Jetzt macht auch ein Feiertag Berlusconi das Leben schwer

Das Gedenken an 150 Jahre Einheit Italiens offenbart die Uneinigkeit des Landes Von Guido Horst

Die „Frecce tricolori“ am italienischen Nationalfeiertag über Rom. Rauchschwaden umhüllen derzeit auch Italiens Politik. Foto: dpa
Die „Frecce tricolori“ am italienischen Nationalfeiertag über Rom. Rauchschwaden umhüllen derzeit auch Italiens Politik. Foto: dpa

Rom (DT) In dem an innenpolitischen Reizthemen nicht armen Italien tobt ein neuer Streit, der diesmal – anders als die amourösen Feste des Ministerpräsidenten in seiner Villa in Arcore – wirklich den Nerv der Menschen im Stiefelstaat berührt: 2011 ist das Jahr, in dem die Republik der Einigung Italiens gedenkt, die am 17. März 1861 mit der Proklamation des piemontesischen Herrschers Viktor Emanuel II. zum italienischen König begann und 1870 mit der Eroberung der Hauptstadt des Kirchenstaats, Rom, ihren Abschluss fand. Das laufende Jahr, so war geplant, sollte ganz im Zeichen der 150 Jahre italienischer Einheit stehen und die Regierung Berlusconi beschloss zum zurückliegenden Jahreswechsel, dass der kommende 17. März ein nationaler Feiertag sein soll.

Viele Italiener haben damals, Anfang Januar, wohl in den Kalender geschaut und festgestellt, dass der 17. März ein Donnerstag ist und damit einen Glücksfall beschert. Staatliche Feiertage an einem Donnerstag ermöglichen „il ponte“, „die Brücke“: Man verlässt am Mittwochabend die Fabrik oder das Büro und kommt erst am Montag oder Dienstag wieder zur Arbeit. Sich neben dem Feiertag auch den Freitag frei zu nehmen, bereitet in der Regel keine Schwierigkeit, da genügt ein leichter Anfall von Migräne. Dieser Glücksfall ist umso mehr willkommen, als das Jahr 2011 ausgesprochen arbeitnehmerunfreundlich ist. Kaum ein staatlicher Feiertag fällt auf einen Donnerstag, der „Tag der Befreiung“ (von den Deutschen) am 25. April sogar ärgerlicherweise auf Ostermontag. Da war der 17. März ein willkommenes Geschenk.

Doch auch Emma Marcegaglia, die resolute Vorsitzende der „Confindustria“, des italienischen Unternehmerverbands, hatte in den Kalender geschaut und sich von ihren Beratern ausrechnen lassen, dass „il ponte“ über den 17. März hinweg der Volkswirtschaft des Landes angeblich zwei Milliarden Euro kosten würde. Das ginge nicht in Zeiten der Wirtschaftskrise, meinte sie und forderte jetzt, dass am kommenden Festtag der Einheit gearbeitet werden müsse. Sofort sprang die „Lega Nord“ Umberto Bossis, der die politische Einheit Italiens ein Gräuel und jedes nationale Gedenken ein Dorn im Auge ist, mit auf den Zug und Emma Marcegaglia zur Seite. Die Los-von-Rom-Bewegung ist im Norden Italiens zu einem beachtlichen Machtfaktor geworden, hat die politische Mehrheit in den Regionen Venetien und Piemont erobert und kämpft als kleiner, aber unverzichtbarer Koalitionspartner in der Regierung Berlusconis für mehr Föderalismus im Land. Die Abneigung gegen alles national Italienische geht bei der Lega so weit, dass der Rundfunksender der Partei, „Radio Padania“, bei Spielen der italienischen Nationalmannschaft grundsätzlich auf der Seite der Gegner steht und jede Niederlage der „Azzurri“ wie einen Sieg feiert.

Für Regierungschef Silvio Berlusconi eine kaum zu lösende Aufgabe: Spricht er sich für einen arbeits- und schulfreien Feiertag am 17. März aus, verprellt er seinen Koalitionspartner, den er zurzeit mehr als dringend braucht. Gibt er der „Lega Nord“ und Emma Marcegaglia nach, zieht er sich den wirklichen Zorn der Italiener zu. Die Entscheidung steht aus, Bildungsministerin Mariastella Gelmini hat schon einmal als „Versuchsballon“ den Gedanken verlauten lassen, man könne auch bei der Arbeit in den Schulbänken die nationale Einheit feiern. Vielleicht ist das nun endlich die Streitfrage, über die die Regierung Berlusconi stürzen wird.