Illegale Jagd auf den Luchs

Wilderei gehört bei Wolf und Luchs zu den häufigsten Todesursachen. Von Robert Luchs

Giftköder oder Gewehrkugeln – Wilderei gehört in der Bundesrepublik bei Luchs und Wolf zu den häufigsten Todesursachen. Davor warnt der WWF in einer aktuellen Analyse zu Deutschlands „verdrängtem Wilderei-Problem“.

Die geringe Aufklärungsrate, eine hohe Dunkelziffer und einzelne, besonders grausame Fälle bezeichnet die Naturschutzorganisation als extrem alarmierend. So wurden in Brandenburg seit 2014 drei geköpfte Wölfe gefunden. Außerdem gibt es im Bayerischen Wald Hinweise, wonach Luchse systematisch mit Fallen getötet werden, offenbar mit der Absicht, die Wälder von Luchsen zu „säubern“.

In Brandenburg ist kürzlich erstmals ein Wolf als sogenannter Problemwolf eingestuft worden. Er wurde im Garten einer Kindertagesstätte in Rathenow gesehen. Ein anderes Mal soll sich das Tier einem Kind genähert haben, berichtet das Umweltministerium. Auch in einer Wohnsiedlung habe sich das Tier aufgehalten.

Um das Wilderei-Problem endlich in den Griff zu bekommen, hat der WWF einen Fünf-Punkte-Plan vorgelegt. Kernstück ist eine Anti-Wilderei-Offensive der Bundesländer und die Einrichtung von entsprechenden Stabsstellen bei den Landeskriminalämtern oder den Umweltministerien. Eine ARD-Dokumentation belegt, dass Jäger in Bayern illegale Jagd-Safaris auf Luchse anbieten. „Es scheint so, als habe sich um die Wilderei auf streng geschützte Tierarten ein kriminelles Netzwerk mit einer professionalisierten Wilderei-Industrie etabliert, die von illegalen Greifvogel-Präparaten bis zu verbotenen Jagd-Safaris in heimischen Wäldern reicht“, so Diana Pretzell, Leiterin Fachbereich Naturschutz beim WFF. Nach diesen Recherchen wurden seit dem Jahr 2000 in Deutschland 19 Wölfe und fünf Luchse illegal getötet. Hierzu kommen unzählige gewilderte Vögel wie Eulen, Adler und Falken. Der WWF geht bei der Wilderei von einer hohen Dunkelziffer aus. So sind seit 2010 allein in Bayern 14 Luchse spurlos verschwunden. Außerdem sollen mindestens zwei Luchse, die angeblich bei Verkehrsunfällen ums Leben gekommen sind, in Wirklichkeit illegal getötet worden sein. Der WWF fordert daher, dass alle Untersuchungen zu angeblichen Wildunfällen mit Luchsen aus den vergangenen Jahren neu aufgerollt werden. Zukünftig sollen tote Luchse, ähnlich wie bei Wölfen bereits der Fall, forensisch untersucht werden.

„Wir befürchten, dass viele Wilderei-Verbrechen mitunter gar nicht erst als solche registriert werden“, so Pretzell. Die Innenminister der Länder müssen sich daher endlich auf geeignete, abgestimmte Maßnahmen verständigen und ein Zeichen setzen, aus dem deutlich wird, dass Wilderei auf streng geschützte Tiere kein Kavaliersdelikt ist. Der WWF fordert daher die Einrichtung einer Nationalen Wildtierbehörde des Bundes. Diese solle nicht nur dem Schutz bedrohter Wildtiere dienen, sondern auch Strafverfolgungsbehörden bei der Aufklärung von Wilderei unterstützen sowie Artenschutzdelikte dokumentieren.