen ignoriert oder gar negiert.“ Junkermann äußerte auch Verständnis für Gauck. „Ich kann die Sorge verstehen, weil die Wunden durch frühere Diktaturerfahrungen neu geweckt und aktiviert werden“, sagte sie. Die Bischöfin verwies darauf, dass die Kirche zu Versöhnung und Vergebung aufrufe. Das bedeute auch, Menschen eine Chance zu geben, sich zu ändern.

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