Los Angeles

"Mein Glaube hilft mir bei allem"

Für den Hollywood-Schauspieler Kevin James wird der Katholizismus immer wichtiger.

Kevin James
Ein Katholik in Hollywood: Der Comedy-Star Kevin James.dpa Foto: Foto:

Der Durchschnittsamerikaner des 21. Jahrhunderts heißt Doug Heffernan: übergewichtig, unambitioniert und mit einer Liebe für American Football. In 207 Episoden führt der New Yorker Kurierfahrer ein Leben des geringstmöglichen Widerstands. Die größten Antagonisten leben in seiner eigenen Familie: einerseits der nervige Schwiegervater, der im Keller lebt, andererseits seine Frau Carrie, die den Faulenzer zu ändern versucht. Trotz seiner Infantilität und seiner Fehler ist Doug Identifikationsfigur und Sympathieträger.

Carrie, die Anwaltssekretärin, will dagegen wie im Märchen vom „Fischer und seiner Frau“ mehr haben als ein gewöhnliches Durchschnittsdasein. Der Paketbote ist dagegen glücklich mit seinem Leben: „Namen- und gesichtslos bleiben. Nicht zu gut und nicht zu schlecht. Genau an der Grenze zur Mittelmäßigkeit.“ Kevin James verkörperte die Rolle des Doug Heffernan von 1998 bis 2007 in der Sendung „King of Queens“.

Der ministrierende King of Queens

Zwölf Jahre später macht der Comedy-Star Furore. Nicht wegen einer neuen Serie oder eines neuen Films: In den sozialen Netzwerken kursiert ein Foto. Es zeigt eine Messe im außerordentlichen Ritus, die von Vater Chad Ripperger (FSSP) zelebriert wird. Vorne am Altar dient und kniet – Kevin James. Nicht nur die Fans, sondern auch die US-Medien fragen sich: Ist der „King of Queens“, der auch mal in zweitklassigen Komödien mitspielt, in Wirklichkeit ein Traditionalist?

„Er ist ein normaler Typ. Kein Egoist.
Bei ihm dreht sich alles darum,
dass Freunde Freunden helfen.“
Vic Dibitetto

Der Ursprung des Fotos findet sich bald auf Facebook. Hochgeladen hat das Bild Scott Hahn. Hahn war zuerst presbyterianischer Pastor, bevor er zum katholischen Glauben konvertierte. Heute ist er Mitglied des Ritterordens von Jerusalem und Präsident des St. Paul Center for Biblical Theology, einer Denkfabrik für Bibelwissenschaft. Er ist häufiger Gast beim katholischen TV-Sender EWTN. Die Gerüchte verdichten sich, dass die Messe in einer Hauskapelle stattfand – in der Villa von James.

Spirituelle Sehnsüchte der Stars

Hollywoodstars sind bekannt für ihre spirituellen Sehnsüchte. Im Sodom und Gomorrha der Filmindustrie, wo Drogenkonsum, wechselnde Liebschaften und menschliche Abgründe allgegenwärtig sind, sprießt das Exotische und Esoterische. Kaum ein Star, der in der Vergangenheit nicht seinen religiösen Exzentrismus demonstrieren musste. Richard Gere wandte sich dem Buddhismus zu, Madonna spielte mit der Kabbala, andere hatten und haben zumindest ein Faible für Zen oder Meditation. Der römische Katholizismus erscheint dagegen nicht nur altbacken, sondern auch engstirnig. Mel Gibson durfte sich persönliche Angriffe gefallen lassen, aufgrund seiner angeblich fundamentalistisch-christlichen Einstellung, die in seinen Filmen durchbreche. Die meisten Katholiken in Hollywood sind irisch- und italienischstämmig und beherzigen den alten Rat: „keep a low profile“. James ist dabei keine Ausnahme.

