LieLa und die Integration

Die Integration der nach Deutschland geflüchteten Menschen ist aktuell ein sehr wichtiges Thema. Von Ingo Langner

Deutsch lernen wie die eigene Muttersprache: Beim Projekt „LieLa“. Foto: LieLa
Deutsch lernen wie die eigene Muttersprache: Beim Projekt „LieLa“. Foto: LieLa

Wie sehr Integration mit Spracherwerb zu tun hat, ist hinlänglich bekannt. Mit den „Liechtenstein Languages“ hat nun eine neue Art des Lernens ihren Weg nach Deutschland gefunden, die hierzulande bislang unbekannt war. „Die Tagespost“ sprach mit dem Botschafter des Fürstentums in Deutschland, Prinz Stefan von und zu Liechtenstein.

Exzellenz, was ist „LieLa“?

Die Abkürzung „LieLa“ hat sich aus dem Namen des Projektes Liechtenstein Languages ergeben. Es ist ein Projekt zur Förderung der deutschen Sprache, mit speziellem Fokus auf Flüchtlinge und Migration in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Anfang 2015 überlegten wir uns an der Botschaft in Berlin, die in Liechtenstein seit fast 30 Jahren bekannte und stets weiter entwickelte Sprachunterrichtsmethode „Neues Lernen“ für einen speziellen Sprachkurs für Flüchtlinge zu verwenden. Wir sind überzeugt, so gelingt der Einstieg in die deutsche Sprache leichter und rascher.

Wie funktioniert LieLa?

Die Methode basiert darauf, dass man eine Zweitsprache so erlernen kann, wie wir alle unsere Muttersprache erlernt haben. Das menschliche Gehirn speichert emotionale Erlebnisse anders ab als gelesene Texte. Also optisch, haptisch, akustisch oder in Kombinationen erlebte Begriffe werden enorm gut gespeichert. Die rechte Gehirnhälfte wird aktiviert. Emotionales Lernen ist das Stichwort.

Was war das entscheidende Motiv für diesen Schritt ins Neuland?

Wir erkannten Anfang 2015, dass wir mit der Methode „Neues Lernen“ nicht nur bei uns in Liechtenstein den Flüchtlingen einen leichteren und schnelleren Einstieg in die deutsche Sprache geben könnten, sondern auch in unseren deutschsprachigen Nachbarländern. Wir entschieden uns, nach dem Konzept „train-the-trainer“ in unseren Nachbarländern interessierte haupt- und ehrenamtliche Trainerinnen und Trainer auszubilden. Eine pädagogische Vorbildung ist für so eine Ausbildung nicht notwendig. Daher eignet sie sich besonders auch für das Ehrenamt. In zwei Wochen erhalten die Trainerinnen und Trainer die notwendigen Kenntnisse und wir statten sie mit dem kompletten Unterrichtsmaterial, samt Anleitungen, für einen vierwöchigen beziehungsweise 60/70-stündigen Erstorientierungskurs aus.

Innerhalb nur eines Jahres hat LieLa eine rasante Erfolgskurve vorzuweisen. Wie soll es weitergehen?

Nach einer Vorbereitungszeit starteten wir im Dezember 2015 mit dem neuen Kurs in Liechtenstein und im Februar 2016 in Deutschland und zwar in Essen. Seit Februar konnten wir in mehreren Kursen etwa 80 Trainerinnen und Trainer in Deutschland und 15 in Österreich in die Methodik einführen; zuletzt Mitte September in Berlin. Diese haben seither wiederum etwa 1 500 bis 2 000 Flüchtlinge in die deutsche Sprache eingeführt. Parallel begannen Projekte mit der Wirtschaft. So startete zum Beispiel im Mai 2016 die ausgezeichnete Initiative „Joblinge“, die seit Jahren in vielen deutschen Städten Programme zur besseren Eingliederung von Lehrlingen in Jobs unterhält, einen Kurs mit unserem Sprachmodul. Andere Kooperationen mit der Wirtschaft sollen folgen. Der Gedanke ist, dass man nur wenige Wochen für die erste sprachliche Einführung verwenden möchte und dann gleich in den Job geht. Das motiviert die jungen Leute. Der richtige Deutschkurs, mit Grammatik et cetera, kann dann später folgen.

An wen können sich Interessierte wenden?

An die Botschaft von Liechtenstein in Berlin. Ich empfehle auch einen Blick in das Internet auf www.liela.li, dort bekommt man schon einen ersten Eindruck.