Watergate-Hotel, ein historischer Ort

Untrennbar verbunden mit dem Rücktritt des US-Präsidenten Richard Nixon – Räumungsverkauf lockt Geschichtsfans

Washington (DT) Nur wenige Hotels in der Welt tragen einen Namen, der so eng mit der Geschichte ihres Landes verbunden ist wie das Watergate-Hotel in Washington DC. Alles beginnt 1972 mit dem Einbruch in das Hauptquartier der Demokraten im Hotel Watergate. Die Einbrecher bestückten die Telefone der Konkurrenz mit Abhöranlagen – und ließen sich von der Polizei erwischen. Zwei Jahre lang versichert Präsident Richard Nixon in immer neuen Erklärungen, dass er mit „Watergate“ und den Vertuschungsmanövern des Skandals nichts zu tun habe. Indes werden die Anti-Nixon-Demonstrationen immer zahlreicher. Die vermehrten Forderungen nach einem Rücktritt beantwortet Nixon zunächst mit dem Verlangen, „Watergate“ den Gerichten zu übergeben. Er habe sich mit dringenden Geschäften der Nation zu befassen. Nixon will beweisen, dass er im Ausland das Ansehen genießt, das ihm im eigenen Land zunehmend verweigert wird. Tonbandaufzeichnungen belegen jedoch die direkte Verwicklung des Präsidenten in die Affäre. Schließlich kommt Nixon am 9. August 1974 mit seinem Rücktritt einer Amtsenthebung zuvor. Sein Nachfolger wird Gerald R. Ford. Damit wurde Nixon der erste US-Präsident, der sein Amt niederlegen musste. Er zog sich aus der Öffentlichkeit zurück und ließ sich in Kalifornien nieder. 1978 veröffentlichte er seine Autobiografie unter dem Titel „The memoirs of Richard Nixon“. Seine Frau Pat Nixon starb im Sommer 1993. Im April 1994 erlitt Nixon selbst einen Schlaganfall. Er verstarb am 22. April 1994, im Alter von 81 Jahren, in New York.

Inzwischen hat sich das skandalumwobene Watergate-Hotel wegen einer Generalüberholung von einem großen Teil seines Inventars getrennt. Das legendäre Hotel soll ab dem Jahr 2009 das beste Hotel in Washington werden – und natürlich wird das Haus auch dann keine große Werbung betreiben müssen. In der Hoffnung auf ein geschichtsträchtiges Schnäppchen in dem Räumungsverkauf drängten sich tausende Menschen in den Fluren des Hotels. Die Preise für den Hausrat reichten von einem Dollar für eine Untertasse bis hin zu 12 000 Dollar (8 800 Euro) für ein Ölgemälde aus der Hotellobby – akzeptiert wurde nur Bargeld. Nur die wenigsten Angebote stammen allerdings noch aus der Nixon-Ära. Das einzige Original aus der Skandal-Zeit sei der Tresen der Crescent Bar, hieß es. Nicht alle Schnäppchenjäger waren sich offenbar der historischen Bedeutung des Hotels bewusst. „Watergate interessiert mich nicht im geringsten“, sagte eine Käuferin bei der Begutachtung von geblümtem Geschirr. „Ich habe ein Haus gekauft und brauche eine Einrichtung.“

Das „The Watergate Hotel“ wurde in den 1960er Jahren als modernes, multifunktionales Gebäude errichtet. Insgesamt besteht der Watergate-Komplex aus sechs Gebäuden – darunter auch einem Appartmenttrakt. In unmittelbarer Nachbarschaft liegen neben dem Potomac River das Kennedy Center und die Botschaft von Saudi-Arabien. Das eigentliche Watergate-Hotel verfügt über 250 Zimmer und 146 Suiten. Die Zimmer haben Blick auf die Stadt oder den Potomac-Fluss. Sie sind mit Stilmöbeln eingerichtet, darunter Schreibtische, Sessel mit Polsterschemeln und Porzellanlampen. Auf den Betten liegen Quiltdecken und Zierkissen, die Wände sind mit Jugendstildrucken geschmückt.

Der Name „Watergate“ steht für sich: Mehr als 250 Bücher und mindestens 2 400 Artikel wurden zum Watergate-Skandal verfasst, dazu ein halbes Dutzend Filme gedreht. Die Watergate-Affäre ist die „Mutter“ aller politischen Affären der vergangenen drei Jahrzehnte in aller Welt. In Anlehnung daran wurden Begriffe wie Irangate für die Iran-Contra-Affäre in der Amtszeit von Ronald Reagan oder Monica-Gate für die Liaison des ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton mit der Praktikantin Monica Lewinsky geprägt. In Deutschland sprach man bei der Barschel-Affäre vom Waterkantgate.