Russland streitet um Ursachen der Flut

Bis gestern in der südlichen Region Krasnodar mehr als 170 Tote geborgen – Behörden: Bevölkerung wurde nicht gewarnt

Die Flutkatastrophe in der südrussischen Region Krasnodar: Die Wassermassen laufen nur langsam ab. Foto: dpa
Die Flutkatastrophe in der südrussischen Region Krasnodar: Die Wassermassen laufen nur langsam ab. Foto: dpa

Krasnodar (DT/dpa) Nach der Flutkatastrophe im Süden Russlands mit nach Stand von Montag mehr als 170 Toten, wobei mit noch wesentlich mehr Opfern gerechnet wird, haben die Behörden Fehler eingeräumt. Die Bevölkerung sei vor der nahenden Gefahr nicht in vollem Umfang und wie vorgeschrieben alarmiert worden. Das sagte der russische Zivilschutzminister Wladimir Putschkow am Montag nach Angaben der Agentur Interfax. „Seitens der Leiter vor Ort sowie der Dienststellen sind Fehler gemacht worden“, sagte Putschkow. Insgesamt seien von der schlimmsten Flutkatastrophe in der jüngeren Geschichte Russlands mehr als 20 000 Menschen in der Region Krasnodar betroffen. Tausende Helfer waren bei der Katastrophe vom Wochenende im Einsatz. Die Suche nach Opfern dauert weiter an. Für den gestrigen Montag hatte der Kreml einen nationalen Trauertag nach diesen schwersten Überschwemmungen in der jüngeren Geschichte Russlands angeordnet.

Teile der besonders stark betroffenen Stadt Krimsk mit rund 60 000 Einwohnern lagen gestern weiter unter Wasser. Dort hatte überraschend eine sieben Meter hohe Welle eingeschlagen. Woher diese Flut in der Bergregion weit weg vom Schwarzen Meer kam, darüber gingen die Meinungen auch zwei Tage nach der Katastrophe auseinander. Putschkow betonte, aus Stauseen sei kein Wasser abgelassen worden. Er habe sich an den Anlagen selbst davon überzeugt. Das Hochwasser sei ausschließlich Folge extremer Regenfälle gewesen. Die Wassermassen hätten die Flüsse zu reißenden Strömen verwandelt und alles vernichtet. Bewohner von Krimsk hingegen äußerten Zweifel an der offiziellen Version. Sie gingen weiter davon aus, dass an einem Stausee die Schleusen geöffnet worden seien.

In dem Hochwassergebiet warteten tausende Menschen, die ihre Wohnungen verloren haben, weiter auf Hilfe. Vielen fehlte es am Nötigsten wie Nahrungsmitteln und Kleidung. Die Flut hatte in der Region rund 1 200 Kilometer südlich von Moskau mehr als 5 000 Häuser überschwemmt. Die Behörden warnten gestern vor möglichen neuen starken Regenfällen. Zudem waren Brücken, Straßen und Gebäude einsturzgefährdet.

Die Region Krasnodar gilt als eines der beliebtesten Urlaubsziele in Russland. Das Gebiet von der Größe des Bundeslands Bayern wird wegen seiner sonnenverwöhnten Strände und dem milden Klima oft als „Riviera Russlands“ bezeichnet. Wie Perlen an einer Kette reihen sich Kurorte entlang der Schwarzmeerküste. Bekannteste Stadt ist Sotschi, in dessen schneebedeckten Kaukasusgipfeln 2014 die Olympischen Winterspiele stattfinden. Noworossijsk als größter Seehafen des Landes ist eine wichtige Drehscheibe für den Öl-Export. Verwaltungszentrum und Namensgeber ist die Stadt Krasnodar mit etwa 750 000 Einwohnern. Die Partnerstadt von Karlsruhe am Fluss Kuban ist größter Industriestandort im Nordkaukasus. Die fruchtbaren Böden brachten dem Landstrich den Namen „Kornkammer Russlands“ ein. Mit 5,2 Millionen Einwohnern ist Krasnodar nach dem Moskauer Gebiet die am dichtesten besiedelte Region Russlands.