Höher als in Rio

Ein Christ will in Nazareth die größte Christusstatue der Welt errichten. Von Oliver Maksan

Bishara Shlayan auf dem „Berg des Abgrunds“. Hier soll seiner Idee nach die Statue stehen und auf Nazareth blicken. Foto: Maksan
Bishara Shlayan auf dem „Berg des Abgrunds“. Hier soll seiner Idee nach die Statue stehen und auf Nazareth blicken. Foto: Maksan

„Sie soll größer sein als die in Rio und die in Polen“: Bishara Shlayan ist fest entschlossen. Der griechisch-orthodoxe Christ aus Nazareth will eine riesige Christus-Statue über Nazareth errichten. „Sie soll die größte der Welt sein.“ Die Christ-König-Figur von Swiebodzin in Polen hält mit 36 Metern derzeit den Rekord. Sie ist zwei Meter höher als die Cristo-de-la-Concordia-State in Cochabamba in Bolivien und sechs Meter höher als der Cristo Redentor auf dem Corcovado in Rio de Janeiro. Auf dem „Berg des Abhangs“ soll sie stehen, da, wo der Überlieferung nach die Bewohner Nazareths Christus in die Tiefe stürzen wollten. Sie wäre schon von weitem unübersehbar.

Eine Stiftung ist schon behördlich registriert. Der gebürtige Nazarener zeigt die Unterlagen: Stiftungszweck ist es unter anderem, die christliche Präsenz in Nazareth zu fördern und den Pilgertourismus anzukurbeln. „Eine solche Figur wäre eine riesige Pilger- und Touristenattraktion. Die Besucher müssten ein Eintrittsgeld bezahlen, das dann den Christen in Nazareth zugute käme.“

Bildungsprojekte und ähnliches sollen so finanziert werden. Nazareth ist die größte arabische Stadt Israels. Einst war die Mehrheit der Bevölkerung christlich. Doch im Laufe der Jahre gerieten sie durch Abwanderung und niedrige Geburtenrate in die Minderheit gegenüber den Muslimen.

„Das ist die Heimatstadt Christi. Wir Christen müssen Flagge zeigen. Viele trauen sich das nicht und kuschen vor den Muslimen. Aber das muss sich ändern. Meine Statue wäre unübersehbarer Ausdruck unseres Selbstbewusstseins.“

Tatsächlich ist das Zusammenleben von Christen und Muslimen in Nazareth nicht spannungsfrei. Vom christlichen Pilgertourismus, den die katholische und die orthodoxe Verkündigungskirche in die Stadt bringen, profitieren zwar Christen und Muslime. Seit Jahren aber sorgen fanatische Muslime für Unruhe. Sie haben an der Auffahrt zur katholischen Verkündigungsbasilika großflächige Plakate montiert, in denen sie mit dem Koran die Gottessohnschaft Jesu leugnen und die Christen zur Bekehrung zum Islam aufrufen – auf englisch. Jeder soll es verstehen. Auch Papst Benedikt XVI. musste 2009 bei seinem Besuch an ihnen vorbei. „Das ist natürlich eine Provokation. Aber niemand will sich mit den Fanatikern anlegen. Alle kuschen vor ihnen“, schimpft Shlayan.

Die offiziellen Kirchen will er für sein Projekt nicht einschalten. „Die sind doch untereinander zerstritten und wären keine Hilfe.“

Der beste Entwurf soll umgesetzt werden

Er vertraut auf private Spender. Die sollen aus aller Welt kommen. Sogar Juden will er für sein Projekt schon gewonnen haben. Der Grund, auf dem die Figur errichtet werden soll, gehört derweil dem Jüdischen Nationalfonds. Angeblich habe man ihm von dieser Seite signalisiert, dass er auf dem Gebiet bauen könne.

„Als nächstes wollen wir einen internationalen Künstlerwettbewerb veranstalten. Der beste Entwurf für die Figur soll dann umgesetzt werden.“ Wann es soweit ist, und ob es überhaupt soweit kommt, weiß Shlayan nicht. „Aber ich habe mir das in den Kopf gesetzt. Als Hochseekapitän bin ich Gegenwind gewohnt.“