Politischer Rosenkrieg in Sambia

Es geht um Politiker mit unehelichen Kindern und die Frage, ob sie zur Kommunion gehen

Lusaka (DT/KNA) In Sambias Hauptstadt Lusaka schlagen die Wellen hoch. Kaum ein Tag vergeht, an dem die katholische Kirche, aber vor allem Erzbischof Telesphore George Mpundu nicht in der Kritik stehen. „Doppelte Moral und Scheinheiligkeit“ werden Kirche und Erzbischof lauthals vorgeworfen. Doch mit religiösen Fragen haben die Anschuldigungen eher wenig zu tun. Ein Jahr vor den Wahlen tobt ein politischer Machtkampf in dem südafrikanischen Land, bei dem die Kontrahenten auch vor persönlichen Verunglimpfungen nicht zurückschrecken.

Einer der Protagonisten ist Sambias ehemaliger Präsident Frederick Chiluba. Der 66-Jährige gehört dem Movement for Multiparty Democracy (MMD) an, das 1990 entstand, um dem Einparteiensystem im Land ein Ende zu bereiten. Ein Jahr später gewann das neue Bündnis die Wahlen, und Chiluba regierte den 12-Millionen Einwohner-Staat bis 2002. Jetzt hat sich der einstige Präsident schlagzeilenträchtig zurückgemeldet.

Chiluba wirft der katholischen Kirche vor, dass einer seiner Kontrahenten, Michael Sata, noch immer das Sakrament der heiligen Kommunion empfängt, obwohl er bekanntermaßen uneheliche Kinder habe. Sata ist nicht irgendjemand: Der 72-Jährige gehört der Patriotic Front (PF) an, ist der bekannteste Oppositionspolitiker des Landes und holte bei den vergangenen Präsidentschaftswahlen knapp 40 Prozent der Stimmen. Besonders pikant an dem Vorwurf ist, dass die Mutter seiner unehelichen Kinder ausgerechnet die Schwester von Erzbischof Mpundu sein soll.

Auf den Zug aufgesprungen sind mittlerweile auch verschiedene Nichtregierungsorganisationen. Besonders hervor taten sich laut Berichten der Tageszeitung „Times of Zambia“ die Authentic Advocates for Justice and Democracy (AAJD), ein Zusammenschluss von Juristen. Während einer öffentlichen Veranstaltung am Wochenende erinnerte AAJD-Generalsekretär Laiford Mwanza an einen Vorfall, der rund zwei Jahre zurückliegt. Damals hatte Ex-Präsident Chiluba – auch er angeblich Vater mehrerer unehelicher Kinder – die heilige Kommunion zwar empfangen, wurde deswegen aber anschließend scharf von führenden Geistlichen angegriffen. Hier werde mit zweierlei Maß gemessen, so die Juristenvertreter. Der Kirche gehe es um politische Stimmungsmache, indem sie sich auf die Seite der oppositionellen PF schlage und gleichzeitig auf Konfrontationskurs mit der Regierung gehe.

Tatsache ist, dass die katholische Kirche, der etwa ein Drittel der Bevölkerung angehört, in Sambia immer wieder als unbequemer Mahner gegenüber den Machthabern aufgetreten ist. Bereits im vergangenen Jahr wandten sich die Bischöfe mit einem Hirtenbrief an den amtierenden Regierungschef und MMD-Politiker Rupiah Banda und warnten vor Korruption und Misswirtschaft. Den Vorwurf der Parteilichkeit wies der Generalsekretär der Sambischen Bischofskonferenz, Joe Komakoma, bei der Vorstellung eines kirchlichen Papiers zur Wahl 2011 allerdings entschieden zurück. „Wir wollen lediglich sicherstellen, dass das Volk glaubwürdige Politiker wählt“, sagte er.

Erzbischof Mpundu reagiert unterdessen verschnupft auf die Vorwürfe, die seine möglichen familiären Verbindungen ins oppositionelle Lager betreffen. „Warum sind diese Anschuldigungen schon 20 Jahre alt und kommt jetzt erst auf den Tisch?“, fragte der 64-Jährige mit Blick auf die Angriffe Chilubas. Mit diesen Vorwürfen wolle der Ex-Präsident ein Jahr vor den nächsten Wahlen lediglich seinen Gegner Michael Sata schwächen. In welcher Beziehung seine Schwester aber nun tatsächlich zu dem Oppositionspolitiker steht, ließ der Erzbischof freilich offen.