Glosse: Vornamen im Wandel

Vor einhundert Jahren hießen Jungs Peter, Paul oder Hans. Wer nicht anders konnte, hieß Adolf. Den haben wir gottlob hinter uns. Dann kamen die Klausis, die Dieters und Manfreds. Später hieß man Carsten, Sascha oder Kevin. Letzteres ist allerdings eher die Beschreibung eines therapeutischen Zustands. Wobei nichts gegen den SPD-Kevin gesagt sein soll. Nicht jeder, der ewiggestrig vor sich hin honeckert, ist ein Grüßaugust der Neidgesellschaft. Seit Einbruch der Dämmerung wird das Abendland nun mal immer geistesleerer. Kein Wunder, wenn die Geisteslehrer fehlen. „Neue Männer braucht das Land“, trällerte Ina Deter schon vor 40 Jahren mit der Neuen Deutschen Welle. Neue Namen hat es inzwischen. „Mohammed“ war 2018 laut „Gesellschaft für deutsche Sprache“ der am häufigsten ausgewählte Vorname in Berlin. Auch in Bremen, Hamburg, Hessen, NRW und im Saarland reichte es für die Top 10. Droht die Islamisierung Europas? Unsinn, der Name ist einfach schön. Mehr noch, eine onomatopoetische Delikatesse, weich und sonor. Kein Wunder, schließlich bedeutet er „gepriesen“ und „gelobt“. Und ist ein Name nicht auch immer Programm? „Mahomet der Prophet“, hieß ein von der Aufklärung geprägtes Stück Voltaires, dessen Vornamen François-Marie wir großzügig übergehen. Es richtete sich gegen religiösen Fanatismus, Heuchelei und die Willkür der Mächtigen. Kann ein Name mehr politische Korrektheit beinhalten?