Mission im Hinterhof-Stil

Karibische Glaubensfreude: Pater Richard Ho Lung setzt sich in Jamaika für die Ärmsten ein. Von André Stiefenhofer

Pater Richard Ho Lung mit einigen seiner Freunde. Foto: KiN
Pater Richard Ho Lung mit einigen seiner Freunde. Foto: KiN

Wenn man auf Jamaika nach „Mutter Teresa“ fragt, wird man zu einem verschmitzt lächelnden Mönch in weißem Ornat geschickt. Pater Richard Ho Lung ist für die Menschen der Karibikinsel das, was die Selige für die Ausgestoßenen Kalkuttas war: Ein Engel in Menschengestalt.

„Wir helfen allen, die einsam umherirren“, sagt Pater Richard. „Wir“, das sind die „Missionare der Armen“. Jener Orden, den der frühere Jesuit für die Ärmsten der Armen auf Jamaika gegründet hat. Wie es dazu kam? „Im Jahr 1981 gab es einen Großbrand in einem staatlichen Altersheim in Jamaika“, erzählt er. „Das Haus war schon vor dem Brand abbruchreif gewesen und darum hatten die Bewohner keine Chance auf Rettung, als das Feuer ausbrach.“ 155 alte Frauen kamen damals ums Leben und ihr Schicksal rüttelte Pater Richard auf. „Zu dieser Zeit unterrichtete ich an mehreren Universitäten in der Karibik und stellte mir angesichts dieser Katastrophe die Frage, was Christus in dieser Welt von mir verlangt? Meine Antwort war, die Universität zu verlassen und eins zu werden mit dem Herrn, indem ich seine besondere Liebe zu den Armen teile.“ Seitdem kümmern sich Pater Richard und seine Mitbrüder um die Ausgestoßenen Jamaikas.

Oft werden sie von Krankenhäusern oder der Polizei um Hilfe gebeten und betreuen viele verkrüppelte, blinde und taube Menschen. Einige sind mit dem HIV-Virus infiziert, andere haben Lepra. Aber auch Menschen, die geistig zurückgeblieben oder behindert sind, bekommen Hilfe. „Manche Familien setzen geistig behinderte Kinder einfach aus, weil sie nie ihren Beitrag zum Auskommen werden leisten können“, sagt Pater Richard. Wenn Besucher aus dem Westen so etwas entsetzt, hat der Pater eine harte Antwort parat: „Der Westen macht es nicht besser, denn unsere Regierung wurde von den USA und der EU dazu gezwungen, Abtreibung zuzulassen.“ Immer wenn Geld gebraucht werde, um Straßen oder die Landwirtschaft zu verbessern, seien internationale Hilfen der EU oder der USA an die Bedingung gekoppelt, dass gleichzeitig Werbung für Abtreibung gemacht werden soll. „Wer von uns verlangt, ungeborenes Leben zu töten, hat kein Recht, sich über die Zustände in Jamaika zu beschweren. Meine Gemeinschaft hat sich entschlossen, Hilfen, die an unethische Bedingungen geknüpft sind, auf keinen Fall anzunehmen. Zu uns kamen Frauen, die nach einer Abtreibung völlig zerbrochen waren“, erzählt Pater Richard. Um sie aufzunehmen, gründeten die „Missionare der Armen“ ein „Zentrum der unschuldigen Kinder“, finanziert durch das katholische Hilfswerk „Kirche in Not“. Diese Unterstützung hat Pater Richard sehr gestärkt. „Ich rufe Ihnen in Europa zu: Habt keine Angst vor Politikern! Habt keine Angst vor Geldmangel, denn Gott wird das alles senden!“

Das Vertrauen auf die Vorsehung ist eines der Hauptcharismen der „Missionare der Armen“. „Alle Brüder führen ein einfaches und demütiges Leben, das völlig in den Händen Gottes liegt“, erklärt Pater Richard. „Das Gemeinschaftskonzept unseres Apostolats ist bunt und fröhlich. Ich sage immer gerne scherzhaft, dass wir eine Art ,Hinterhof-Stil‘ pflegen. Denn die Menschen in den Hinterhöfen Jamaikas haben zwar viele Probleme und oft keine Arbeit, doch sie haben einander. Sogar die Ärmsten können ihr Leben mit den anderen Armen teilen. In dieses Leben tragen wir Christus, indem wir selber arm werden.“

Gesungene Katechesen

Musik spielt eine große Rolle im Gemeinschaftsleben: Die Ordensleute singen viel gemeinsam. Oft sind es Lieder, die Pater Richard selbst komponiert hat: Gesungene Katechesen im karibischen Rhythmus, überschwänglich und froh. „Reggae-Priester“ wird Pater Richard wegen seines großen musikalischen Talents auch genannt.

Seine Musik ist eines der Geschenke, die Pater Richard Ho Lung vom 12. bis 15. März 2015 mit ins Congress Centrum Würzburg zum 5. Internationalen Kongress „Treffpunkt Weltkirche“ von „Kirche in Not“ mitbringen wird. Zusammen mit elf Musikern wird er während der „Glaubenskundgebung“ am Abend des 14. März karibische Lebensfreude an den Main holen. Und am Sonntag, 15. März, wird er vormittags über das Charisma und die Vision seines Ordens berichten. „Ich erwarte mir von dem Kongress viele bereichernde Begegnungen mit Brüdern und Schwestern aus aller Welt und bin sehr gespannt auf Würzburg“, sagt Pater Richard.

Karten für den „Treffpunkt Weltkirche“ und das aktuelle Programm gibt es auf www.treffpunkt-weltkirche.de oder direkt beim Veranstalter:

KIRCHE IN NOT

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