Zisterzienserabtei Heiligenkreuz in Sri Lanka: Kloster unter Palmen

Beitrag zur Inkulturation: Eine Neugründung der Zisterzienserabtei Heiligenkreuz in Sri Lanka fällt in mehrfacher Hinsicht aus dem Rahmen. Von P. Wolfgang Buchmüller OCist

Abt Maximilian Heim mit Mitbrüdern auf Sri Lanka. Buchmüller Foto: Fotos:
Abt Maximilian Heim mit Mitbrüdern auf Sri Lanka. Buchmüller Foto: Fotos:

E in Kloster unter Palmen, sieben Kilometer vom Sandstrand entfernt – ein idealer Ort, um seelisch und geistlich zu entspannen. Die neue Klostergründung der Zisterzienserabtei Heiligenkreuz in Österreich fällt in mehrfacher Hinsicht aus dem Rahmen: Genau gesprochen handelt es sich nicht um ein eigenes Tochterkloster, sondern um ein Projekt des Bischofs der Hauptstadt Colombo, bei dem aber die 900 Jahre alte Abtei Heiligenkreuz alle Hilfe leistet.

Für die österreichische Abtei ist der finanzielle und personale Einsatz durchaus mit einer Eigengründung vergleichbar, auch verstehen sich die Sri Lankanischen Zisterziensermönche als Mitbrüder des mittlerweile etwa 100 Mitglieder umfassenden Konvents, und sie befolgen genau die liturgischen und monastischen Regeln, die sie dort bei ihrer Ausbildung gelernt haben.

Fernöstliche Impressionen im Felsengarten

Auch die Klosterarchitektur fällt aus dem Rahmen: Während alle 15 Zellen der künftigen Mönche nach den Normen der modernen Bautechnik gestaltet sind, weist der Innenhof des Klosters einige Reminiszenzen an einen mittelalterlichen Kreuzgang auf. In einer für Indien typischen Unbefangenheit werden hier Zitate aus der mittelalterlichen Klosterarchitektur in Form von frühgotischen Biforien integriert, die eine bestimmte europäische religiöse Tradition evozieren. Die Steine im Felsengarten des Kreuzganges lassen hingegen eher fernöstliche Impressionen aufkommen, die sich mit der Farbenpracht der Tropen verbindet. Ansonsten sind die Räume, die das klösterliche Leben ermöglichen sollen, nüchtern und wohlproportioniert gestaltet.

Ungewöhnlich ist auch die Entscheidung für eine europäische Tradition, die einst den Katholizismus geprägt hat. Nach jahrzehntelangen Experimenten mit einem mehr oder weniger gelungenen Synkretismus mit den Kulturen des einheimischen Buddhismus und Hinduismus, hat man sich hier bewusst entschieden, das Latein des Gregorianischen Chorals auf asiatischer Erde erneut zum Erklingen zu bringen. Dies ist – so sehr dies auf den ersten Blick befremden mag – sogar ein Beitrag zur Inkulturation.

Als die katholische Kirche sich im Laufe der Liturgiereform vom althergebrachten Latein zugunsten von Englisch und der Landessprache Sinhala verabschiedete, reagierten die buddhistischen Mönche mit unverhohlenem Befremden. Niemals hätten sie daran gedacht, ihre heiligen Pali-Texte mit aktualisierten Gebeten der Alltagssprache zu vertauschen. Noch rätselhafter ist die Sakralsprache der Hindu-Priester, das Sanskrit. Mit einem Schuss Ironie sagt man, dass die einzigen, die Sanskrit wirklich gut meistern, katholische Jesuiten seien, während die Jugend der Brahmanen lieber in Harvard Wirtschaft studiert.

Die nur schwer verständliche Sakralsprache Latein in ihrer Kunstform des Gregorianischen Chorals bildet also fast ein Äquivalent zu den archaisierenden Gesängen der Mitbewerber auf dem Markt der Weltreligionen: Auch wenn die Gregorianik als Gesang der Wüste betitelt worden ist, lässt der Vergleich das Christentum harmonischer, melodiöser und freudvoller erscheinen.

Bei der Einweihung verwandelt sich die klösterliche Stille in ein verhaltenes Fest. Der Kirchenchor lässt zunächst probeweise poppige sighalesische Kirchenlieder hören, ein Heer von Priestern und Ordensschwester füllt die Korridore, die Priester alle mit der weißen Soutane der Tropen, die Schwestern trotz der Hitze tief verschleiert mit ihrer weißen Ordenstracht, darunter viele junge Gesichter. Manche der Frauen tragen europäische Mode, andere aber wieder den traditionellen feierlichen Sari, eine große Schar von Ministranten strömt herein.

Bei der Einweihungsmesse mit Kardinal Malcolm Ranjith von Colombo geht es liturgisch gemessen und feierlich zu. Der ehemalige Erzbischof-Sekretär der Gottesdienstkongregation, dem die Reform der englischen Messbuchs zugeschrieben wird, zelebriert auf Englisch und Latein, wobei die römische Sakralsprache für den Kanon des heiligen Geschehens vorbehalten bleibt.

In gelöster Stimmung plaudert der Kardinal dann von den lang zurückreichenden Anfängen dieses Projektes, als er 1985 den Nationaldirektor von Missio Österreich, Weihbischof Kuntner, zur Einweihung eines Projekts von Sozialwohnungen für arme Fischer und Plantagenarbeiter eingeladen hatte, das von österreichischen Spendern getragen worden war. Bei einer Diskussion der Situation der Kirche waren sie auf eine Schwäche des Christentums zu sprechen gekommen, das in der Öffentlichkeit zwar als Experte für Sozialarbeit, nicht aber als führend in Sachen Spiritualität dargestellt wird.

Abt Maximilian Heim freut sich über die Formation

Umso glücklicher ist er, dass er in Abt Maximilian Heim und in der altehrwürdigen Abtei Heiligenkreuz die richtige Adresse gefunden hat, den jungen Klosterinteressenten aus Sri Lanka eine gute monastische und liturgische Formation mitzugeben.

2001 begann die erste Gruppe eine langwierige und anspruchsvolle Ausbildung im Kloster und in der Hochschule Heiligenkreuz, 2010 wurde das Projekt dann nach Sri Lanka in ein bescheidenes Haus verlagert. Jetzt tritt es mit einem architektonisch gelungenen Klosterbau an die kirchliche Öffentlichkeit. Auch wenn es einige Krisen zu überwinden galt, präsentiert sich die Gemeinschaft als jung und zukunftsfähig, mit einer großen Schar von Klosterkandidaten und Interessenten. Auch die zwei Novizen zeigen an, dass nun die räumlichen Voraussetzungen für ein einheimisches Mönchtum in der spirituellen Tradition des Westens gegeben sind.

Ein Kloster mit Strandnähe.