Glosse: Rezo und die CDU

Pastorensohn Rezo kann man nicht entkommen. Der Junge mit der stahlblauen Haartolle, dessen Argumente so klar sind wie die Luft über Peking, erregt die Gemüter der verunsicherten Republik. Er spielt die Rolle des Totengräbers der CDU. Als Marketing-Django kennt Rezo sich mit Reklame-Gimmicks aus, schließlich hat er sein Informatik-Studium nicht mit eins beendet, um, wie sein Vater, von der Kanzel zu predigen. Die Kanzel von heute heißt YouTube. Da ist Rezo's moralischer Zeigefinger fester Bestandteil. Er hat viel versucht und seine Marktlücke gefunden: politischer Influencer. Es kann nicht jeder Parfüms, Make-ups oder Tütensuppen empfehlen. Was auffällt: Rezos vermeintliche Wut ist minutiös durchgestylt. Kein Wort spontan, keine Geste ungeübt. Ein YouTube-Video allein löst schließlich keinen Hype aus. Dafür braucht es die geballte Power der Empörungsindustrie. Deren Marketingagenturen produzieren Schlagzeilen und Superhelden. Wie ...., Sie wissen schon. Jetzt also Rezo. Mit einem z und ohne Schlauch. Das Produkt muss sich stringent vermarkten lassen. Rezo ist kein empörter Twen, er ist Unternehmer. Sein Idealismus ist Kalkül. Rezos blaues Köpfchen ist nicht vom Mut zur Debatte geprägt, sondern von den gängigen Werbeslogans. Manipulation gehört mit zum Geschäft. Wer will schon Blockierer sein? Die Partei hat immer recht, hieß es früher. So einen wie Rezo bräuchte die CDU jetzt. Seltsam, dass sie ihn nicht hat.