Recht auf Bestattung für Sternenkinder

Bund will künftig tot geborene Kinder mit einem Geburtsgewicht von unter 500 Gramm als „Verstorbene“ anerkennen. Von Stefan Rehder

Blick auf ein Grabfeld für frühverstorbene Kinder auf dem Friedhof im mittelfränkischen Fürth. Foto: dpa
Blick auf ein Grabfeld für frühverstorbene Kinder auf dem Friedhof im mittelfränkischen Fürth. Foto: dpa

Würzburg (DT) „Heute wurde bei uns ein Mädchen in der 25. Schwangerschaftswoche still geboren und wir haben den Eltern die Klinikbox der Initiative Schmetterlingskinder überreicht. Den Eltern tat es gut, ihrer Tochter etwas auszusuchen, was sie dann tragen konnte. Sie war sehr klein und zart, ihre Eltern haben ein wunderschönes Einschlagtuch gewählt mit Stoff, auf dem Schmetterlinge waren“, schreibt eine Hebamme aus Nordrhein-Westfalen auf dem Internet-Portal „sternen-kinder.de“. Und dennoch ist bis heute oft ein Ultraschallbild alles, was den Eltern sogenannter „Sternen-“ oder auch „Schmetterlingskinder“ bleibt. Denn nach geltendem Recht müssen Kinder, die vor oder während einer Geburt versterben und ein Geburtsgewicht von unter 500 Gramm aufweisen, nicht in den Personenstandsregistern beurkundet werden. Rechtlich gelten sie so, als hätten sie nie existiert. Und obwohl Ärzte und Hebammen hier immer sensibler geworden sind, wandern ihre kleinen Leichen mitunter immer noch in den Kliniksondermüll. Aber auch dort, wo heute den Eltern von Sternenkindern der Leichnam ausgehändigt wird, stehen diese vor der Frage, wie sie diesen bestatten sollen. Denn laut den Friedhofsverordnungen können auf den Friedhöfen nur „Tote“ und „Verstorbene“ bestattet werden. Um aber als „tot“ und „verstorben“ gelten zu können, muss man zunächst einmal geboren worden sein. Als Nachweis dient auch heute noch die Geburtskunde. Die aber konnte bislang nur beantragt werden, wenn das tot geborene Kind ein Geburtsgewicht von mindestens 500 Gramm besaß. Immer wieder berichten Eltern in den zahlreichen Internetforen, die Betroffene eingerichtet haben, dass sich Friedhöfe weigerten, „Sternen-“ oder „Schmetterlingskinder“, von denen übrigens nicht wenige heute mittels künstlicher Befruchtung gezeugt wurden, zu bestatten. Selbst Verbote, diese in ein bereits vorhandenes Familiengrab zu legen, sollen mancherorts ausgesprochen worden sein.

Für die Eltern dieser „Sternenkinder“ ist das mitunter beinah so furchtbar wie die Fehlgeburt selbst. Denn wo es keinen Ort für die Bestattung eines solchen Kindes gibt, dort gibt es auch keinen Ort, an dem sich trauern und gedenken ließe.

In Zukunft soll das anderes werden. Vergangene Woche legte Bundesfamilienministerin Kristina Schröder dem Bundeskabinett einen Gesetzentwurf vor, der vorsieht, dass künftig auch tot geborene Kinder mit einem Geburtsgewicht von unter 500 Gramm eine Geburtsurkunde erhalten sollen. Es gehe darum, den „Sternenkindern“ ihre „Würde zurückzugeben und die Eltern in ihrer Trauer anzuerkennen“, heißt es

Möglich geworden ist dies allerdings erst durch den Petitionsausschuss des Deutschen Bundestags. An ihn hatten sich vor einigen Jahren die Eltern solcher „Sternenkinder“ mit einer Petition gewandt. Im Juni des vergangenen Jahres befürwortete der Ausschuss schließlich nach zahlreichen Gesprächen einstimmig die Petition und überwies sie zur Berücksichtigung an die Bundesregierung. Da das Bestattungsrecht jedoch in die Kompetenz der Länder fällt und in nahezu jedem Bundesland anders gehandhabt wird, wird nicht nur der Bundestag, sondern auch der Bundesrat dem Gesetzentwurf noch zustimmen müssen.

Bei Lebensrechtlern ist der Gesetzentwurf auf Zustimmung gestoßen. So begrüßten etwa die „Ärzte für das Leben“ den Beschluss des Bundeskabinetts für eine Änderung des Personenstandsgesetzes für „Sternenkinder“. „Dass Menschenkinder, die mit einem Geburtsgewicht von unter 500 Gramm unter der bisher geltenden Gesetzeslage nicht zu begraben sind, sondern formal dem Kliniksondermüll subsumiert werden können, ist nach dem gegenwärtigen Wissensstand völlig unverständlich und dringend korrekturbedürftig. Mensch-Sein findet seinen Ausdruck nicht im Körpergewicht. Menschenleben beginnt mit der Befruchtung", erklärte der Vorsitzende der Ärzte für das Leben e.V. Paul Cullen in Münster. Dass auch „Sternenkinder“ künftig als Personen anerkannt werden sollen, bedeute eine „längst überfällige Reformierung der Justiz eines zivilisierten Staates, dem die Kultur des Lebens aufgetragen ist“, erklärte der habilitierte Facharzt für Innere Medizin und Labormedizin.