Wie eine böse Fee

Totenköpfe, Pentagramme, „New Order“: Früher stand die katholisch erzogene Sängerin Céline Dion für eingängige Melodien – nun schockiert sie mit genderneutraler Kleidung für Kinder. Von Burkhardt Gorissen

Auf welche Werte ist die neue Kleiderordnung gebaut?
Auf welche Werte ist die neue Kleiderordnung gebaut?Celinununu Foto: Foto:

Meistens ist die zweite Karriere eines ehemaligen Chartbreakers das Eingeständnis, dass es mit der Musik nicht mehr so läuft. Ist das der Grund, der die kanadische Popsängerin Céline Dion („My Heart Will Go On“) nun dazu brachte, ausgerechnet Werbe-Testimonial für gruselige Kindermode zu werden?

Dabei fing alles so verheißungsvoll an: Als jüngstes von 14 Kindern wurde sie im katholischen Glauben erzogen. Ihre erste CD in ihrer Muttersprache Französisch trägt den beziehungsreichen Titel „La voix du bon dieu“ (Die Stimme des lieben Gottes). 2001 bekam sie ihren ersten Sohn.

Neun Jahre später folgten dank In-vitro-Fertilisation die Zwillinge Nelson und Eddy. Sie alle sind aus der Ehe mit Rene Angelil hervorgegangen. Dann folgten schwere Schicksalsschläge im Leben der Sängerin. Ihr Mann starb 2016 an den Folgen einer Krebskrankheit. Nur zwei Tage später verlor die Kanadierin auch ihren älteren Bruder, der ebenfalls an Krebs erkrankt war. Echte Schicksalsschläge, hinterlassen sie Zweifel und Verzweiflung oder stärken sie den Glauben?

Statt eines öffentlichen Bekenntnisses zu Gott scheint für Dion nun ein linientreues „Virtue Signalling“ (Tugend signalisieren) im Sinne einer Neuen Ordnung die erfolgversprechendste Option zu sein. Zu den Kernthemen dieser Ordnung gehört die Auffassung, dass das Geschlecht eine Konstruktion sei, die von außen aufgezwungen wird. Auch die Modedesigner des Unisex-Labels „Nununu“ haben sich eine solche gender-neutrale Zwangsbeglückung auf ihre Fahnen geschrieben. Dion, selbst dreifache Mutter, will, dass Kinder ihre Persönlichkeit und ihren Geschmack frei von traditionellen Geschlechterbildern entwickeln können: „Ich habe nununu und das, wofür die Marke steht, schon immer geliebt“, schrieb der 50-jährige Superstar auf Instagram. „Ich will einen Dialog über Gleichheit und über die Möglichkeiten eröffnen.“ Dialog eröffnen? Marketing-Gimmicks, wie Dions Mode-Linie, sollen vermutlich verdecken, dass es sich um Indoktrination handelt.

Die Symbole wirken sehr unpassend und finster

Dion hat sich nicht erst seit ihrer In-vitro-Fertilisation einen ausgesprochenen Hang zum Seelen-Exhibitionismus. Seinerzeit berichtete sie über vier gescheiterte künstliche Befruchtungen. Ihre Oberschenkel seien voller Blutergüsse von den langen Nadeln, erzählte sie dem Boulevard-Magazin „People“. Bluttests, Hormoninjektionen, ständige Ultraschall-Untersuchungen. „Ich gebe mir die Injektionen selbst...“. Nebenwirkungen seien Heulattacken ohne jeglichen Grund. Das brachte viele „Likes“ bei Youtube, Facebook und Twitter.

Wie genau Céline Dion den Nerv des sich verdunkelnden Mainstreams trifft, zeigt der Werbespot für ihre Kollektion. Darin schleicht sich die Sängerin bei Nacht in ein Krankenhaus, während aus dem Off ihre Stimme zu hören ist: „Unsere Kinder sind nicht unsere Kinder. Wir gehören alle zu einer nie enden wollenden Kette, die sich Leben nennt. Wir vermissen die Vergangenheit, aber sie träumen von der Zukunft. Wir können ihnen vielleicht den Start ermöglichen, aber welchen Weg sie einschlagen, ist ihnen überlassen.“ Auf der Geburtsstation sieht Céline Dion zwei Gruppen von Babys, eine in Blau, die andere in Rosa gekleidet. Nachdem sie wie eine böse Fee ihren Zauberstaub in die Luft geblasen hat, stecken die zwangs-genderisierten Babys alle in den schwarzen, weißen und grauen Strampelanzügen. Neben Totenköpfen und Pentagrammen stehen provokante Sprüche auf den Kleidungsstücken.

Der Werbespot gibt sich nicht einmal mehr die Mühe zu verbergen, dass es hier um eine Neue Schöpfungs- oder Weltordnung geht, denn auch der Aufdruck „New Order“ verunstaltet die Kinderkleidung. Das Video endet damit, dass zwei Wachleute Céline Dion aus dem Krankenhaus hinaus befördern. Soviel kalkulierter Heldenkitsch muss dann doch sein. Als würden die verfolgt, welche die Gender-Ideologie zu verbreiten versuchen. Erstaunlich, wie der Mainstream es schafft, sich als Minderheitsmeinung zu inszenieren. Dass diese Philosophie keine Farbtöne kennt, sondern sich an Schwarz-Weiß-Denkmustern abarbeitet, offenbart die Mode-Kollektion darüber hinaus. Katholisch ist das alles nicht mehr. Dass auf Kinderkleidung Totenköpfe sein müssen, hängt wohl nicht mit dem mittelalterlichen „Memento-mori“-Gedanken zusammen, sondern damit, dass die Neue Ordnung keine Kultur des Lebens ist, sondern die des Chaos und des Todes.

Monsignore John Esseff aus der Diözese Scranton, Priester und zugelassener Exorzist, sagte der US-amerikanischen Zeitung „National Catholic Register“, das bewusste Verwischen von Geschlechtsidentitäten und die gezielte dahingehende Verunsicherung von Kindern sei absolut satanisch. „Der Teufel ist hinter den Kindern her, indem er ihre Geschlechtsidentität verwirrt.“ Die Kreation einer Kleiderkollektion für Kinder, die sich bewusst gegen die Bipolarität der Geschlechter wendet, habe daher auch eine dämonische Dimension, warnt er. Die erste Frage nach der Geburt eines Kindes sei oft, ob es ein Junge oder ein Mädchen sei. Das sei das Natürlichste der Welt. Wenn man die Männlichkeit oder Weiblichkeit des Kindes wegnehme, treffe das den Kern der Natur des Kindes, weil eine einfache Wahrheit darüber geleugnet werde, wie das Kind geschaffen sei. Die antichristlichen Bestrebungen der Gottesleugner würden Kinder in Richtung einer Störung beeinflussen. „Ich bin davon überzeugt, dass die Art und Weise, wie sich diese Gender-Sache ausbreitet, dämonisch ist. Es ist falsch. Ich weiß nicht einmal, wie viele Geschlechter es derzeit gerade geben soll, aber nur zwei davon hat Gott geschaffen“, so Esseff.

Ob Céline Dion solche Worte zum Nachdenken bringen können? Schön wär's, damit es doch noch mit Herz weitergeht.

Celine Dion
Provoziert: Celine Dion. dpa Foto: Foto: