Beim Namen genannt

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Eltern in Deutschland stehen aus Sicht des Demografieforschers Norbert Schneider (Foto: dpa) unter einem zu hohen Erfolgsdruck. Dies sei ein wichtiger Grund für die niedrige Geburtenrate. Nur die Eltern gälten als erfolgreich, deren Kind auch das Abitur schafft, sagte Schneider der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Mittwoch). Deutsche Eltern seien zunehmend verunsichert und befürchteten mehr als die Eltern in anderen Ländern, in der Erziehung Fehler zu machen. „Die Gelassenheit und das Vertrauen, dass unsere Kinder ihren Weg gehen, egal ob wir sie in die Klavierstunde fahren oder täglich mit ihnen Vokabeln lernen, fehlen uns“, so der Direktor des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung in Wiesbaden. Der Drang zum Perfektionismus werde in Deutschland mehr als anderswo aus dem Berufsleben ins Private übertragen. Dies gelte auch für die Erwartungen an den Lebenspartner, was ebenfalls von der Familiengründung abschrecke. Während zudem in Ostdeutschland besonders die wirtschaftliche Situation Paare vom Kinderkriegen abhalte, seien es im Westen die fehlende Betreuungsinfrastruktur und ein eher traditionelles Mutterbild. „Immer mehr Frauen wollen die alleinige Verantwortung für das Kind aber nicht mehr annehmen“, betonte Schneider. Dem deutschen Beispiel hielt der Forscher die Situation in Schweden und Frankreich entgegen. Anders als dort gelte eine Familie mit drei Kindern in Deutschland als abweichend von der Norm. „Fasst muss man sich dafür schämen.“ Schneider forderte einen Kulturwandel in Gesellschaft und im Arbeitsleben.

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