Schamanen in Korea

Die Sekte im Hintergrund der Präsidentschaft. Von Alexander Riebel

Südkorea gilt als Musterland – westlich orientiert, mit Bestnoten bei PISA-Tests, als Bollwerk gegen Nordkorea und zur Hälfte christlich. Aber Südkorea hat auch ganz andere Seiten. Politisch ist es höchst turbulent, denn Präsidentin Park Geun-hye ist am Freitag gerichtlich aus dem Amt gezwungen worden, nachdem sie schon im Dezember suspendiert wurde, und sieht nun einem Verfahren wegen Korruption entgegen.

Es gibt aber noch weitere Abgründe in der konservativen Regierung Parks. Man spricht offen von schamanistischen Ritualen auf dem Grundstück des Regierungsgebäudes. Schamanismus mit aufgespießten Schweineköpfen und Animismus – letzterer ist dem japanischen Shintoismus ähnlich – sind in Korea weit verbreitet. Die katholische Kirche Südkoreas hatte gehofft, dass Park den Weg des Glaubens finden würde, nachdem sie in ihrer Studentenzeit an der von Jesuiten geführten Sogang Universität katholisch getauft wurde. Doch inzwischen sagt sie längst von sich, gar keinen Glauben mehr zu besitzen. Wie ihre Wertvorstellungen aussehen, kann man nur ahnen. Die verhängnisvolle Freundschaft mit ihrer Beraterin Choi Soon-sil wird noch aufgearbeitet werden müssen. Als 1979 Parks Vater vom Geheimdienstchef Kim Jae-kyu erschossen wurde, gab dieser an, der Grund sei die enge Verbindung von Choi Tae-min, dem Vater von Choi Soon-sil, zur jungen Park. Choi Tae-min, der in koreanischen Medien als „koreanischer Rasputin“ bezeichnet wird, gründete in den 70er Jahren die Kirche des ewigen Lebens mit Elementen aus dem Christentum, dem Buddhismus und dem koreanischen Cheondismus mit seinen schamanistischen Riten. Er hatte bereits die komplette Kontrolle über Körper und Seele von Park, berichteten damals immer wieder koreanische Medien. Schon seit den 90er Jahren galt Park dann auch als Marionette ihrer Freundin Choi, und das ist wohl bis heute so geblieben. Unter anderem empfahl sie Park, keine rote oder weiße Kleidung zu tragen, aber Amulette bei sich zu führen, sowie anderen magischen Schutz. Nach Angaben von BBC gerät nun auch das Technologie-Unternehmen Samsung in die Untersuchungen um Park, weil es auf Druck von Choi hohe Summen für deren Sekte gespendet hat. Oppositionsparteien bezeichnen Korea als „furchterregende Theokratie“ und man darf hoffen, dass schamanistische Umtriebe im Regierungszentrum zur Ruhe kommen. Bis zum 9. Mai muss ein neuer Präsident gewählt werden.