Vom Suchen bis zum Überlassen

Schönstätter Frauenkongress macht sich Gedanken über weibliche Lebensphasen. Von Reinhild Rössler

Workshop beim Schönstätter Frauenkongress in Vallendar. Foto: Brehm
Workshop beim Schönstätter Frauenkongress in Vallendar. Foto: Brehm

Vallendar (DT) Der Mensch stand im Mittelpunkt, oder vielmehr die Frau, als sich vergangenen Samstag der Wallfahrtsort der Schönstätter mit Leben füllte. Etwa 1 800 Frauen, meist selbst Mitglieder der marianischen Gemeinschaft oder daran Interessierte, trafen sich am Ursprungsort der Bewegung zum Schönstätter „Frauenkongress“.

Die Frau in jeder Situation und Lebensphase wurde an diesem Tag in den Blick genommen. Unter den verschiedenen Plätzen den eigenen zu finden und auszufüllen, lautete die Zielsetzung. Der Weg dahin sollte in dem Motto, das dem Kongress überschrieben war, gefunden werden: „Hör auf deine Stimme“. Nachdem der innere Ton jeder Teilnehmerin in einem gemeinsamen Summen die bis zum Rand gefüllte Schön-stätter Pilgerkirche erfüllt hatte und in einer meditativ-tänzerischen Darstellung die Umwege im Leben einer Frau veranschaulicht wurden, kamen Teilnehmerinnen zu Wort, die aus verschiedenen Lebensphasen berichteten. Fünf Frauen stellten kurz und exemplarisch ihre jeweilige Situation dar. Dabei berichteten sie über ihren Umgang mit den jeweils anstehenden Schwierigkeiten und der Rolle, die Religion und Gemeinde dabei spielen. Als erste Phase galt die im Alter zwischen 25 und 35 Jahren, die durch Suchen und Experimentieren gekennzeichnet sei. Die zweite Phase war als „Aufbauen und leisten“ der zwischen 28 und 45 Jahre alten Frauen bezeichnet. „Optimieren und Fülle finden“ wurde die dritte Phase für die zwischen 42 und 58 Jahre alten Frauen überschrieben. „Gelassenheit und Lebensreife“ sollte von den 55- bis 72-Jährigen thematisiert werden, das „Überlassen und Frieden finden“ von den über 70-Jährigen.

Hintergrund und Ziel des Schönstätter Frauenkongresses erläuterte die Mitorganisatorin Schwester Nurit Stosiek in ihrem Vortrag über das „Frausein in jeder Lebensphase“. Hierbei wurde die schönstättische Spiritualität deutlich, die die Einzigartigkeit eines jeden Menschen, einer jeden Frau in den Mittelpunkt rückt. „Pflaumenbaum bleibt Pflaumenbaum. Der Pflaumenbaum soll nie Birnbaum werden. Er soll seine Pflaumen lieben und nicht Birnen daraus machen wollen, selbst wenn Birnen gerade der Renner sind, es kommt auch wieder die Zeit der Pflaumen“, verbildlicht etwa Pater Kentenich, der Gründer der Gemeinschaft, das Ziel des Menschen, sich als einzigartig und geliebt anzunehmen. Das ausschließlich persönliche Ideal muss gesucht und gelebt werden.

Bei der Suche nach dem richtigen Platz im Leben, den, so Schwester Nurit, jede Frau in jeder Lebensphase wieder neu finden muss, gibt es eine Hilfestellung von Gott. Der richtige Platz ist der, an dem der einzelne Mensch vor Gott von niemandem übertroffen werden kann.

Schließlich sprach sie von den Gnaden der Gottesmutter, mit denen diese die Menschen stärkt: die Gnade der Beheimatung, die tröstet und stärkt, die Gnade der seelischen Wandlung, die heilt und erneuert und die Gnade der Sendung, durch die die Menschen ermutigt werden, die eigene Sendung zu lieben.

Möglichkeit zum Austausch unter Bekannten und unbekannten Gesichtern gab es in den Gesprächsgruppen, die der gemäß den Lebensphasen aufgeteilte Raum für persönliche Fragen und Berichte gab. Im Gegensatz zu den sehr großen Gruppen der älteren Frauengenerationen wurden in den Gesprächskreisen der „ersten Lebensphase“ die Geschichten, Fragen und Berufungswege der Teilnehmerinnen im kleinen Kreis besprochen.

Ein reichhaltiges Angebot an kreativen Workshops verteilte sich am Nachmittag auf dem Gelände des Pilgerortes. Eine Diskussion zu Frauen im Beruf, eine Veranstaltung zur natürlichen Empfängnisregelung, persönlichkeitsstärkende Gesprächsrunden für Mädchen und Frauen in unterschiedlichen Situationen, Tipps zur Kindererziehung, Hilfen für Schritte zu einem erfüllten Single-Dasein, ein „(Ä)Essthetik-Workshop“ zur Erlangung des Wunschgewichts durch die Liebe zu sich selbst, sowie verschiedenste Angebote für meditative Tänze, Fantasiereisen oder Atemübungen sollten die Frauen in ihrem Leben zur Stärkung der Persönlichkeit führen. Dazu gab es Veranstaltungen, die große Frauen der Schönstattbewegung und Vorbilder in den Blick nahmen, wie Schwester Emilie Engel, Gertraud von Bullion, Maria Laufenburg und natürlich Pater Kentenich.

Parallel zu diesem Angebot bestand die Möglichkeit zu Anbetung und zur Beichte. An drei Zeiten war der Besuch einer Heiligen Messe möglich, die, da sie in einem kleinen Saal gefeiert wurde, immer sehr voll war. Das Zentrum des Tages bildete eine kleine Kapelle, die, fast etwas unscheinbar, am Rand des Weges lag, den alle Pilgerinnen gingen. Diese kleine Marienkapelle ist der Ausgangspunkt der Schönstattbewegung, die mittlerweile überall auf der Welt diese Kapelle mit dem Bild der Gottesmutter nachbaut.

Während des Kongresses wurde an diesem Ort durchgängig gebetet und wenn der Pilger den Weg daran vorbei zum Pilgerheim nahm, hörte er häufig die Worte, mit der sich die Frauen, die teils weit hinter der überfüllten Gebetsstätte standen, der Gottesmutter weihten.

„Hör auf Deine Stimme“, lautete der Text des Liedes, das die Frauen an diesem Tag begleitete. Das Ziel des Treffens war es, den Frauen einen Weg zu sich selbst zu zeigen. Die obere Begleitstimme dazu sang „Hör auf Seine Stimme“. Dieses war bei den vielen Stimmen der Frauen jedoch leicht zu überhören.