Tübingen

"Gott weist mir den Weg"

Wenn am 6. September die neue Länderspiel-Saison beginnt, dürfte auch Nationalspieler Thilo Kehrer wieder dabei sein. Der in Paris spielende DFB-Verteidiger ist gläubiger Katholik und hat auf seinem Körper ein Kreuz und drei Bibel-Zitate tätowiert.

Trainingslager Nationalmannschaft
Wer glaubt, hat schon gewonnen: Thilo Kehrer.dpa Foto: dpa

Der gebürtige Tübinger ist vor einem Jahr für 37 Millionen Euro von Schalke 04 zum Starensemble Paris Saint Germain (PSG) gewechselt – die höchste Summe, die je für einen deutschen Defensivspieler bezahlt wurde. Auch in der Nationalelf hat der 22-Jährige, der einen deutschen Vater und eine afrikanische Mutter hat, zuletzt mit starken Auftritten von sich reden gemacht. Neben 33 Junioren-Länderspielen stehen für den Kapitän des U21-Europameisterteams von 2017 bereits sieben Auftritte für die A-Auswahl zu Buche. Falls der Fußballprofi seine Mitte August erlittene Fußverletzung rechtzeitig auskuriert, dürfte er für die wichtigen Begegnungen gegen die Niederlande sowie Nordirland (6. und 9. September) gesetzt sein.

Auch in Paris kann sich „die Kehrmaschine“ (so der für einen Verteidiger passende Spitzname) unter Megastars wie Neymar, Kylian Mbappé oder Edinson Cavani behaupten. Wenige wissen aber, dass der 1,86-Mann die ersten fünf Lebensjahre in Burundi und Ruanda verbracht hat – zwei der ärmsten Länder der Erde. Die Mutter stammt aus Burundi, wo sie seinem lange in Afrika tätigen Vater begegnete. In den frankophonen Ländern lernte der Junge perfekt französisch, was ihm die Integration bei PSG erleichtert hat.

Regelmäßig betet er um Schutz und Segen

Dass der Defensivspieler trotz allen Medienrummels nicht abhebt, hat mit seinen Wurzeln in Afrika, aber auch im Glauben zu tun. „Ich bin katholisch aufgewachsen und war mit meiner Familie jeden Sonntag in der Kirche. Jetzt schaffe ich es nicht mehr regelmäßig, aber ich bete täglich“, sagte er in einem Interview der „Welt am Sonntag“. Sein Glaube mache ihn stark und gebe ihm „Kraft, Sicherheit und Ruhe“. Vor jedem Spiel knie er vor seinem Bett nieder, bete und mache das Kreuzzeichen. Der überzeugte Christ bittet dabei Gott um Schutz und Segen – für alle auf dem Platz, aber auch auf der Bank. Kehrer unterstreicht, sein Glaube gebe ihm Geborgenheit. „Ich weiß, Gott schaut auf mich, mir kann nichts passieren. Alles, was im Spiel passiert, entscheidet Gott. Ich fühle mich auch geehrt, denn das Talent habe ich von Gott, und ihm zu Ehren will ich das Beste auf dem Platz geben.“ Dabei lief es in der Karriere keineswegs immer glatt. In seiner Jugend hatte er mit Selbstzweifeln und mangelnder Spielpraxis zu kämpfen – auch zu Beginn der Profizeit bei Schalke. „Aber ich habe mir immer gesagt: Gott hat einen Plan für mich, und deswegen muss ich auch weitermachen und daran glauben“, zitiert ihn das Münsteraner Uni-Magazin „WWU News“. Er habe „so ein Gefühl, dass Gott über mir schwebt, von oben auf mich herabschaut und mir meinen Weg weist“, sagte der Schwabe im Gespräch mit Autor David Kadel in dessen Buch „Was macht dich stark? Fußballstars und ihr Erfolgsgeheimnis“.

Den Wechsel nach Paris hat er mit Gott besprochen

Auch als das Millionenangebot von Paris kam, habe er „mit Gott gesprochen und schließlich gefühlt, dass ich den Schritt wagen möchte“. Ohne aber zu vergessen, woher er kommt – als Schirmherr unterstützt er das kirchliche Hilfsprojekt „Anstoß zur Hoffnung“, das sich in Burundi um arme Kinder kümmert. Seinen Glauben bringt der Defensivmann auch auf andere Weise zum Ausdruck – mit großflächigen Tattoos. Die linke Schulter ziert ein strahlendes Kreuz, und auf dem Rücken sind in französischer Sprache gleich drei Bibelverse aufgeführt: „Wenn Gott einem Menschen Reichtum und Güter gibt und lässt ihn davon essen und trinken und sein Teil nehmen und fröhlich sein bei seinen Mühen, so ist das eine Gottesgabe“, zitiert Kehrer dankbar Kohelet 5,18, weiß aber zugleich: „Nichtiger Reichtum schwindet, wer Stück für Stück sammelt, gewinnt mehr“ (Sprüche 13, 11). Und an oberster Stelle liest man, woraus der junge Sportler seine Kraft und Hoffnung schöpft: „Bei Gott ist meine Rettung und meine Ehre, mein starker Fels, in Gott ist meine Zuflucht“ (Psalm 62, 8).