Voneinander lernen, Glauben weitergeben

Am ersten Adventssonntag besiegeln die Bistümern Óbidos und Würzburg offiziell ihre Partnerschaft

Sehen im Austausch über die Weitergabe des Glaubens einen Schwerpunkt ihrer künftigen Zusammenarbeit: Der Würzburger Bischof Friedhelm Hofmann (l.) und Bischof Bernardo Johannes Bahlmann aus ?bidos in Brasilien. Foto: POW
Sehen im Austausch über die Weitergabe des Glaubens einen Schwerpunkt ihrer künftigen Zusammenarbeit: Der Würzburger Bis... Foto: POW

Würzburg/Óbidos (DT/mh) Die künftigen Partnerbistümer Würzburg und Óbidos sehen den Austausch über die Weitergabe des Glaubens als einen Schwerpunkt ihrer künftigen Zusammenarbeit. Das haben Bischof Bernardo Johannes Bahlmann aus Óbidos in Brasilien und Bischof Friedhelm Hofmann betont, kurz bevor am ersten Advent die Partnerschaft im Kiliansdom besiegelt wird. „Wir haben ähnliche Herausforderungen und können viel voneinander lernen“, sagte Bischof Hofmann. In Óbidos wird die Verbindung im Vorfeld des Weltjugendtags 2013 mit Bischof Hofmann gefeiert. Das verkündeten die beiden Bischöfe bei einer Pressekonferenz am Donnerstag, 29. November, im Kilianshaus. Auch Pfarrer Lukas Komba aus dem tansanischen Partnerbistum Mbinga zeigte sich erfreut über die neue Verbindung Würzburgs: „In Afrika sagt man: Ein Einzelkind wird verwöhnt. Mehrere Kinder lernen voneinander und erziehen sich gegenseitig.“

Bischof Bahlmanns Bistum liegt im Herzen Amazoniens und hat auf einer Fläche von halb Deutschland mehr als 220 000 Katholiken, die von insgesamt 23 Priestern betreut werden, also pro Priester etwa 10 000 Gläubige. „Damit verglichen sind ihre Zahlen in Deutschland für uns ein Traum. Rund 600 Basisgemeinden in den sieben Pfarreien seines Bistums seien zum Teil sehr lebendig, ohne das Engagement der Laien sei das kirchliche Leben kaum denkbar. Die Kirche sei jung und lebendig, trotzdem erreiche die kirchliche Jugendarbeit nur einen kleinen Prozentsatz, erklärte der Bischof. Weitere Herausforderungen seien das Schulwesen, die Gesundheitsversorgung und die Umwelt: Der Regenwald werde immer mehr abgeholzt, Bodenschätze von meist ausländischen Großunternehmen ausgebeutet, Wasserkraftwerke bedrohten das empfindliche Ökosystem am Amazonas zusätzlich. „Gerade in sozialpolitischen Konflikten sind wir als Kirche gefordert“, sagte Bischof Bahlmann.

Die Verbindungen mit dem Bistum Würzburg seien über Jahrzehnte hinweg gewachsen. Eckstein der Kontakte zwischen Brasilien und Unterfranken seien Schwester Brunhilde Henneberger aus Randersacker, die seit 40 Jahren am Amazonas lebt und wirkt, sowie die aus Hammelburg stammende Schwester Johannita Sell, betonte Bischof Bahlmann. „Uns geht es bei dieser Partnerschaft darum, dass wir einander als Glaubensgemeinschaft erleben, uns fragen, was wir voneinander lernen können, und echten Austausch pflegen. Ich sehe bei uns zum Beispiel im Punkt Organisation noch viel Potenzial.“

Für Bischof Hofmann ist die neue Partnerschaft, zusätzlich zur mehr als 20 Jahre bestehenden Partnerschaft mit der Diözese Mbinga in Afrika, ein weiterer logischer Schritt, da er Würzburg als „missionarisches Bistum im Herzen Europas“ verstehe. „Wir bemühen uns zu fragen, was sich verändern muss, damit wir den Glauben in die Herzen der Leute bringen, an die nächste Generation weitergeben können.“ Der rege Austausch mit Tansania und künftig auch mit Brasilien sei ein wichtiger Beitrag in diesem spannenden Prozess. „Ich selbst freue mich darauf, im kommenden Jahr im Vorfeld des Weltjugendtags mit Jugendlichen aus unserem Bistum nach Óbidos zu fahren.“ Die intensiven Kontakte, die bereits jetzt durch den Einsatz von deutschen Jugendlichen im Rahmen des Projekts „weltwärts“ bestünden, seien ein bedeutender Beitrag zur Vernetzung untereinander.

„Entscheidend ist, dass die Partnerschaft mit Leben gefüllt wird“, erklärten die Bischöfe einvernehmlich. Dem pflichtete der tansanische Priester Komba bei. „Auch wir wollen von Óbidos lernen, im Bereich der Pastoral, was Projektarbeit angeht oder auch in puncto Evangelisierung.“ Alle drei Bistümer stimmten darin überein, dass die internationalen Kontakte eine große Bereicherung seien.