„Keine isolierte Minderheit mehr sein“

Verband kinderreicher Familien traf sich zu seiner Hauptversammlung in der thüringischen Landeshauptstadt Erfurt. Von Rocco Thiede

An der Spitze des Verbandes: Elisabeth Müller. Foto: Thiede
An der Spitze des Verbandes: Elisabeth Müller. Foto: Thiede

Die Akzeptanz in der Gesellschaft für kinderreiche Familien erhöhen, sich aber auch gegen Anfeindungen wie den immer wieder artikulierten Ausspruch „so viele Kinder, das ist doch asozial“ wehren. Das ist das Ziel des „Verbandes der kinderreichen Familien Deutschland“ (KRFD). Der Verband, der seit zwei Jahren existiert und bundesweit 750 Mitglieder und damit fast 4 000 Mütter, Väter und Kinder vertritt, traf sich am vergangenen Wochenende im Erfurter Kloster St. Ursula zu seiner Hauptversammlung. Schon zu Beginn wurde die teils schwierige Situation für kinderreiche Familien deutlich. „Man muss sich immer noch für die Anzahl seiner Kinder rechtfertigen und sein Leben an die Bedürfnisse der Wirtschaft anpassen; das möchte ich nicht für mich als Mutter und auch nicht für meine Kinder“, sagt Katrin Konrad. „Oft sind Behörden auf den Ämtern bei uns überfordert, weil viele Formulare gar nicht vier oder mehr Kinder vorsehen“, berichten Andrea und Matthias Lange aus Sachsen, die selbst zehn Kinder haben. Der KRFD lehnt eine gesetzliche Frauenquote ab und fordert dafür die Einführung einer Elternquote. Er ist auch für das Familiensplitting und die Aufwertung der Rolle von Großeltern. Die Vorsitzende und eine der Gründerinnen des Verbandes, Elisabeth Müller, ist Mutter von sechs Kindern und beklagte, dass Familie immer mehr zu einem ideologischen Kampfbegriff wird. Ihr Mann Florian ergänzt, „wir wollen keine isolierte Minderheit mehr sein, sondern selbstverständlicher Teil der Gesellschaft“. Theresia Theuke aus Hessen mahnt, dass „sich Familien nicht in eine Opferrolle hineinbegeben sollten“. Die Mutter von zwei Kindern ist schwanger und erwartet in wenigen Wochen zusammen mit ihrem Mann ihr drittes Kind.

Eltern, die sich bewusst für viele Kinder entscheiden, werden im politischen Diskurs oft nicht berücksichtigt. „Wir machen etwas für das Gemeinwesen in Deutschland“, sagt Alexandra Gassmann, die Vorsitzende des bayerischen Landesverbandes. Sie möchte mit ihrem Engagement den Menschen Mut und die Gesellschaft damit reicher machen. Die Mehrheit der Teilnehmer in Erfurt stammte aus Bayern, wo es den größten Landesverband der kinderreichen Familien gibt.

„Es ist uns ein Anliegen, dass auch Familien in Deutschland gehört werden, die mehr als ein oder zwei Kinder haben, ohne schief angeschaut zu werden“, ergänzte dazu Manuela Schoeneich-Carolath, die sich um die politische Lobbyarbeit des Verbandes kümmert. Politische Gespräche gab es im vergangenen Jahr bereits einige in der Hauptstadt, so mit Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU), der nach dem Gespräch als Privatperson dem Verband als einfaches Mitglied eintrat. Auch Bundesfamilienministerin Kristina Schröder empfing den Vorstand. Aus dem Treffen mit Schröder ergab sich aber bisher keine weitere Unterstützung für den Verband und seine Anliegen, obwohl die demographischen Herausforderungen in vielen Reden von ihr immer wieder betont werden.

Zur Besonderheit des Verbandes gehört auch, dass er bisher keine Mitgliedsbeiträge erhebt und sich ausschließlich über Spenden finanziert. Eine öffentliche Förderung, wie sie zum Beispiel andere Familienverbände aus den Töpfen des Bundesfamilienministeriums erfahren, gibt es bisher nicht. Unterstützt wird der Verband seit kurzem von einem hochkarätigen wissenschaftlichen Beirat, zu dem zum Beispiel die Professoren Tilmann Mayer, Bernd Raffelhüschen oder Manfred Spieker gehören. „Wir brauchen als Verband auch fundierte wissenschaftliche Stellungnahmen, wenn wir in der Politik gehört werden wollen. Dazu benötigen wir anerkannte Psychologen, Juristen oder Volkswirte“, sagt die Verbandschefin Elisabeth Müller.

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