Freundschaft ist für ihn ein wichtiges Thema

1965 in Mineola, New York, als Kevin George Knipfing geboren, beginnt er 1989 als Stand-Up-Comedian. „Ich wurde als Katholik geboren und erzogen, und ich liebe meinen Glauben. Ich lerne mehr und mehr über ihn, jeden Tag“, sagt James in einem späteren Interview. Dass seine Comedy von Anfang an „sauber“ bleibt, hat aber weniger mit seinem Glauben, als mit dem Geschäft zu tun. „Man kam damit einfacher ins Fernsehen“, gibt er zu. Doch James' Ruf unter den Kollegen kommt nicht von ungefähr. Er gilt als freundlich, großzügig – und hat Bodenhaftung. „Ich kenne Kevin seit 30 Jahren. Wir haben zusammen mit Comedy begonnen und verloren uns dann aus den Augen“, erzählt der Comedian Vic Dibitetto. „Er wurde der King of Queens, ich fuhr einen Müllwagen.“ Dann wird James auf ein YouTube-Video von Dibitetto aufmerksam – und engagiert ihn für eine Nebenrolle in seinem nächsten Film. „Er ist ein normaler Typ. Kein Egoist. Bei ihm dreht sich alles darum, dass Freunde Freunden helfen.“

Die Sekte hatte keine Chance

Ähnliche Erfahrungen hat Leah Remini gemacht, die neun Jahre lang als Carrie die weibliche Hauptfigur bei „King of Queens“ spielte. Reminis Familie schloss sich Scientology an, als diese neun Jahre alt war. Fast 35 Jahre lang gehört sie zu den bekanntesten Scientologen in der Film- und Fernsehbranche. „Sie versuchten dauernd, mich dazu zu bringen, ihn anzuwerben. Sie fragten immer wieder: Warum ist er noch nicht bei uns?“, erzählt Remini im Jahr 2015, zwei Jahre, nachdem sie der Sekte den Rücken gekehrt hat. „Und ich sagte denen: Weil er katholisch ist. Er will nichts damit zu tun haben.“ Nach dem Bruch mit Scientology sei James einer der „wenigen, echten Freunde“ gewesen, der zu ihr gehalten habe. Die Sekte ist dafür berüchtigt, Abtrünnige sozial abzuschotten. Mittlerweile hat Remini ihre katholischen Wurzeln wiederentdeckt und ihre damals elfjährige Tochter taufen lassen.

James fliegt lange Zeit unter dem Radar, obwohl die Kollegen wissen, dass er praktizierender Katholik ist. Der Schauspieler unterstützt immer wieder katholische Pfarreien mit großzügigen Spenden und gründet eine eigene Stiftung für wohltätige Zwecke. 2012 bekennt sich James in einem Interview deutlich zum Katholizismus: „Ich stecke sehr in meinem Glauben drin, und er wird mehr und mehr – Sie wissen, das wird eine sehr, sehr schwierige Position. Du hast eine Plattform, und du willst nichts tun, was Gott nicht in jeder Hinsicht ehrt.“

Nicht alles war gut

Das sei auch der Grund, warum er Filme machen wolle, die er mit seinen Kindern anschauen könne. Kritisch betrachtet er dabei seine Vergangenheit: „Ich bin schuldig, sehr schuldig, weil ich lange Zeit meinen Glauben nicht gut genug gekannt habe und nur gebetet habe, wenn ich es brauchte, weil etwas schlecht gelaufen ist in meinem Leben, und nicht dankbar zu sein, wenn die Dinge einen besseren Lauf nahmen.“ Und: „Je mehr ich verstand, wie wichtig das ist, umso mehr wollte ich darüber lernen und das Richtige tun. Alles Gute kommt von Ihm, und deshalb will ich Ihn ehren.“

2017 bereut James sogar so manches Projekt. Er hoffe, dass „Gott kein Filmfan ist und vergibt“. Er habe einige „schlechte Entscheidungen“ gefällt. Darunter vulgäre Filme. Dazu zählt er auch „Chuck und Larry“, in dem James als Feuerwehrmann wegen finanzieller Probleme seinen Kollegen heiratet – und küsst. Vielleicht ist es eine Lehre für Nachfolge-Generationen. „Ich zeige damit jungen Schauspielern, was mit ihrem Leben passieren kann, wenn sie Fehler machen wie ich. Ich kann nur hoffen, dass das gut genug ist, um die Sache mit Gott wieder gutzumachen.“

Einer der Filme, die er dagegen heraushebt, ist „Little Boy“. Außerhalb des christlichen Milieus wurde der Streifen zerrissen. Der „Christian Post“ gegenüber blieb James locker. „Mein Glaube hilft mir bei allem.“

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